Uli & die Demenz: Zeitnot in der Pflege

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Pflegekräfte haben keine Zeit – aber das Herz am rechten Fleck

Oft helfen schon kleine Gesten, wie spazieren gehen oder eine kurze Geschichte vorlesen
Für viele Pflegekräfte ist die fehlende Zeit ein Grund für miserable Zustände in Pflegeheimen (Foto: Fotolia)

Ich habe mich vor einigen Jahren aus der Pflege verabschiedet. Und arbeite jetzt „nur“ noch im Rahmen der zusätzlichen Betreuung. Zeitmangel war einer der Gründe für meine Entscheidung. Immer wieder klagen Pflegende über zu wenig Zeit. Es gibt aber auch andere Stimmen.

„Wir haben viel zu wenig Zeit.“ In dieses Klagelied stimmen Pflegende häufig ein. Ich habe auch schon oft darüber geklagt. Aber: Wenn man ein bisschen rum fragt, sehen das nicht alle Pflegekräfte so.

Bisschen was geht immer

Man kann nicht alles auf die Zeit schieben“, hat mir einmal eine Altenpflegerin erklärt. Kleine Dinge sind immer möglich – und können einen ganzen Tag im Leben eines pflegebedürftigen Menschen aufwerten. Als Beispiele nannte sie: Einfach mal kurz die Hand halten, Augenkontakt halten, ein paar Schritte gemeinsam spazieren – oder einige Augenblicke gemeinsam da sitzen. Wer kurze Geschichten zum Vorlesen sucht, wird hier fündig.

Es gibt auch andere Möglichkeiten

Wer nur über die miserablen Umstände seines Berufsstandes meckert, verdirbt den Anderen die Lust am Pflegen. Eine Pflegekraft hat deshalb die Konsequenz gezogen: „Ich habe mich noch weiter qualifiziert. Jetzt biete ich einen Beratungsdienst an.“ Damit hat sie sich selber verwirklicht. Sie kann nun anderen besser helfen. Die Bewohner müssen nicht mehr unter dieser ausgebrannten Pflegekraft leiden. Und sie nimmt anderen Pflegekräften nicht die Freude an ihrem Beruf. Eine gute Entscheidung…

Glückliche Pflegekräfte

„Mir ist es viel lieber, wenn viel los ist“, haben mir schon Pflegekräfte gesagt. Mit anderen Worten: Lieber als einen Beruf, in dem man rum sitzt, möchten sie praktisch anpacken. Pflegen, waschen, spritzen, Medikamente verteilen, Verbände wickeln. Zwar manchmal im Akkord – aber danach hat man das Gefühl, dass man etwas geleistet hat. Manche Pflegekräfte sagen tatsächlich: „Ich liebe meinen Beruf. Sowas wie Betreuung könnte ich mir nicht vorstellen. Den ganzen Tag nur Leute bespaßen. Also nein – da arbeite ich lieber mit den Händen.“ Es gibt also auch glückliche Pflegekräfte.

Ich für meinen Teil bin froh, dass ich nicht mehr als Pfleger arbeite. Sondern „nur“ noch in der zusätzlichen Betreuung. Ich habe Zeit für die Menschen, die mir anbefohlen sind. Ich muss mich nicht drum sorgen, ob die Verbände richtig gewickelt sind und ob der Blutzuckerspiegel stimmt. Sondern kann mich um die tieferen Bedürfnisse kümmern. Und ich finde das schön.

Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.


Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema „Demenz und Seelsorge“ ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema „Demenz und Seelsorge“ ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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