Alte Migranten

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Migration: Entwurzelte Senioren mit Sprachbarrieren und Kulturkluft

Senioren mit Migrationshintergrund haben es in der Pflege besonders schwer (Foto: Fotolia)

Wie ist das Altern für Menschen, die ihre sprachlichen und kulturellen Wurzeln nicht in Deutschland haben? Auch für Senioren kann Integration schwierig sein. Doch es gibt immer mehr Lösungen.

Herausforderung in allen Kulturen: Altern

Insgesamt leben rund 17 Millionen über 65-Jährige in Deutschland. Davon sind 16,3 Millionen deutsche Staatsbürger und etwa 500.000 Ausländer. Altern ist selten eine leichte Angelegenheit, doch für die ausländischen Senioren ist es zumindest statistisch noch etwas schwerer: Sie beziehen neun Mal häufiger Sozialhilfe als die in Deutschland geborenen Senioren, schreibt das Migrations-Magazin MiGAZIN.

Ausländerfeindlichkeit gibt’s auch im Altersheim

Und das ist nicht alles: Nicht nur Jugendlichen, sondern auch Älteren rutscht gedankenlos oder oftmals beabsichtigt ein abwertendes Schimpfwort über die Lippen. So überhörte etwa eine Pflegerin in einem hessischen Altenheim Lästereien über den Bewohner Ismail M, 85. Ein deutscher Heimbewohner ließ sich zusammen mit einer anderen Patientin über den gebürtigen Türken aus. Friedrich K. nannte ihn einen „Kanaken“, der sich ständig den größten Teil des Nachtischs unter den Nagel reiße. Bei manchen Menschen mag das nur ein Schulterzucken auslösen. Doch Ismail M. fühlte sich, gerade weil es um eine Nichtigkeit ging, ungerecht behandelt, verachtet und gekränkt.

Sehr beliebt für die Migration: Senioren-WGs

Wenn ältere Migranten die deutsche Sprache nie richtig gelernt haben, wird es erst recht schwierig. Auch kulturell ist ein gemeinsamer Hintergrund gerade im Alter angenehm, um soziale Kontakte leichter zu pflegen. In Stuttgart plant deshalb etwa die Wohnungs- und Städtebaugesellschaft, Senioren-WGs auf die Beine zu stellen, die sich an spezielle Bevölkerungsgruppen richten. Betreute Wohngemeinschaften ohne Fokus auf den kulturellen Hintergrund werden immer häufiger gegründet: Die Senioren wohnen zusammen, Alltagsbegleiter kümmern sich um die Hausarbeiten und unterstützen die Bewohner. Die WG-Mitglieder helfen mit, so gut sie können. Das fördert ihre Alltagsfähigkeiten und es entsteht eine Gemeinschaft in einer überschaubaren Einheit. Soweit alles wie immer.

Kultur und Würde bewahren

Doch im Falle einer türkischen Senioren-WG sollen Einrichtung, Essen und viele kleine Alltagsdetails auf die Bedürfnisse von türkisch-muslimischen Menschen zugeschnitten sein. Diese neuen Wohnformen will der Krankenkassen-Spitzenverband weiterentwickeln. Deshalb fördert er seit einigen Monaten die Idee. Denn der Bedarf wächst: Die erste Generation ehemaliger Gastarbeiter kommt langsam ins Pflegealter. Und wie es viele Deutsche im Ausland handhaben, wollen auch die türkisch-muslimisch-stämmigen Menschen am liebsten eine Einrichtung, in der sie ihre Kultur gemeinsam leben können. Die eigenen Wurzeln pflegen „entwurzelte“ Menschen besonders gern.

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