Essen im Pflegeheim: Qualität ist wichtig

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So betrügen deutsche Pflegeheime mit Essen ihre Bewohner

Jogerst-Ratzka setzt sich für qualitatives Essen ein (Foto: Privat)

Stell dir vor Dein Tagesbudget für Essen beträgt zwei Euro. Was wird da wohl auf dem Tisch stehen? Eine Portion Reis mit Bohnen, eine Tasse Kaffee, eine Scheibe Brot mit Käse, eine halbe Banane und vielleicht ein Stück Schokolade. Das ist grausam. Vor allem scheint es aber traurige Realität zu sein: Der ehemalige Correctiv-Journalist und Buchautor Daniel Drepper schreibt, dass manche Pflegeheime mit weniger als zwei Euro pro Tag für Essen und Trinken kalkulieren.

Essen in deutschen Pflegeheimen genießt einen zweifelhaften Ruf. Vor rund zwei Jahren sorgte etwa der Fall des Frührentners Jürgen für Furore. Er fotografierte seine Mahlzeiten in einem Nürnberger Pflegeheim. Die unappetitlichen Bilder wurden auf einer eigens dafür eingerichteten Facebook-Seite veröffentlicht. Das Portal BR24 berichtete kürzlich über den Ausflug eines dementen Heimbewohners. Dieser ließ sich per Taxi in eine Gaststätte fahren, um dort Schweinebraten zu essen. Als Grund vermutete die Polizei „…Qualität oder auch Quantität der Verpflegung im Heim“.

Geld verdienen auf Kosten der Qualität

Die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) geht davon aus, dass die Rohkosten für Lebensmittel in der Heimverpflegung durchschnittlich fünf Euro pro Tag und Bewohner betragen. Also mehr als das Doppelte der von Drepper recherchierten zwei Euro. Wer unter diesen Beträgen rangiert, verdient offensichtlich am Essen der Bewohner.

Heimbetreiber Marcus Jogerst-Ratzka aus der Nähe von Offenburg geht einen anderen Weg: Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Pflege in Bewegung (PiB) hatte nie eine Großküche in seinem Seniorenhaus. Stattdessen gibt es auf jedem der Wohnbereiche, die hier Hausgemeinschaften heißen, eine offene Wohnküche. Dort wird das Essen von einer Hauswirtschaftskraft frisch für die Bewohner zubereitet.

Ein Gefühl von zuhause

Wie zuhause gibt es täglich eine warme Mahlzeit. Zusätzlich berücksichtigt die Hauswirtschafterin Diäten und Bewohnerwünsche. Will jemand keinen Fisch, bekommt er beispielsweise Fleisch. Die Bewohner helfen beim Kochen und entscheiden, was auf dem Speiseplan steht. Durch Fortbildungen ist dafür gesorgt, dass auch passierte Kost appetitlich aussieht. „Die Menschen wollen wie zuhause leben. Nicht wie im Fünf-Sterne-Hotel, aber auch nicht wie im Pflegeheim“, fasst Jogerst-Ratzka zusammen. Zuhause hübschen die Leute ihr Essen auch nicht immer auf, so der Heimbetreiber, der selbst gelernter Krankenpfleger und Chef von rund 150 Mitarbeitern ist.

Gutes Essen muss keine Ausnahme sein

Das Beispiel zeigt, dass gutes Essen in Pflegeheimen möglich ist. Der Tagessatz pro Bewohner liegt bei Jogerst-Ratzka nie unter 5 Euro. Das ist mehr, als das Essen aus einer Großküche kosten würde, doch Qualität ist ihm eben wichtig. Bisweilen kaufen die Bewohner deshalb die Zutaten für ihr Essen sogar selbst auf dem benachbarten Wochenmarkt ein.

Übrigens: auch die Facebook-Seite von Frührentner Jürgen kann das belegen. Sie heißt jetzt „Wir fotografieren unser Essen – Residenz Seniorenheim / Krankenhaus“ und zieht Fans an. Rund 40.000 Menschen folgen ihr und holen sich offensichtlich Ideen für die eigene Mahlzeit. Denn neben den unappetitlichen Bildern gibt es dort inzwischen etliche Positivbeispiele aus verschiedenen Einrichtungen zu sehen.

Fazit: Gutes Essen in Pflegeheimen ist möglich und darf keine Ausnahme sein.

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