Gesundheit für alle – Teil 1

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Betriebliches Gesundheitsmanagement liegt in Pflegeheimen im Trend

Der BGM-Lenkungskreis der SSG: Verbesserungen brauchen hohes Organisationsgeschick und ausgeprägten Gestaltungswillen. (Foto: SSG)

In der Industrie ist es längst Standard: Betriebliches Gesundheitsmanagement, kurz BGM. Fachkräftemangel und hoher Krankenstand öffnen dem komplexen Steuerungsinstrument auch in immer mehr Pflegeheimen die Tür. Von den Führungskräften fordert es aber Managementqualitäten.        

„BGM beleuchtet Arbeitsprozesse und zielt auf die Arbeitsplatzzufriedenheit unserer Mitarbeiter ab“, sagt Anna Koniecko-Sippel. Die gelernte Personalfachkauffrau ist Projektleiterin und BGM-Koordinatorin bei der SSG in Bayern, der Sozialservice-Gesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes. In dieser gemeinnützigen GmbH mit Sitz in München sind seit 2004 insgesamt 26 bayerische Altenheime mit zusammen 4200 Bewohnern und 2400 Mitarbeitern gebündelt.

Ansprechpartner festlegen

Koniecko-Sippel moderiert die BGM-Lenkungsgruppe, die Ende 2013 mit fünf Einrichtungsleitern und Betriebsräten eingesetzt wurde. Ihr Ziel: In allen Häusern Ansprechpartner definieren und Lenkungskreise installieren. 2014 trugen die Akteure zusammen, was an Gesundheitsprävention bereits vorhanden ist und Teil einer BGM-Strategie sein kann. Parallel wurden anonymisiert Daten zum Krankenstand, zu typischen Krankheitsbildern, Fehltagen und deren Ursachen erhoben. So gewinnt die SSG eine Datenbasis, auf der Vergleiche und Relationen möglich sind.

Kennziffern machen Häuser unterscheidbar

Schon hier zeichneten sich Unterschiede in einzelnen Häusern sowie zwischen den Bereichen Pflege und Hauswirtschaft ab, die – kombiniert mit anderen Zahlen und Fakten – qualifizierte Aussagen zulassen: Denn die Werte hängen mit dem Altersdurchschnitt der Mitarbeiter in den einzelnen Häusern zusammen, mit den Tätigkeitsprofilen oder der Fachkräftequote.

Schnittstellen als Fehlerquelle

Besonderes Augenmerk legt die SSG auf die Schnittstellenprobleme zwischen einzelnen Bereichen wie Hauswirtschaft und Pflege oder den Wechseln zwischen Früh-, Spät- und Nachtschichtteams eines Hauses. Denn genau hier liegen die höchsten Reibungsverluste, die zu Verdruss und Erkrankung führen. „Jeder hofft, der andere hat etwas Bestimmtes gemacht und alle leben in einer dauernden Unsicherheit, etwas könnte versäumt worden sein“, beschreibt Projektleitern Koniecko-Sippel, wozu nicht klar definierte Verantwortlichkeiten führen.

In Teams steckt noch viel Verbesserungspotential

Die Folge: Arbeiten werden doppelt gemacht, gar nicht oder immer von derselben Person, die sich dadurch übervorteilt fühlt. Hinzu kommt die hohe psychische Belastung im Umgang mit pflegebedürftigen Menschen. Deshalb gehört zum BGM nicht nur bei der SSG, dass der einzelne Mitarbeiter um seine eigenen (Belastungs-)Grenzen, aber auch seine fachlichen und sozialen Stärken weiß. Diese werden im Arbeitsalltag ohnehin mehr oder weniger spür- und sichtbar, doch in moderierten gruppendynamischen Prozessen und Reflexionen können diese schonender und systematischer offengelegt werden.

Vorbereitung ist das A und O

Viel Verbesserungspotential für Teams, hat die SSG erkannt, liegt in einer guten Arbeitsvorbereitung, die unnötige Gänge und Aktionen eliminiert, in klaren Arbeitszeiten und gerechten Vertretungen. Denn branchenspezifisch wie in der Gastronomie oder Hotellerie ist immer wieder zu hören, dass Mitarbeiter nicht frühzeitig genug erfahren, wann sie arbeiten und wann sie frei haben.

Krankheits- und Urlaubsvertretungen sind leidige Themen

Neben dieser Transparenz, die viel mit Wertschätzung für die Mitarbeiter und Organisationskompetenz der Führungskräfte zu tun hat, sind Krankheits- und Urlaubsvertretungen ein leidiges Thema. Das bestätigt das Institut für Qualitätskennzeichnung von sozialen Dienstleistungen (IQD). Der Zertifizierer von Pflegeheimen befragt neben Bewohnern auch Mitarbeiter zu ihrer Arbeitsplatzzufriedenheit. Fachkräfte wanderten u.a. deshalb in den Einzelhandel ab, so das Fazit.

Fortsetzung des Beitrags mit weiteren Beispielen kommenden Dienstag, 7. April.

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