Erste Männerwerkstatt für Demenzerkrankte

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Männer mögen keine Stuhlkreise

Männer vereinsamen schneller (Foto: Fotolia)

Männer mögen keine Kaffeekränzchen, Stuhlkreise und bunte Tücher. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen wendet sich deshalb nun mit einem „Männerschuppen“ an demenzerkrankte Männer. Hier können sie miteinander werkeln, fachsimpeln, Karten spielen oder in Werkzeugkatalogen und Auto-Bildbänden blättern.

In den Räumen einer ehemaligen Gärtnerei entsteht der Treffpunkt für Männer ab 60 mit und ohne körperliche oder geistige Einschränkungen, wie etwa Demenz. „Wir wollen auch Männer in die Tagespflege holen“, sagt Leinfelden-Echterdingens Erste Bürgermeisterin Eva Noller, „hier können handwerklich geschickte Un-Ruheständler ihre Fähigkeiten einbringen und demenzkranke Mitbürger unterstützen.“

Männerschuppen bundesweit bislang einmalig

Von 11 bis 15 Uhr hat der Männerschuppen ab 13. Oktober jeden zweiten Dienstag im Monat geöffnet. Es gibt auch ein Vesper. Fünf Euro kostet jede Teilnahme.  Das Projekt in dieser Art gilt laut kommunaler Pressemitteilung als bundesweit einmalig. Initiiert hat es Hansjörg Schaude vom Sozialpsychiatrischen Dienst für alte Menschen (SOFA) des Landkreises Esslingen.

Der städtische Pflegestützpunkt von Leinfelden-Echterdingen und deren Stadtseniorenrat haben die Idee als erste Kommune im Kreis aufgegriffen. „Nicht die Demenz steht im Vordergrund, sondern das gemeinsame Tun“, betont Sabine Schmitz, Leiterin des Pflegestützpunktes, bei der die Koordination zusammenläuft. Angedacht ist auch ein Fahrdienst.

Berufliche Fertigkeiten gehen nicht verloren

Hansjörg Schaude weiß, dass die beruflichen Fertigkeiten und Talente eines an Demenz Erkrankten nicht verloren gehen. Im Gegenteil, sie werden im Tun revitalisiert und die Krankheit tritt in den Hintergrund. Schaude wird die Gruppe zunächst selbst leiten. Nun hofft er auf Sachspenden wie alte Werkzeugkoffer oder Materialien.

Dem Initiator schwebt vor, dass seine Männer auch Mobiliar für den Männerschuppen, ob Tisch oder Pinwand, selber zusammenbauen. Später könnten kleinere Reparaturen übernommen werden. Unterstützt wird der Männerschuppen vom Krankenpflegeförder- und Betreuungsverein des Stadtteils Musberg, in dem das Gebäude liegt, dessen Miete der Verein übernimmt.

Erfahrungen sammen und diese kommunizieren

Gefördert wird das Projekt vom Bund im Rahmen des Modellprogramms „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“, in das Leinfelden-Echterdingen 2014 aufgenommen wurde. In den Lokalen Allianzen sollen sich Partner in den Kommunen vernetzen, damit Menschen mit Demenz nicht ausgegrenzt werden, sondern so lange es geht in das gesellschaftliche Leben einbezogen bleiben und ihre pflegenden Angehörigen Unterstützung erfahren.

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Leonhard Fromm (Jg. 1963) ist Gründer der Pflegebibel. Der Theologe und Wirtschaftsjournalist, der sich vielfach sozial engagiert, schreibt vor allem über Management in der Pflege. Der zweifache Vater interessiert sich für Zahlen, Daten, Fakten: „Verändern kann das System nur, wer seine Spielregeln versteht.“

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