Leserbeitrag: „Noch einmal Bowling spielen“

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Bewohnerwünsche hören – zur Nachahmung empfohlen

Oft sind Wünsche leichter zu erfüllen, als man glaubt. (Foto: Fotolia)

Ob alt oder jung – jeder Mensch hat Wünsche. Mit wachsender Gebrechlichkeit wird es schwieriger, sich diese selbst zu erfüllen. Ein Pflegebibel-Leser und Heimbetreiber rät seinen Kollegen: Hört hin. Es lohnt sich – für Pflegepersonal wie Pflegebedürftige.

Herr K., 82 Jahre alt, sitzt nach dem Nachmittagskaffee allein an seinem Tisch im Pflegeheim. Ich geselle mich zu ihm und frage ihn spontan:

“Nennen Sie mir doch mal einen heimlichen Wunsch.

“Och, ich hab keinen Wunsch.” war seine Antwort.

“Das glaub ich Ihnen nicht”, erwiderte ich. Da kam dann etwas verschämt:

“Ich würd gern mal wieder Bowling spielen. Das hab ich schon lange nicht mehr gemacht.”

“Sie würden das wirklich gern mal machen?”

“Ja!”

Wünsche sind zum Erfüllen da

Ich stimmte mich mit den Mitarbeitern ab, klärte, ob die Bowlingbahn in Heidelberg geöffnet ist – sie war bis 19:00 Uhr geöffnet – ging dann wieder zu ihm und teilte ihm mit:

“Wir können sofort losfahren. Ziehen Sie sich ein paar Schuhe an!”

Flink wie ein Wiesel hatte der 82-Jährige seine Schuhe an. Wir fuhren am Neckar entlang nach Heidelberg. Ja, erzählte er, er sei früher mal gut gewesen im Bowlen. Ob er das aber noch hin kriege, wisse er nicht.

Sieben auf einen Streich

Dann waren wir da. Erhielten unsere Schuhe und betraten die Bahn.

Die erste Kugel ging daneben. Doch bald fielen die Kegel. Einen Strike gab es nicht, aber sieben auf einen Streich waren mehrfach dabei. Auf die Frage, was er trinken wolle, verlangte er nach einem alkoholfreien Bier. Bald stand es auf dem Tisch.

Nach zwei Runden hatte Herr K. genug und wir beendeten unser Spiel. Er hatte mich um einen Punkt geschlagen. Nach einer Portion Pommes machten wir uns auf den Heimweg.

Noch lange schwärmte der Bowling-Fan von seinem Abenteuer. Seine Freude steckte uns alle an. Oft sind es einfach zu erfüllende Wünsche, die die schönsten Früchte tragen. Probieren Sie’s aus! (Johannes Paetzold)

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Jahrgang 1989, „Die Pflegebiblerin“ hat Medienwirtschaft in Stuttgart studiert, langjährige Jugendleiterin, lernte den Online-Journalismus bei ProSiebenSat.1 Digital kennen, arbeitete in einer Londoner Nachrichtenagentur, hat die besten Ideen beim Wandern und ist begeisterte Köchin. Ihr Lebensmotto: Wenn Plan A nicht funktioniert, bleiben noch 25 andere Buchstaben.

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