Therapie: Puppe statt Pille

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Empathie Puppen sind Verkaufsrenner bei semi-on. (Fotos: seni-on)

Einsatz von Therapie-Puppen soll Medikamentenabgabe reduzieren.

Emelie schaut mit großen Augen Anna Maierhofer an. Die an Demenz erkrankte 85-Jährige lächelt und erzählt der Stoffpuppe von ihrem Vormittag. „Empathy Dolls“ Gefühlspuppen sind der Verkaufsschlager bei seni-on. Hunderte sitzen seit gut einem Jahr bei Rentnern und in Pflegestationen.

Entwickelt hat die 65 cm großen Puppen mit den runden Kulleraugen eine schwedische Designerin. Vor allem traumatisierte Kinder, Menschen mit Behinderung oder an Demenz Erkrankte öffnen sich ihnen. Dafür haben sie extra ein Gewicht im Stoffpopo eingenäht bekommen. Er sorgt für die nötige Schwere. „Somit fühlt es sich an, als ob einem ein echtes Kind auf dem Schoß sitzt“, erklärt Uwe Fierke, der 56-jährige Prokurist der Schorndorfer Firma Dusyma – der Muttergesellschaft von seni-on.

„Puppen haben eine beruhigende Wirkung und erleichtern die Pflege“

Die Therapie-Puppen erobern seit drei Jahren die Herzen von Senioren. Vor allem Demenzkranke schwingen sich auf die waschbaren Johans, Sofias, Mias und Naomis ein. Ivo Cilesi, ein Arzt aus Bergamo, schreibt aktuell an einer Expertise über den Einsatz der empathischen Puppen: „Sie haben eine beruhigende Wirkung und erleichtern die Pflege“, erklärt der Mediziner und geht noch weiter: Wenn Patienten mit Verhaltens- und psychischen Störungen mit der Therapie-Puppe sein dürften, reduziere sich die Abgabe von Beruhigungsmitteln, verdeutlicht der Italiener.

„Im Kern ist es wie bei Kindern und ihren Puppen“

Bei seni-on glaubt man fest an den Erfolg der bunten Zuhörer, die es in unterschiedlichsten (Haut-)Farben und in verschiedenen Kleidungsstilen (Latzhosen und -röcke, Kleidchen, Matrosenmodell) für 68 Euro zu kaufen gibt. „Vor allem ihr aufgeweckter Gesichtsausdruck gewinnt Menschen“, sagt Fierke. Er rege zur Aktivität an und fördere körperliche Bewegung: Kuscheln, schmusen, drücken und erzählen. Jemand lieb haben und ihn beschützen. „Im Kern ist es wie bei Kindern und ihren Puppen“, verdeutlicht Fierke den Effekt.

90 Jahre am Markt

Der Dusyma-Mann weiß wovon er spricht. Seit 90 Jahren ist das Familienunternehmen aus dem Schwäbischen für ihr hochwertiges Spielzeug bekannt. Dieses verkauft die 250 Mitarbeiter große Firma überwiegend an Kindergärten und Schulen. Seit drei Jahren konzentrieren sich die Spezialisten für bewegungsaktivierende Materialien und therapeutische Spiele ebenso auf den Markt mit Senioren. Das geschieht über die zugekaufte Marke seni-on. Unter dem Dach Dusyma vertreibt das Unternehmen mehr als 500 Produkte – vom Igelball bis zur Wandtafel, vom Legespiel und Stecktürmen bis zu Möbeln und den erwähnten Empathie-Puppen. Wobei der Eigenproduktionsanteil der gesamten Dusyma-Gruppe mit 14.000 Produkten bei zehn Prozent liegt. Emelie & Co. etwa werden in Sri Lanka hergestellt. Die Möbel wiederum baut eine Schreinerei im Erzgebirge.

Doktor Cilesi

Expertise für Kinder- und Erwachsenentherapie holt sich Dusyma über seine Mitarbeiter. Die seni-on-Beraterin für Süddeutschland etwa ist eine examinierte Altenpflegerin. Produktmanager im Kinder-Bereich sind gelernte Erzieher und studierte Pädagogen. „Darüber hinaus kooperieren wir mit Hochschulen und vernetzen uns mit Experten wie Doktor Cilesi“, erklärt Fierke.

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Michael Sudahl
Michael Sudahl (Jahrgang 1973) ist Pflegebibel-Initiator und greift am liebsten zu brisanten Themen in die Tasten. Der gelernter Banker, Journalist und Körpertherapeut ist seit Jahren in der Pflege unterwegs: Er berät soziale Organisationen in der Kommunikation und geht als Lebensberater und Schattenjäger den Dingen gerne auf den Grund. Michaels Motto: “Sei du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt” (Ghandi)

1 KOMMENTAR

  1. Ich möchte den Enthusiasmus ja nicht schmälern, aber diese Puppen in vergleichbarer Form gibt es schon von anderen Anbietern. Seit Jahren. Und seit etwa genauso vielen Jahren weiß man, daß diese Therapiepuppen einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert in der Gerontopsychiatrie mit sich bringen.

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