So begegnen Sie dem Rückenschmerz

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Hexenschuss und Ischias – der Rückenschmerz in der Pflege

Dietrich Grönemeyer gibt Tipps für einen gesunden Rücken. (Foto: ZDF/Rico Rossival)

Wer in der Pflege arbeitet, kennt das Reißen oder Stechen im Rücken. Vier von fünf Menschen sind mindestens zeitweise von Rückenschmerzen betroffen. Bei jedem zweiten kehren sie regelmäßig zurück. Wer sich häufig über Betten beugt und Menschen hebt, kann trotzdem viel gegen den Kreuzschmerz tun.

 Starke und akute Rückenschmerzen: auf zum Arzt

„Bei starken akuten Schmerzen sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen, um ernsthafte Krankheiten ausschließen zu lassen“, sagt Bernd Kladny. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie weiß, dass ein großer Teil der auftretenden Rückenschmerzen nicht-spezifisch, also nicht direkt auf eine bestimmte Ursache zurückzuführen ist. „Liegt eine gestörte Struktur am Bewegungsapparat vor, kann man das beispielsweise im Röntgen oder oft noch besser im MRT sehen und entsprechend behandeln“, sagt der promovierte Mediziner.

Prof. Dr. Bernd Kladny Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie hat täglich mit Rückenschmerz-Patienten zu tun.

Die meisten Rückenschmerzen sind nicht-spezifisch

Ist ein nicht-spezifischer Rückenschmerz diagnostiziert, gibt es für den Patienten erstmal Entwarnung. „Parallel zu allen weiteren Maßnahmen wird in Absprache mit dem Patienten wenn nötig eine Schmerztherapie beispielsweise mit Tabletten eingeleitet“, sagt der Medizinprofessor an der Universität Nürnberg-Erlangen.

In den meisten Fällen ist der Rückenschmerz aber nicht-spezifisch und daher zwar weniger bedrohlich aber nicht minder unangenehm. „Viele Patienten sind in ihrem Alltag massiv eingeschränkt“, sagt Kladny. Insgesamt gebe es aber gute konservative Möglichkeiten, mit dem Schmerz und seinen Ursachen umzugehen:

  1. Bewegung. Die wichtigste Maßnahme beim akuten wie auch beim chronischen Rückenschmerz ist Bewegung. „Sie sollte an den Schmerz angepasst sein. Also nicht übertrieben werden“, sagt der Orthopäde. Dabei ist ein spezielles Wirbelsäulentraining nicht unbedingt nötig. Eine halbe Stunde mit dem Hund raus, regelmäßiges Radfahren, Schwimmen oder Tanzen sind genauso empfehlenswert. „Schließlich sind wir aus unserer evolutionären Entwicklung heraus Lauftiere und keine Faultiere.“
  1. Entspannung. Wer sich in einer Schonhaltung bewegt, verkrampft. Auch bei Stress oder einseitiger Belastung verspannen die Muskeln. Das kann Rückenschmerz auslösen oder verstärken. Daher sind Entspannungsübungen beispielsweise mit klassischer Musik, geführte Meditationen oder Autogenes Training ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Rückenschmerz.
  1. Alternatives. Akupunktur, Feldenkrais, Massagen – es gibt viele schonende Maßnahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin oder anderer Ansätze, die akutes Leiden verbessern können oder Schmerzen sogar verschwinden lassen. Welche Behandlung im Einzelnen die Richtige ist, muss jeder für sich herausfinden.
  2. Abnehmen. Das Körpergewicht übt eine mechanische Belastung auf die Wirbelsäule aus. Je leichter der Patient, desto geringer der Druck auf die Bandscheiben. Mit Gewichtsabnahme kann dem Verschleiß entgegen gewirkt werden.
  1. Rückenschule. Richtiges Gehen, richtiges Stehen und vor allem richtiges Heben. Viele Menschen schaden ihrem Rücken auch im Alltag, weil sie die schonende Haltung bei ihren Tätigkeiten nicht kennen. Wer schon einmal einen Kasten Sprudel unter Schmerzen gehoben hat, kennt das Problem. In Rückenschulen, wie sie von jeder Krankenkasse oder Volkshochschule angeboten werden, lernen Betroffene in wenigen Stunden, wie sie das Kreuz im Alltag schonen.
  1. Ernährung. Bindegewebe, Sehnen und Muskeln übernehmen eine wichtige Funktion in unserem Stützapparat. Sie müssen über eine gesunde Ernährung gut versorgt werden. Bestsellerautor Dietrich Grönemeyer empfiehlt in „Mein Rückenbuch
    Mein Rueckenbuch von Dietrich Groenemeyer erschienen bei Goldmann

    “ eine ausgewogene, frische Kost. Wichtige Stoffe sind Vitamin C, Kupfer und Zink.

  1. Wärme. Den akuten Schmerz lindert oft Wärme. Ein Wärmepflaster mit Pfefferextrakt aus der Drogerie oder eine Wärmesalbe aus der Apotheke. Oft sind auch das Heizkissen oder die Bettflasche eine Erlösung im akuten Fall. Aber Vorsicht: Auch wenn Ruhe und Wärme erstmal gut tun, langfristig lässt sich nur mit Bewegung etwas verbessern.
  1. Rückenfreundliche Umgebung. Eine Matratze mit verschieden harten Liegezonen, ein Lattenrost, den man je nach Körpergewicht verstellen kann, ein Schreibtisch, an dem man auch mal Stehen kann und ein Telefon, das man sich nicht ständig unters Kinn klemmen muss. Oft helfen kleine Änderungen im Schlaf- oder Arbeitszimmer, um den Rücken zu entlasten.
  1. Eigenverantwortung übernehmen. „Kein Arzt und keine Medizin können mehr für Ihre Gesundheit tun als Sie selbst“, sagt Buchautor und Mediziner Grönemeyer. Ein mündiger Patient, der Verantwortung für seine Gesundheit übernimmt, sich informiert und Entscheidungen zu seinem Wohl trifft, ist die Voraussetzung für alle Besserung. „Meiner Erfahrung nach wissen Patienten sehr gut, was sie wollen. Über jede Behandlung entscheiden wir daher gemeinsam“, bestätigt Kladny.
  1. Achtsam bleiben. Auch wenn der Schmerz gerade nicht akut ist: Es ist wichtig, Risiken zu vermeiden. „Kälte zum Beispiel verhärtet die Muskulatur, Sport ohne Aufwärmtraining kann deswegen zu Verletzungen führen“, sagt Grönemeyer. Auch psychische Belastungen sollten vermieden werden, damit sie nicht auf den Rücken schlagen.

Ist der akute Schmerz nach vier bis sechs Wochen nicht verschwunden und wird er gar nach drei Monaten chronisch, sind weitere Untersuchungen sinnvoll. Denn Schmerz schränkt uns nicht nur im Alltag oder in der Arbeitswelt ein. Langes Leiden kann auch Depressionen und Ängstlichkeit verursachen, die dann bei einer Therapie direkt mitbehandelt werden müssen. „Primäres Ziel bei den Behandlungen bei chronischen nicht-spezifischen Kreuzschmerzen ist es nicht, den Schmerz verschwinden zu lassen“, erklärt Kladny und ergänzt: „Sondern vielmehr den Patienten wieder in Aktivität zu bringen. Dann verbessern sich die Schmerzen nämlich automatisch.“

Operationen: nötig oder nicht?

Zum Thema Operationen hat Kladny abschließend noch etwas zu sagen: „Jahre später stellt man bei Operierten oft den gleichen Gesundheitszustand fest, wie bei Menschen, die konservativ behandelt wurden.“ Langfristig gesehen, können also in vielen Fällen beide Methoden gleich viel bewirken. Mit einer Operation an der Bandscheibe sparen sich Patienten aber oftmals einen langwierigen Behandlungsweg, weil die Besserung nach einem kleinen Eingriff oft schneller eintritt.

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Leila Haidar
Leila Haidar ist freie Wirtschaftsjournalistin aus Stuttgart. Sie ist für verschiedene überregionale Tageszeitungen tätig, schreibt für Fachmagazine und beschäftigt sich mit den verschiedensten Themen, darunter Personal, Industrie und Logistik.

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