Pflegekräften droht Sozialhilfe

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Tarif- oder Mindestentlohnung entscheiden über Armut im Alter

Eine ehemalige Pflegekraft zählt ihre knapp ausfallende Rente.
Teilzeitarbeit, Mindestlöhne oder politische Sparmaßnahmen verursachen niedrige Rentenbezüge für Pflegekräfte (Foto: Fotolia)

Altersarmut wird in Deutschland zunehmend Realität. Betroffen sind vor allem Pflegekräfte, die an ihrer Leistungsgrenze arbeiten und Gutes für die Gesellschaft leiten. Teilzeitarbeit, geringe Löhne, fehlende Tarifverträge oder politische Sparmaßnahmen sind die Gründe, warum im Alter das Geld nicht reicht.

Lebenslang arbeiten für geringe Rente

„Die Rente basiert auf der Äquivalenz-Logik“, erklärt Florian Blank, Politikwissenschaftler des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in Düsseldorf. Das Bundesarbeitsministerium wirbt für die Rente ab 63 mit dem Slogan: „Nicht geschenkt, sondern verdient„. Wer durchgängig und lückenlos arbeitet, soll laut Politik ausreichend Rente beziehen. Die Realität im Sozialsektor sieht aber anders aus.
Speziell in der Pflege sind Tarifverträge rar, Mindestlöhne zwischen 9,50 Euro und 10,20 sind hingegen flächendeckend in privaten Einrichtungen zu finden.

Unterschieden wird in West- und Ostdeutschland. Basierend auf dem westlichen Mindestlohn errechnet sich bei einer 40-Stunden-Woche, einer Lebensarbeitszeit von 45 Jahren und einem Bruttolohn von 1754,40 Euro eine Rente von 777,50 Euro. Vor Sozialabgaben und Steuern.
Die Rentenversicherungsanstalt gibt den Tipp: „Wenn Ihr gesamtes Einkommen unter 823 Euro liegt, sollten Sie prüfen lassen, ob Sie Anspruch auf Grundsicherung haben“. Befinden sich Pflegekräfte unter der Obhut eines Tarifvertrages, können sie sich glücklich schätzen. Hier beginnen die Gehälter bei 2400 Euro und enden nach 15 Jahren bei mehr als 3200 Euro. Exklusive Sonderzahlungen. Demnach fällt die Rente im Vergleich zu privatisierten Einrichtungen üppiger aus.

Grenzen werden vorzeitig erreicht

„Der Finanzaspekt ist nur einer von vielen, die betrachtet werden müssen“, sagt Blank. Der Beruf des Pflegers ist ein Knochenjob. Ob Schichtdienst oder wochenlang kein freies Wochenende, zunehmende Rückenprobleme durch fehlende Hilfsmittel oder Schicksale, die psychisch belasten, sorgen dafür, dass Pflegekräfte verheizt werden und den Arbeitgeber vor der Rente verlassen.
Anika Rasner, Rentenexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), fügt hinzu, „dass Beschäftigte aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich wegen der körperlich oft anstrengenden Arbeit häufig vorzeitig eine Erwerbsminderungsrente beantragen müssen oder die Anspruchsvoraussetzungen für die Rente mit 63 gar nicht erreichen„. Soziale Nachteile aufgrund der ständig wechselnden Arbeitszeiten ergänzen das Portfolie.

Familie oder Vorsorge

„Hinzu kommt, dass die Pflegebranche von Frauen dominiert wird“, ergänzt der 38- Jährige Wissenschaftler Blank. Das ist kein direkter Nachteil, jedoch spielen Kinderwünsche früher oder später eine Rolle. Daraus resultiert häufig der Wunsch nach mehr Freizeit für die Familie. Teilzeitarbeit oder gar Kündigungen können die Folge sein.
Das Rentenloch für Pflegekräfte wächst und es gilt laut aktuellem Rentensystem, dieses „mit privater Vorsorge“ zu schließen. Hierfür ist eine Beratung bei der Verbraucherzentrale, Gewerkschaften oder bei der Deutschen Rentenversicherungsanstalt zu empfehlen. Selbst wenn diese kostenpflichtig sind, lohnt es sich, den Mehrwert zu betrachten. Zusätzlich sollten Pflegekräfte bei der Arbeitgeberwahl nach Tarifverträgen Ausschau halten. „Spaß an der Arbeit ist wichtig, Gehalt und Rente jedoch auch“, so Blank.

 

 

 

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