Lästern? Nein, Danke!

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Schon Kinder lästern – Ewachsene hingegen sollten sich überlegen, ob und über wen sie reden (Foto: Fotolia)

Warum es sich lohnt souverän mit Lästermäulern umzugehen

„Hast Du gesehen: Anne hat schon wieder …!“ Hinter vorgehaltener Hand über einen Kollegen reden. Sich in der Pause mit einem Ellenbogenknuff über einen Bewohner lustig machen. Jeder, der im Beruf mit Menschen zu tun hat, kennt das. Lästern ist an der Tagesordnung. Entweder wirst du Opfer oder du bist Täter. Nur wenige haben unter Druck und bei Stress so viel Charakterstärke, dass sie sich in die Angelegenheiten anderer nicht einmischen oder über diese reden.

Doch was lässt uns lästern? Vielleicht weil Lästern mehr als nur ein Laster ist. Wissenschaftler behaupten: Das kollektive Herziehen und der Austauschen über Dritte kann sich positiv auf unsere Psyche und das soziales Miteinander auswirken:

  • Lästern stärkt die Zugehörigkeit zu einer Gruppe
  • Es schweißt uns zusammen, wenn wir über Dritte negativ reden

Ein psychologisches Experiment zeigt: Zwei Fremde verstanden sich nachweislich besser, wenn sie zuvor erfahren hatten, dass beide eine Abneigung gegenüber einem außenstehenden Dritten hegten, als wenn einer oder beide positiv über diesen urteilten.

Beziehungen brauchen Feindbilder

Weiter erklärt die Wissenschaft: Jede gute Beziehung braucht ein Feindbild. Das kann unter Kollegen die böse Pflegedienstleitung sein. In der Fankurve im Fußballstadion ist es die gegnerische Mannschaft und Zuhause erfüllt allzu oft der „faule“ oder „versoffene“ Nachbar dieses Bild.

Angst, Opfer zu werden, lässt uns das Verhalten ändern

Hinzu kommt: Klatsch und Tratsch bestätigt die eigenen Werte. Lästern etwa zwei Kollegen über den neuen prolligen Geländewagen des dritten Kollegen, weil sie sich so eine Karre nie kaufen würden, bestärkt das ihre Beziehung. Sie fühlen sich überlegen und die eigene Wertvorstellung wird bestätigt.

Lästern als Waffe

Interessant wird es, wenn Lästern zur Waffe im Guten wird. Ein Beispiel: Sie kennen einen Pfleger-Kollegen, der ständig bei der Dienstplanung betrügt. Dann können Sie schweigen oder das Beobachtete mit anderen Kollegen teilen. Bekommt das der Betrüger mit, wird er sich schlecht fühlen. Der Tratsch kann also verhindern, dass andere ausgebeutet werden. Das wollen zumindest Forscher der Stanford University herausgefunden haben. Sozialschmarotzer könnten so aufgedeckt werden.

Wenn Menschen bemerken, dass über sie geredet wird, sind sie eher bereit ihr Verhalten zu verändern – sie werden fairer, so die These der Kalifornier. Allerdings: Bereits die Angst davor ein Lästeropfer werden zu können, lässt uns unser Verhalten ändern.

Die böse Schöne

Die Top-Lästerer sind übrigens Menschen, die sowieso auf der Sonnenseite stehen. Spitzenreiter sind vor allem Frauen, die wissen, dass sie gut ankommen. Fazit: wer ohnehin gut ankommt, der kann es sich leisten zu lästern. Wer hingegen auf der Beliebtheitsskala im Betrieb unten rangiert, sollte sich zweimal überlegen, ob er sich das Maul zerreißt. Herausgefunden haben das wiederum Forscher aus Texas.

Eigenschaften übertragen sich auf den Lästerer

Immerhin: Wer lästert, spielt mit seiner Vertrauenswürdigkeit und Sympathie. Wer es übertreibt, verliert Freunde. Da hilft dann auch keine Attraktivität. Psychologen wissen: Eigenschaften, die wir an anderen kritisieren, übertragen Zuhörer unterbewusst auf uns selbst. Klassisches Eigentor.

Lob tut gut

Daher hilft loben. Wer viel Gutes über andere zu berichten weiß, den werten die Zuhörer auf. Und wir tun uns selber gut: Lob für andere steigert das eigene Selbstbewusstsein.

Bilanz: Lästern ist zwar menschlich, doch wer es übertreibt, wird selbst zum Ziel von Klatsch und Tratsch. Lieber loben – auch wenn es schwerer fällt.


Michael Sudahl (Jahrgang 1973) ist Pflegebibel-Initiator und greift am liebsten zu brisanten Themen in die Tasten. Der gelernter Banker, Journalist und Körpertherapeut ist seit Jahren in der Pflege unterwegs: Er berät soziale Organisationen in der Kommunikation und geht als Lebensberater und Schattenjäger den Dingen gerne auf den Grund.
Michaels Motto: “Sei du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt” (Ghandi)

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Michael Sudahl
Michael Sudahl (Jahrgang 1973) ist Pflegebibel-Initiator und greift am liebsten zu brisanten Themen in die Tasten. Der gelernter Banker, Journalist und Körpertherapeut ist seit Jahren in der Pflege unterwegs: Er berät soziale Organisationen in der Kommunikation und geht als Lebensberater und Schattenjäger den Dingen gerne auf den Grund. Michaels Motto: “Sei du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt” (Ghandi)

1 KOMMENTAR

  1. so ein Quatsch : nur die die auf der Sonnenseite stehen gut ankommen, würden lästern.Ja aber komischer weise kommen auch oft die hässlichen gut an

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