Sicher mobilisieren

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Aktivierende Pflege in Heimen

Mobilität von Bewohnern zu erhalten ist für viele Pflegekräfte eine Herausforderung, dabei gibt allerlei Möglichkeiten (Foto: Fotolia)

Mobilität ist die Grundlage für Autonomie, für eine selbstbestimmte Lebensführung und Teilhabe am sozialen Leben. Daher ist es gerade bei älteren Personen wichtig, diese Bewegungsfreiheit so weit wie möglich zu erhalten.

Prävention mit Erfolg

„Es wird immer mehr Physiotherapie verordnet“, so Michael Austrup, Vorstand des Verbands für Physiotherapie. Grund hierfür sei, dass Verschreibungsautorisierte stets bemüht seien, die immer älter werdende Gesellschaft mit allen Mitteln mobil zu halten. „Das wichtigste Ziel sollte dabei die Sturzprophylaxe sein“, so der 58-Jährige. Probleme entstehen nämlich vor allem dann, wenn Senioren stürzen und sich verletzen. Am häufigsten und gravierendsten sei dabei der Bruch des oberen Schenkelhalses. „Mittlerweile gibt es wissenschaftliche Belege, dass die Prophylaxe wirkt“, erklärt der zweifache Vater. Übungen, um die Koordination zu schulen, seien beispielsweise Schrittfolgen auf einem Schachbrettmuster oder Aktivität auf dem Minitrampolin.

Hilfsmittel die mobilisieren

„Hilfsmittel befinden sich ständig in der Weiterentwicklung“, sagt Austrup. So gebe es inzwischen Betten, die den Patienten wiegen. Oder elektrische Betten, die sich so verstellen lassen, dass wunde Stellen vermeidbar sind. Andere technische Hilfsmittel, wie Gehwägen oder Rollstühle, erlaubten eine aktivere Beteiligung am Leben. Positionierungshilfen, Kissen und Schienen können die Arme und Beine beim Sitzen im Roll- und Pflegestuhl unterstützen – somit Schmerzen reduzieren. Auch Mikrostimulationssysteme können helfen, die Körperwahrnehmung des Betroffenen zu erhalten. Stimulation der sensorischen Nervenzellen der Haut sollen dabei kleine Eigenbewegungen des Pflegebedürftigen anregen.

Bewegung ist Leben

Bewegungsförderung beginnt mit Übungen im Bett, um die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten. Auch Angehörige können Betroffenen helfen, selbstständig zu bleiben: Spazierengehen im Park, Zuwerfen von Bällen oder lediglich das Ändern der Einstellung, Pflegebedürftigen alles abnehmen zu wollen. Laut des Physiotherapeuten sitzen und liegen Pflegebedürftige zu viel. „Natürlich liegt dies auch an der Überlastung der Pflegekräfte. Pfleger haben einfach zu wenig Zeit, sich intensiv um Einzelne zu kümmern“, meint Austrup. Auch der Fachkräftemangel der Therapie-Berufe sei ein Problem. Austrup vertritt das Motto „Das Leben ist Bewegung“: Der ganze Körper leide, wenn sich jemand nicht ausreichend mobilisiert. Bewegung verbessert die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems, stärkt Gelenke und Gewebe. „Ohne Bewegung werden die Muskeln immer schwächer. Da ist Bettlägerigkeit vorprogrammiert“, so der Diplom-Physiotherapeut.

Beteiligung statt Rückzug

Auch im Senioren Wohnen Augsburg-Haunstetten legen Einrichtungsleiter und Pflegekräfte viel Wert auf Mobilisierung. „Drei Mal die Woche finden Gymnastik- und Balancetraining statt. Einzeln, aber auch in Gruppen“, so Pflegedienstleiterin Petra Schröder. Auch gebe es aktivierende Massagen an Händen und Beinen. Heimbewohner werden außerdem stetig von Pflegekräften mobilisiert. Das Mindeste ist das Sitzen am Bettrand. Bei uneingeschränkten Bewohnern führen Pfleger Bewegungsübungen durch und versuchen somit, zum Mobilisieren anzuspornen. Selbst wenn dies bedeutet, Bewohner dem Rollstuhl näher zu bringen. „Das Bett sollte eine untergeordnete Rolle spielen“, so die 50-Jährige. Das Senioren Wohnen legt Wert darauf, dass Bewohner sich am Leben beteiligen, statt zurückzuziehen. Egal, in welchem Stadium sich ein Bewohner befindet. Zumindest kleine Aktivitäten sollten sie selbst übernehmen. „Passives Bewegen, wie das Schieben im Rollstuhl, bringt den Bewohner nicht weiter. Er soll selbst versuchen, den Rollstuhl zu bewegen“, so die Sozialwirtin.


Nele Ruppmann Jahrgang 1998, studiert germanistische Linguistik an der Uni Stuttgart. Nebenher ist sie als freie Mitarbeiterin für die Pflegebibel aktiv. Ihr Lebensmotto: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“

 

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Nele Ruppmann Jahrgang 1998, studiert germanistische Linguistik an der Uni Stuttgart. Nebenher ist sie als freie Mitarbeiterin für die Pflegebibel aktiv. Ihr Lebensmotto: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“

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