Uli & die Demenz: Demente Menschen können nicht mehr wählen

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Jeden Tag darf ich viel entscheiden – und darüber freue ich mich

Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht können die Interessen der Senioren festhalten
Demente Menschen können oft keine Entscheidungen mehr treffen und sind auf die Hilfe der Pflegekräfte angewiesen. (Foto: Fotolia)

Hilde sitzt auf einem Rollstuhl. Ihr Blick ist starr auf das Aquarium gerichtet. Und sie hat keine Wahl mehr. Sie kann nicht mehr sagen, was sie will. Niemandem kann sie erklären, dass sie gerne Fisch ist. Oder dass sie Beethoven liebt. Jetzt entscheiden andere für sie. Was sie essen muss – aber auch, welche Musik im Radio läuft.

Ich möchte mir darüber bewusst sein: Ich will nicht über den Kopf dementer Menschen hinweg entscheiden. Sondern sie fragen, was sie wollen. Und ihnen zuhören.

Frühzeitig wählen

Jeder Mensch weiß: Wenn ich nicht vorher sterbe, werde ich alt. Und dann werde ich vielleicht dement oder krank – und kann meinen Willen nicht mehr äußern. Damit andere Menschen auch dann wissen, was mir wichtig ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Ich kann mich um eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht kümmern. Auch da habe ich die Wahl. Ich kann mit meinen Freunden und Angehörigen über meine Wünsche reden. Dann wissen die anderen darüber Bescheid – und beim Reden wird auch mir selber klar, was ich will

Die Wahlmöglichkeiten nutzen

Außerdem will ich ganz bewusst all die Wahlmöglichkeiten nutzen, die ich habe, so lange ich noch entscheiden kann. Jeden Tag will ich mich neu entscheiden, das Beste aus dem Tag zu machen. Jeden Tag will ich mich neu zur Dankbarkeit entschließen: So viel habe ich geschenkt bekommen in meinem Leben. Nichts habe ich verdient. Ich will gute Entscheidungen treffen. Auch für andere Menschen. Ich will mich als gläubiger Christ jeden Tag neu dafür entscheiden, Gott in meinem Alltag zu vertrauen. Und als Ehemann will ich mich entscheiden, mich jeden Tag neu auf meine Frau einzulassen. Ihr mit Respekt und Liebe begegnen. All diese Entscheidungen will ich treffen. Immer wieder. Jeden Tag. Im Wissen darum, dass es nicht selbstverständlich ist, wählen zu dürfen. Und – natürlich gehe ich auch zur Bundestagswahl.


Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema „Demenz und Seelsorge“ ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

 

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema „Demenz und Seelsorge“ ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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