Netz-Fundstück: Bewertungsportal für Pflege

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Vier Sterne für Omas Pflegedienst

Bewertungsportale sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Was bei Hotels und Restaurants längst Standard ist, soll jetzt auch die Pflegebranche erobern. Auf www.werpflegtwie.de können Pflegebedürftige, Angehörige und Mitarbeiter ambulante Dienste, Seniorenheime, -WGs oder andere Einrichtungen bewerten.

Pflegenoten mal anders

Gerontologin Bernadette Höller hat die Plattform ins Leben gerufen – online ist werpflegtwie seit dem 14. Oktober 2014. Als ehemalige Praktikantin in der Pflege und spätere leitende Mitarbeiterin im Marketing und Vertrieb bei verschiedenen Pflegeanbietern erkannte sie, wie schwach die Branche im Netz abgebildet ist: „Es erschien mir unlogisch, dass ich jeden Topf online bewerten kann, aber nicht das Heim, in dem meine Mutter wohnt.“ Die Idee zu werpflegtwie war geboren.

Anonym, schnell, einfach

Bewerten darf jeder. Egal ob Angehöriger, Pflegebedürftiger, Mitarbeiter oder einmaliger Heimbesucher. Ähnlich wie bei HolidayCheck und Co. ist das Prinzip denkbar einfach. Der User vergibt, unter echtem Namen oder anonym, null bis fünf Sterne in verschiedenen Kategorien wie Aktivitäten & Sozialleben, Freundlichkeit & Kommunikation oder Essen & Trinken. Zusätzlich steht ein Feld bereit, in dem Erfahrungen frei geschildert werden können.

Bewertungskategorien auf werpflegtwie (Screenshot: Ronja Gysin)

Unvollständig ist erwünscht

Wichtig: Niemand muss alles bewerten. Eine Enkelin weiß oft wenig über die Qualität der Pflege ihres Großvaters. Sie kann aber sehr wohl einschätzen, ob das Personal freundlich und hilfsbereit ist. „Aus diesem Grund ist es bei uns möglich, nur einzelne Aspekte zu beurteilen“, erklärt Höller.

Pflegebedürftiger = Kunde

Zusammen mit einem sechsköpfigen Team und Beiräten aus Wissenschaft und Pflege, will Höller mit ihrem Portal einer neuen Branchenkultur auf die Beine helfen. „Pflege muss sich endlich am Kunden orientieren. Anbieter müssen anfangen aktiv zu kommunizieren und ihren Klienten auf Augenhöhe zu begegnen“, so die Wahl-Berlinerin.

600 Anbieter sind bereits Partner

Auf werpflegtwie sind etwa 25.000 Angebote im stationären und ambulanten Bereich mit Standard-Profilen abgebildet. Etwa 600 Pflegeanbieter haben ihr Profil bereits ergänzt und sind Test-Partner oder Partner. Für 20 Euro im Monat können sie beispielsweise Bewertungen und Stimmen für ihr eigenes Qualitätsmanagement nutzen und über ihr Profil Kunden- und Mitarbeiterbeziehungen intensivieren. Der Monatsbeitrag ist bewusst niedrig gewählt, um auch kleinen Anbietern den Einstieg zu ermöglichen.

Fehler erkennen und beheben

Pflegeanbieter können sich öffentlich zu etwaigen Vorwürfen äußern. Sie werden auf Missstände aufmerksam gemacht und können Maßnahmen einleiten. „Das führt zu einem anderen Umgang mit Fehlern – offener und transparent. Keiner erwartet, dass unter diesen Rahmenbedingungen überall alles top ist. Es geht den Leuten viel mehr um die Art des Umgangs, um den Ton“, sagt die Expertin.

Die Rolle des Bewerters ist sichtbar (Screenshot: Ronja Gysin)

Viele positive Bewertungen

Auch andersherum funktioniere der Imagewandel: Positives Feedback verbessere das Ansehen, schaffe Vertrauen, bringe qualifizierte Bewerber und eine gute Auslastung. Viele Menschen seien überaus dankbar für gute Pflege und tun das, laut Höller, auch gerne kund. Bis jetzt gebe es mehr positive als negative Bewertungen auf werpflegtwie.

Jede Stimme zählt

Das öffentliche Interesse ist groß, das zeigen stetig steigende Nutzungszahlen. Und das ist gut so. Denn wie bei anderen Bewertungsportalen gilt: Die Masse macht’s. Höller: „Jede Meinung zählt. Je mehr Bewertungen abgegeben werden, desto authentischer ist das Bild eines Angebots.“ Wer wolle, dass etwas passiert, der müsse selbst mit anpacken. Also ran an die Tasten!

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Jahrgang 1989, „Die Pflegebiblerin“
hat Medienwirtschaft in Stuttgart studiert, langjährige Jugendleiterin, lernte den Online-Journalismus bei ProSiebenSat.1 Digital kennen, arbeitete in einer Londoner Nachrichtenagentur, hat die besten Ideen beim Wandern und ist begeisterte Köchin. Ihr Lebensmotto: Wenn Plan A nicht funktioniert, bleiben noch 25 andere Buchstaben.

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