Uli & die Demenz: Ich bekomme mehr mit, als du denkst

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Sieben Aussagen, die demente Menschen sagen könnten

Es ist nicht immer einfach Wünsche von Lippen dementer Menschen abzulesen – versetzen Sie sich in ihre Lage (Foto: Fotolia)

Demenziell veränderte Menschen können sich oft nicht mehr so äußern, dass sie jeder versteht. Trotzdem haben Sie Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte. Was würden sie wohl sagen, wenn sie ihre Wünsche verbal äußern könnten? Vor allem der siebte Punkt wird hilfreich sein für viele Angehörige…

Erstens:

Nimm dir Zeit für mich. Schaue alte Fotos mit mir an. Höre mit mir Musik. Singe mit mir. Halte meine Hand. Sei für mich da.

Zweitens: 

Sprich mich mit meinem Namen an. Ich bin kein „Fall“ und auch kein „Patient“. Eine Persönlichkeit. Nimm mich als Mensch wahr.

Drittens:

Rede nicht mit anderen über mich, so lange ich dabei bin. Wenn du jemandem etwas über mich sagen musst, tue das bitte wenn ich nicht dabei bin.

Viertens:

Nimm mich ernst. Beweise mir nicht, dass meine Aussagen in deinen Augen falsch sind. Gehe auf meine Gefühle ein. Sei nah bei mir.

Fünftens:

Bedenke, dass ich viel mehr mitbekomme als du denkst. Sei ehrlich zu mir.

Sechstens:

Nenne mich nicht „dement“ oder „krank“. Denn de-ment bedeutet „ohne Geist“. Nein, ich bin nicht ohne Geist. In meinem Alter erlebe ich manche Dinge auf meine eigene Art. Wenn du dennoch von „Demenz“ sprichst, weil sich dieser Begriff eben eingebürgert hat, verwende ihn bitte im warmherzigen Tonfall.

Siebtens:

Nimm dir nicht nur Zeit für mich. Nimm dir auch Zeit für dich. Mir nützt es nichts, wenn du wegen mir ausbrennst. Überschreite deine Grenzen nicht. Schone dich. Nehme Abstand von mir. Nimm dir Zeit für dich. Dann habe ich viel mehr und viel länger etwas von dir.

Vielleicht ist der ein oder andere Punkt dabei, von dem Sie finden: Jawohl. Dieser Gedankenanstoß hat mir geholfen. Dann hätte sich diese Kolumne schon gelohnt. Natürlich ist diese Liste nicht komplett. Kennen Sie weitere Aussagen, die demente Menschen Ihrer Meinung nach sagen würden? Dann kommentieren Sie diese gerne. Das hilft den anderen Lesern – und auch mir.

 

Wer einen Punkt vertiefen möchte, kann hier weiterlesen:

Zu Erstens und Zweitens:

– das Buch „Richtig sprechen mit dementen Menschen“ von Friedreike Leuthe

Zu Fünftens und Sechstens:

– das Buch „Nebelwelten: Abwege und Selbstbetrug in der Demenz-Szene“ von Peter Wißmann

– das Zeitungsinterview mit Christoph Held „Demenzkranke nicht täuschen

 

Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema „Demenz und Seelsorge“ ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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