Feuerwehrübung auf Pflegestation

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Lebensrettende Einsichten durch Praxistest

Um Pflegebedürftige und Demente im Brandfall retten zu können, braucht die Feuerwehr Spezialwissen. Eine Feuerwehrübung auf der Pflegestation vermittelt dieses durch praktische Übung. (Foto: Fotolia)

Bei der Feuerwehrübung auf der Pflegestation im Casa Medici in Filderstadt kam heraus, dass sich Demente keine Atemschutzmasken aufsetzen lassen. Im Freien angekommen, laufen die Verwirrten weg oder Einsatzkräfte finden an Rollstühlen die Bremshebel nicht. Es sind viele Details, die die 75-minütige Rettungsübung für die Freiwillige Feuerwehr zum Lehrbeispiel gemacht haben.

Feuerwehrübung unter Realbedingungen

Dichter Theaternebel liegt im Speiseraum im 2. Stock der Pflegestation des Casa Medici. Mit vier Fahrzeugen treffen gegen 20 Uhr 15 Feuerwehrleute in dem privaten Pflegeheim im Rahmen einer Löschzugübung ein. In voller Montur und mit Atemschutzgeräten rücken die Helfer zum Speiseraum vor, wo sich „zehn bis 15 teils demente Personen“ aufhalten.

Pflegebedürftige lassen sich nicht retten

Mit einer Drehleiter kommen Retter auch über zwei Fluchtbalkone zum Brandherd. 15 Mitarbeiter des Pflegeheims simulieren die Dementen, deren Verhalten viele Feuerwehrleute völlig unvorbereitet trifft. Die vermeintlichen Bewohner verstecken sich teils unter Tischen statt auf die Helfer zuzugehen. Der Nebel ist so dicht, dass kaum Sichtkontakt möglich ist. Und wo Feuerwehrleute Ältere finden und ihnen die im Ernstfall lebensrettende Fluchthaube überziehen wollen, wehren diese sich nach Leibeskräften.

Rollstuhlfahrer und Bettlägrige aus den Flammen bergen

Die Gefahrenlage nimmt zudem an, dass zwei Rollstuhlfahrer und ein Bettlägriger gerettet werden müssen. Dank sogenannter Hamburger Rettungstücher, die mit der Matratze verbunden sind und die im Casa Medici Standard für Bettlägrige sind, ist die Person rasch in Sicherheit gebracht. Schwieriger ist es mit den Rollstuhlfahrern, deren Bremse angezogen ist. Nur wenige Einsatzkräfte erfassen intuitiv, wie die Bremsen gelöst werden. Das kostet Zeit.

„Unvernünftige“ Demente kosten Zeit

Auch binden die Dementen Kräfte, weil sie sich nicht im landläufigen Sinne vernünftig verhalten, sondern an Atemschutzmasken ziehen, wieder ins Haus wollen oder nicht in den Rettungskorb der Drehleiter steigen. Entsprechend schwer fällt den Rettern in dem inszenierten Chaos der Abgleich, wie viele Senioren bereits gerettet und wie viele noch im vernebelten Haus sind.

Rettung dauert insgesamt zu lange

Nach 75 Minuten ist die Übung zu Ende. Gemeinsam reflektieren die 32 Einsatzkräfte und die 15 Bewohner, die in Wahrheit Pflegekräfte sind das Manöver. Die Feuerwehrleute sind dankbar für die gemachten Erfahrungen und wollen sich in Bälde von Casa Medici-Mitarbeitern eine Stunde im Umgang mit Dementen und medizinischen Hilfsmitteln schulen lassen.

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Leila Haidar
Leila Haidar ist freie Wirtschaftsjournalistin aus Stuttgart. Sie ist für verschiedene überregionale Tageszeitungen tätig, schreibt für Fachmagazine und beschäftigt sich mit den verschiedensten Themen, darunter Personal, Industrie und Logistik.

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