Fundstück: Nackte Tatsachen im Pflegeheim sorgen für Diskussion

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Seniorenheim in Bayern zeigt Akte

Rentner bestaunen die Bilder im Flur des Seniorenheims.

„Der Mann ist aber hässlich!“ Mit dieser Reaktion hat Heidemarie Rau schon gerechnet. Die im bayrischen Hof lebende Malerin hörte bei der Vernissage im örtlichen BRK-Seniorenheim allerdings nicht nur die Kritik einer Bewohnerin. Ihr gefiel ein Aktgemälde offensichtlich nicht.

„Der nackte Mann ist das große Bild einer fast 100 Jahre alte Skizze meines Vaters“, erklärt die 69-jährige Künstlerin. Diese habe die Mutter und Großmutter inspiriert, daran angelehnt ein eigenes Bild zu malen. Erstaunlich sei allerdings, dass lediglich der nackte Mann für Diskussionsstoff sorgt.

Männer vs Frauen Akte

Wenige Schritte weiter hängt ein Bildnis einer nackten Frau. Über die allerdings kaum einer der Besucher ein Wort verliert, wie Rau bemerkt. Bilder nackter Frauen seien alltäglich, vermutet sie. Nackte Männer hingegen sorgen wohl nach wie vor für Aufregung. „Bisher durfte ich diese Bilder lediglich im Kunstverein zeigen“, berichtet die ehemalige Regierungsbeamte, die bereits als junge Frau gerne malte und die sich nach der Familienzeit in einer Malschule weiterbildete.

In Bayern scheint Körperkult eher auf geschlossene statt auf offene Türen zu stoßen. Für Einrichtungsleiter Hannes Wienands hingegen sind die Akte kein Problem – im Gegenteil. „Ich hoffe sehr, dass Leute zu uns ins Haus kommen, um die Werke anzuschauen“, sagt der Chef des Hauses.

Der nackte Mann in der Mitte sorgt für Gesprächsstoff. (Fotos: SSG)

Acrylbilder im Heim

Denn für ihn ist Kunst im Bau mehr als eine willkommene Abwechslung. Die Nackten sind noch bis Ende August zu bewundern. Danach steht die nächste Vernissage an. Acrylbilder im Heim sind für Wienands ein wichtiger Teil der Öffnung des Hauses.

„Wer über die Bilder zu uns findet, sieht, dass es hier munter zugeht“, so der Einrichtungsleiter. Und: Man nutze die Kunst, um den oft nicht mehr so mobilen Bewohnern Abwechslung zu bieten. Obendrein freuen sich Künstler, wenn sie Ausstellungsfläche bekommen, um das eine oder andere Bild zu verkaufen.

Somit ist der Nackte eine Win-Win-Situation für alle involvierten Parteien.

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Michael Sudahl
Michael Sudahl (Jahrgang 1973) ist Pflegebibel-Initiator und greift am liebsten zu brisanten Themen in die Tasten. Der gelernter Banker, Journalist und Körpertherapeut ist seit Jahren in der Pflege unterwegs: Er berät soziale Organisationen in der Kommunikation und geht als Lebensberater und Schattenjäger den Dingen gerne auf den Grund. Michaels Motto: “Sei du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt” (Ghandi)

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