Von der Pflegerin zur Pflegeforscherin

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Elisabeth Kirchner prägte über Jahrzehnte die Pflege der Ulmer Universitätsmedizin

Elisabeth Kirchner hat die Pflegeausbildung, Versorgungsqualität und Mobilisation von Senioren in der Klinik weiterentwickelt.

Interessante Persönlichkeiten finden sich in der Pflege überall. Die Ulmer Universitätsklinik hat etwa Anfang des Jahres über so einen Menschen berichtet: Elisabeth Kirchner, ein „Pflegestar“ der Ulmer Universitätsmedizin, ist zum 31. Dezember 2014 in den Ruhestand gegangen. „In ihrer nahezu beispiellosen Pflegekarriere entwickelte sie sich von der Volksschulabsolventin über die Pflegeausbildung zur Forscherin und Förderin der Pflegelandschaft“, sagte Pflegedirektor Rick Pieger anlässlich der Verabschiedung der 64-Jährigen.

Versorgungsqualität verbessert

Schon in ihrer Zeit als Krankenschwester auf einer Krebsstation engagierte sich Elisabeth Kirchner für die Einführung von Praxisanleitern, um die praktische Ausbildung zu unterstützen. Später, in einer Stabsstelle der Pflegedirektion angesiedelt, praktizierte sie über viele Jahre mit ihrer Weggefährtin Heidi Bauder-Mißbach das VAT Trainingskonzept bei Polyneuropathien und Lähmungen vor allem für alte Patienten und die Pflegenden. Bauder-Mißbach hatte das Konzept entwickelt. Zusammen mit ihr untersuchten Kirchner und Kollegen es wissenschaftlich an der Uniklinik mit Unterstützung der José Carreras Stiftung. Die Studie ist abgeschlossen und wird dieses Jahr noch veröffentlicht. Sie bildete tausende Pflegefachkräfte aus, integrierte das System in die Pflegeausbildung und gründete einen kleinen aber feinen Forschungsbereich.

So stellte Kirchners Kollegin Heidi Bauder-Mißbach in einer praktischen Demonstration das Viv-Arte Trainingskonzept bei Polyneuropathien, Lähmungen und Muskelatrophie vor.

Frau Kirchner war maßgeblich an der Entwicklung pflegerischer Standards im Universitätsklinikum Ulm beteiligt. All diese Maßnahmen haben erheblich dazu beigetragen, die Versorgungsqualität unserer Patienten zu verbessern und parallel hierzu die Versorgungskosten zu reduzieren“, bilanziert Pflegedirektor Rick Pieger

Fachkompetenz und Empathie

Etliche Publikationen und die Beteiligung an Fachbüchern, etwa zur kinästhetischen Mobilisation, kann Elisabeth Kirchner vorweisen. In einer ihrer Studien, gefördert durch die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung, führte sie ein Behandlungskonzept zur Verbesserung der Lebensqualität bei Patientinnen und Patienten mit Nervenschädigungen infolge einer Chemotherapie ein. Gemeinsam mit Medizinern und Pflegekräften brachte sie diese Studie auf den Weg und erreichte es, dass diese Pflegeinterventionen für Mitglieder bei der AOK Ulm Biberach über den Kostenträger abgerechnet werden können. Ihre ehemaligen Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege sind sich darüber einig, dass die frischgebackene Ruheständlerin immer Patientinnen und Patienten mitsamt den Angehörigen in den Mittelpunkt ihres Handelns stellte. Dabei haben Elisabeth Kirchner stets ihre ausgewiesene Fachkompetenz und Empathie geholfen

Forschungsarbeit läuft weiter

Stellvertretend für viele Pflegekräfte sagte Lutz Freybott, Pflegedienstleiter der Klinik für Innere Medizin I und der Strahlenklinik: „Eli Kirchner war und ist eine hervorragende Netzwerkerin über alle Berufsgruppen und Berufsebenen hinweg. Auch unsere Hochschulprofessoren schätzen sie sehr. Weit über unsere Region hinaus wurde ihre Fachkompetenz erkannt und abgerufen.“ Besonders bei hochkomplexen, schwer zu betreuenden Patienten sei die Pflegerin von sehr vielen Kliniken der Ulmer Universitätsmedizin regelmäßig als Expertin hinzugezogen worden. Pflegedirektor Rick Pieger betonte mit einem Lächeln, dass der Status einer Ruheständlerin nicht so ganz richtig ist: „Das Wort Unruheständlerin trifft es wohl besser, denn Frau Kirchner bleibt uns im Rahmen ihrer Forschungsarbeit noch hoffentlich sehr lange erhalten.“

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