Ich pflege: Stefanie Prigge (19)

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„Theorie und Praxis sind verschiedene Welten“

Stefanie Prigge (Foto: privat)

Kurzsteckbrief
Name: Stefanie Prigge
Alter: 19
Ort: Nähe Bremen
In der Pflege seit: 2006 (zunächst ehrenamtlich)
Beruf: Auszubildende zur Altenpflegerin
Arbeitsumfeld: Pflegeheim

 

Wie kommt eine 19-Jährige darauf, in der Pflege zu arbeiten?

Das hat sich durch die Schülerfirma Begegnung der Generationen ergeben. Damals war ich elf und habe einen Tag pro Woche im Pflegeheim mitgeholfen. Nach dem Projekt haben sich die Bewohner gewünscht, dass ich weiterhin komme. Also hab ich ehrenamtlich weitergemacht. Nach der Schule fing ich dann die Ausbildung an.

Wie finden deine Freunde das?

Die unterstützen mich total. Auch wenn’s um’s Lernen geht. Oft erkläre ich ihnen den Unterrichtsstoff. Dann kann ich’s mir selbst besser merken. Und zwei meiner Freundinnen arbeiten ebenfalls in der Pflege.

Was habt ihr Azubis denn für Arbeitszeiten?

Auszubildende arbeiten Früh- und Spätschicht. Das heißt, entweder von sechs Uhr früh bis 14 Uhr oder von 16 Uhr bis 22 Uhr. Dazu kommt die Pflegeschule. Ich habe Blockunterricht. Acht Wochen Schule und acht Wochen Betrieb im Wechsel. Mir wäre es aber lieber, wenn die Schulzeit besser aufgeteilt wäre und ich nicht so lange weg vom Heim wäre. Dort sind wir sieben Auszubildende.

Was ist das Schönste am Pflegealltag?

Wenn sich die alten Leute freuen, dass ich als junger Mensch für sie da bin. Dass ich mit ihnen einkaufen oder spazieren gehe. Es ist ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden.

Und was ist weniger schön?

Mitzubekommen, dass es oft nicht optimal zugeht und die Bewohner nicht gut versorgt sind. Besonders wenn es schnell gehen muss.

Wie gehst du selbst mit Situationen um, in denen es schnell gehen muss?

Ich versuche meine Arbeit trotzdem sorgfältig und mit Ruhe zu machen. Das ist zwar nicht immer leicht. Aber: Hektik bringt nichts, man macht nur Fehler. Und bei alten Leuten geht einfach manches langsamer.

Gibt es schwierige Tage?

Natürlich. Oft ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis verwirrend. Vieles was ich in der Schule lerne, wird im Pflegeheim anders umgesetzt. Ich schau’s mir dann von meinen Kollegen ab. Das ist anstrengend.

Wie geht es dir, wenn ein Bewohner stirbt?

Puh, das ist nicht einfach. Trotzdem sag ich mir immer: Die Bewohner haben damit ihr letztes Ziel erreicht. Ich frag mich, was würde ich mir wünschen? Weiterhin krank zu sein oder friedlich sterben zu dürfen. Der Tod gehört eben zum Leben dazu. Aber zwischendurch bin ich schon manchmal traurig.

Würdest du auch ein Familienmitglied pflegen?

Definitiv. Meine Familie ist alles für mich. Wir halten fest zusammen. Zum Beispiel hat mein Onkel eine körperliche Behinderung. Er kann momentan noch fast alles allein, aber wenn das mal nicht mehr so ist, sind wir alle bereit zu helfen.

Für viele in deinem Alter ist Pflege uncool – warum machst du das?

Weil ich es liebe, die Senioren glücklich zu sehen. Sie freuen sich über uns junge Leute in der Pflege. Es ist toll, von ihnen wertgeschätzt zu werden und ich schätze ihre Gesellschaft ebenso. Ich will den Senioren zeigen, dass sie sich nicht nur älteren Mitarbeitern anvertrauen können, sondern auch uns jungen. Wir haben sogar noch Kraft, um Veränderungen anzustoßen.

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Jahrgang 1989, „Die Pflegebiblerin“ hat Medienwirtschaft in Stuttgart studiert, langjährige Jugendleiterin, lernte den Online-Journalismus bei ProSiebenSat.1 Digital kennen, arbeitete in einer Londoner Nachrichtenagentur, hat die besten Ideen beim Wandern und ist begeisterte Köchin. Ihr Lebensmotto: Wenn Plan A nicht funktioniert, bleiben noch 25 andere Buchstaben.

4 KOMMENTARE

  1. Ich find’s echt toll, dass so ein junges Mädchen sich so engagiert. Mach weiter so! Wir bräuchten mehr von deiner Sorte!

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