Tiere heitern Senioren auf

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Fell und Federn wecken Emotionen

Hund und Katze bringen Abwechslung in den Alltag von Senioren (Foto: Fotolia)

Henne „Rosi“, Kater „Mogli“ oder Häsin „Charlotte“ sind die Stars in jedem Pflegeheim. Wo Agnes Graf mit ihrem Streichelzoo auftaucht, entlockt sie Senioren Gefühlsregungen und bringt sie gar zum Reden. Das befriedet das Leben auf der Station und macht häufig sedierende Medikamente überflüssig.

Ihre therapeutische Wirkung haben der Jack Russel Terrier „Speiky“, Ente „Liselotte“ oder Dachs „Willi“ längst bewiesen, wie jüngst auch die Stuttgarter Zeitung in einem Bericht diagnostizierte. Demnach ist die Tübinger Tierschutzaktivistin Agnes Graf vor mehr als zehn Jahren auf die Idee gekommen, mit Tieren Senioren Lebensqualität zu stiften.

Vierbeiner auf den Schoß

Erlebt hatte sie dies mit ihrem auf Menschen fixierten mexikanischen Nackthund selbst. Ihr Zoo umfasst alle Tiere, die auf den Schoß eines Heimbewohners passen, sich zum Kuscheln eignen – und in ihrem Kombi transportierbar sind. Die 62-Jährige, die viele Jahre das Notruftelefon des Tübinger Tierheims betreute, nutzt heute ihre tierischen Problemfälle als Glücksfälle für Senioren.

Im St. Martinshaus in Kirchentellinsfurt ist Graf jede Woche mit ihrem Streichelzoo für zwei Stunden zu Gast. Die Tiere sind das Highlight der Woche, wenn die alten Menschen im Kreis sitzen und teils beim Füttern helfen. Dann werden Handtücher verteilt, auf denen Henne „Rosi“ oder Kater „Mogli“ in den Schößen der Senioren zum Sitzen kommen.

Der Kontakt mit Fell und Federn weckt Emotionen, sorgt für Abwechslung und stimuliert manchen zum Reden oder gar ungehemmten Lachen. Bei ehemaligen Tierbesitzern geht das schnell, andere brauchen oft Wochen oder gar Monate, bis sie sich trauen, die Tiere zu streicheln oder zu füttern. Gerade diese Erfolge sind es, die Agnes Graf motivieren.

Demenzerkrankte werden durch Tiere aktiv

Bei demenzerkrankten Bewohnern schaffen die tierischen Freunde das, was Verwandte, professionelles Pflegepersonal oder Medikamente oftmals nicht erreichen: Menschen wieder zum Reden bringen. „Wir müssen Hundefutter kaufen”, kam so einem Greis kürzlich über die Lippen.

Für ihr Engagement erhielt Agnes Graf 2009 den Landestierschutzpreis. Dass sie auch mit Menschen gut umgehen kann, zeigt ihre Abschiedszeremonie bei jedem Pflegeheimbesuch: Sie bedankt sich bei jedem Senior einzeln fürs „Aufpassen”. So wirken tierische und menschliche Gesten zusammen.

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