Kinder und Senioren: Ein Gewinn für Jung und Alt

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Kita mit Senioren unter einem Dach

 

Basteln, Geschichten erzählen oder Spielen spielen - beide Generationen finden Gefallen an gemeinsamen den Aktivitäten
Jung und alt können voneinander lernen. Das beweisen Senoiren und Kinder aus Berlin (Foto: Fotolia)

Das Haus am Beerenpfuhl in Berlin wurde im August 2014 bezogen. Senioren leben dort in Wohngemeinschaften zusammen. Zwei Monate später zog eine Kindertagesstätte mit ein. Seitdem harmonieren die beiden verschiedenen Generationen hervorragend miteinander.

Kinder treffen auf Senioren

 „Ursprünglich war keine Kindertagesstätte für die Räumlichkeiten geplant“, so Kathrin Sobottka, Leiterin der Kita Am Beerenpfuhl. In Planung seien Arztpraxen gewesen. Diese sollten die Senioren-WGs, die über eine Tagespflege verfügen, attraktiv machen und das Leben der Bewohner vereinfachen. „Ein Kollege von mir hatte Kontakt zu dem Bauleiter und so ergab es sich eher spontan, dass wir in das Gebäude kamen“, sagt die 35-Jährige. Durch diesen Zufall können 22 Kinder heute mit der alten Generation Kontakt aufnehmen – ganz nach dem Prinzip der intergenerativen Pädagogik.

Kontakte ohne Ängste

„Natürlich mussten wir die Kinder auf die Begegnung mit älteren Personen, die körperlich eingeschränkt oder dementiell verändert sein können, vorbereiten“, so Sobottka. Hierfür dienten Bilderbücher etwa zum Thema Demenz. Die Senioren nahmen an den Lesungen teils teil. „Die Kinder verstanden sich sofort gut mit den Senioren. Es gibt bis heute keinerlei Berührungsängste“, erklärt die Leiterin.

Neugierde mit Respekt

Auch mit Behinderungen gehen die Ein- bis Sechsjährigen unbeschwert um. Im Gegenteil: Sie werden sogar rücksichtsvoller. „Die Frage, die aufkommt, ist weniger, warum jemand im Rollstuhl sitzt, sondern eher, wie er funktioniert“, so die Pädagogin. Auch die Demenzkranken profitierten vom leichten Umgang der Kinder. „Oft erkennen dementiell Veränderte Kindergarten-Lieder wieder und trällern glücklich mit“, berichtet die Berlinerin.

Auch Vorlesen, gemeinsames Basteln oder Spiele, wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“, machen die gemeinsame Zeit besonders. „Durch die enge Verbindung sagen unsere Jüngsten oft Oma zu den Seniorinnen“, sagt Sobottka. Sie will dies aber vermeiden: Die Kinder sollen die Bewohner mit dem Nachnamen ansprechen, um Distanz zu wahren und den Kindern Respekt und Umgangsformen beizubringen.

Andererseits schützt diese Distanz die Kinder vor Verlusten. „Natürlich reden wir mit den Kleinen auch über den Tod“, sagt die Kita-Leiterin. Besuchen können die Senioren die Kinder wann immer sie wollen. Der Kontakt ergibt sich täglich, auch wenn es sich manchmal nur um ein paar Minuten handelt. Sei es das Vorbeilaufen am Zaun zum Kindergarten oder das Gespräch am Spielplatz.

Gemeinsame Events

Einmal im Monat sind die Treffen strukturiert. Mehr geht wegen der unterschiedlichen Tagesabläufe nicht. Meist sind es Tagesausflüge oder Feste. Dieses Jahr führen die Kinder bei der Senioren-Weihnachtsfeier ein Märchen auf. „Und wenn der Weihnachtsmann die Kita besucht, sind die Senioren dabei“, berichtet die Kita-Leiterin.

Dabei halten beide Seiten auch Distanz, insbesondere, wenn der Trubel Senioren zu viel wird. In Summe bereichern sich aber beide Seiten, weil die Senioren in sozialen Kontakten bleiben und gebraucht werden. Und die Kinder haben vertraute Bezugspersonen in der Generation der Senioren, bei denen sie vieles lernen, auch das Rücksichtnehmen. Und sie werden gebraucht, zum Beispiel beim filigranen Ausschneiden für gemeinsame Bastelarbeiten.


Nele Ruppmann Jahrgang 1998, studiert germanistische Linguistik an der Uni Stuttgart. Nebenher ist sie als freie Mitarbeiterin für die Pflegebibel aktiv. Ihr Lebensmotto: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“

 

 

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