Uli & die Demenz: Drei Fehler bei Sterbenden

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Richtiges Verhalten bei Sterbenden sorgt für reines Gewissen

Liegen Angehörige im Sterben, wirft dies oft viele Fragen bei Angehörigen auf. Wie soll man sich verhalten und was ist richtig? (Foto: Dorothea Mihm)

Sterben gehört zum Leben. Und das Sterben jedes Menschen ist einzigartig. Drei Fehler, die Pflegebibel-Kolumnist Uli Zeller bei Sterbenden nicht mehr tun möchte.

Egal ob Menschen mit oder ohne Demenz, ob alt oder jung. Ob plötzlich oder lange ersehnt. Sterben muss jeder. Irgendwie. Wie gehe ich damit um? Seelsorger Uli Zeller lernt aus seinen Fehlern…

Fehler Nummer 1: Prognosen erstellen

Wie lange dauert es noch?“  Diese Frage höre ich an fast jedem Sterbebett. Klar: Die Angehörigen möchten gegen Abend wissen, ob sie noch warten sollen und der Tod in den nächsten Stunden eintritt – oder ob sie nochmal nach hause sollen, um auszuschlafen. Und ob sie ihren Liebsten am nächsten Tag noch lebend antreffen. Inzwischen weiß ich: Ich weiß nichts. Es ist vermessen, Prognosen abzuliefern. Ich bin nicht Gott. Gott ist es nach meiner Überzeugung, der die Stunde des Todes festgesetzt hat. „Tut mir leid“, muss ich dann erklären. „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie lange Ihr Angehöriger noch lebt.“ Und wenn jemand wissen möchte, ob er abends noch bleiben soll oder nicht, rate ich: „Hören Sie auf Ihr Gefühl.“

Fehler Nummer 2: Unklar sprechen

Sprache ist manchmal etwas blumig. Gerade, wenn es um den Tod geht. Da spreche ich oft nicht einfach nur vom „Sterben“ oder vom „Tod“. Nein, der Verstorbene ist „von uns gegangen“, „erlöst“, „hat seine Augen für immer geschlossen“ oder „hat Abschied genommen“. Das stimmt vielleicht alles ein bisschen. Aber ich habe den Eindruck, dass ich mich damit manchmal um die treffenden, konkreten Ausdrücke herum mogle. Oft habe ich inzwischen gemerkt: Es ist für Angehörige eine Hilfe, wenn man bewusst vom „Sterben“ und vom „Tod“ redet – und diese Begriffe nicht künstlich umschifft

Fehler Nummer 3: Unruhig werden

Es gibt viele gute Dinge, die man bei Sterbenden tun kann. Man kann ansprechende Musik organisieren, beten, geistlichen Beistand holen. Man kann die Angehörigen nochmal zusammen kommen lassen. Dem Sterbenden Episoden aus seinem Leben erzählen. Man kann verschiedene Düfte einbauen. Das ist alles gut und wichtig. Aber das Wichtigste ist: Ruhe bewahren. Keine Hektik verbreiten. Einfach nur hin sitzen und die Hand halten. Das ist oft das Schwierigste, das ich Sterbenden bieten kann. Und zugleich das Einfachste und Schönste.


Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema „Demenz und Seelsorge“ ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema „Demenz und Seelsorge“ ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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