Heiße Feger: Striptease vor Senioren

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Stripper-Shows sind für alle ein Genuss

Es gehört nicht zur Regel, doch Striptease-Shows finden in deutschen Altenheimen tatsächlich ab und zu statt. Und schlagen ein. „Denn ein wenig Ästhetik und offen gelebte Sexualität finden Menschen jeden Alters super“, weiß Marc Diavolo aus Erfahrung am eigenen Leib.

Marc Diavolo hat Spaß auf der Bühne, und sein Publikum auch: Hier lässt er sich gerade von einer Frau, auf deren Schoß er sitzt, ausziehen. Foto: Marc Diavolo

Cowboy lässt die Hüllen fallen

Etwa im Julie-Roger-Haus ist Marc Diavolo mit seinen Menstrip-Kollegen bereits viermal aufgetreten. Das Alters- und Pflegeheim des Frankfurter Verbands in Eckenheim erinnert eher an ein Hotel als an stationäre Pflege. Für die große Show wurde der Speisesaal geräumt und strip-gerecht hergerichtet. Zurecht, denn der Saal war immer voll besetzt. „Wir lassen uns immer etwas Neues einfallen. Mal mit Phantom der Oper-Einlage, mal als Cowboy oder US-Polizist, mal mit Michael Jackson-Show oder mit einer Comedy, wenn wir als Dicke auftreten und dann den Fettanzug fallen lassen“, sagt Diavolo.

Mehr als nackte Tatsachen

Sein Team ist dann immer zu fünft und jeder macht etwas anderes. Choreografie, Schauspiel und Gesang sind den Entertainern neben dem Striptease vor Senioren besonders wichtig. „Das gefällt auch den Senioren sehr gut. Die Zuschauer sagen uns nach der Show, wie toll unser Lächeln ist und wie gut die Choreografie“, erzählt der Berliner. Bei jüngerem Publikum komme die Anmache zuerst.

Senioren sind das bessere Publikum

Insgesamt sei die Erfahrung im Altersheim viel positiver als bei sonstigen Engagements. “Die Freude bei den älteren Damen ist einfach viel größer als bei unserem normalen Publikum”, sagt der 44-Jährige, der 1999 von der Zeitschrift Playgirl als „Mann des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

Sexualität im Alter

Carola Peretto hat eine Stabsstelle und ist Beauftragte des psychobiografischen Pflegemodells nach Erwin Böhm im Julie-Roger-Haus. Dieses Modell bietet den Ansatz, Demente über die Gefühlsebene zu erreichen und zeigt, wie Senioren auf alte Bewältigungsstrategien zurückgreifen. Peretto und Kollegen organisierten die Stripper für die Lady’s Nights. Meistens finden die Veranstaltungen zur Weiberfastnacht statt. „Auch im Alter sind sexuelle Bedürfnisse da, deswegen kommen die Shows sehr gut an. Bei uns im Haus lassen wir es auch zu, dass sich Pärchen finden“, erklärt Peretto. Sie schätzt, dass die Striptease-Shows in Städten mehr Anklang finden und auf weniger Tabuzonen treffen als in Pflegeheimen auf dem Land.

Unbegründete Angst

Auch Marc Diavolo freut sich, wenn er die alten Damen begeistern kann. Etwa eine 99-jährige Bewohnerin im Rollstuhl sei plötzlich ganz hyperaktiv geworden, als sie den Stripper anfassen durfte. „Zuerst hatte ich kurz Angst, ihr könnte vor Aufregung etwas passieren, doch die Pfleger haben gut auf sie aufgepasst und ihr ging es auch danach noch wunderbar“, sagt der Chef einer eigenen Agentur. Die Show hatte der Seniorin gut getan, meint auch Peretto: „Sie war sehr aktiv und machte große Augen. Normalerweise liegt ihr Kopf immer auf dem Tisch.“

Auch für Homosexuelle ein toller Abend

Unter den Zuschauern im Pflegeheim sind nicht nur Frauen, sondern auch homosexuelle Männer. „In deren Jugend war ihre sexuelle Neigung eine Straftat. Umso schöner ist es für uns zu sehen, wie die Senioren sich von dem Tabu freimachen, unsere Show genießen können und uns positive Rückmeldungen geben“, freut sich Diavolo.

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