Bewegung in der Pflege: Gesünder und zufriedener

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Domino-World erreicht deutlich mehr als „satt und sauber“

Durch gezielte Bewegung werden pflegebedürftige Menschen wieder beweglicher. (Foto: Domino-World)

Menschen in der Pflege sollen aktiviert werden. So heißt es überall, denn dadurch verbessern sich die Lebensqualität und auch die Stimmung. Diese Erkenntnis hat Lutz Karnauchow mit seinem Domino-Coaching konsequent umgesetzt. „Wir unterscheiden uns damit grundlegend von der üblichen Satt-und-sauber-Pflege“, stellt der 62-jährige Gründer von Domino-World fest.

Widerstände gegen Verbesserung des körperlichen Zustandes

Der Pflege-Manager arbeitet gerne mit Zahlen, beispielweise mit dem Barthel-Index. Wer anfangs mit 50 oder 60 Punkten einsteige, erreiche nach einigen Monaten oft 80 Punkte, behauptet der Chef von 13 Einrichtungen in und um Berlin. Dabei kämpfen seine 600 Pflegekräfte zunächst mit großen Widerständen. Denn die Erwartung von Bewohnern und zu Pflegenden lautet: Nehmt mir möglichst viele Anstrengungen ab. Und die Angehörigen, die Geld zahlen, stoßen in das gleiche Horn: Wir erwarten perfekten Service und das bedeutet: Bedienung.
Dazu kommen die mögliche Folgen der Aktivierung: Die Kunden werden mobiler. Das heißt, dass Unfälle passieren und die Menschen womöglich mit einem Beinbruch wieder ins Krankenhaus müssen. Oder noch schlimmer: „Es kommt häufig vor, dass unsere Kunden in eine niedriger Pflegestufe rutschen“, so Karnauchow, das bedeutet weniger Geld. Doch in den Köpfen der Betroffenen ist das System zwar auch auf Gesundheit ausgerichtet, aber vor allem auf die höhere Pflegestufe, denn mehr Geld von der Krankenkasse, bedeutet eine Entlastung der eigenen Finanzen.

Branding: Domino-World steht für Aktivierung

Das war vor allem in den ersten Jahren ein Paradox. Doch nach mehr als 30 Jahren am Markt wissen Interessenten, dass Domino-World anders tickt. „Auf unserer Warteliste stehen Menschen, die sich genau unsere Art der Pflege wünschen“, freut sich der engagierte Macher. Seit 1989 ist Klaus Gottschick dabei – zunächst als Student mit Nebenjob, drei Jahre später als Pflegehelfer. Der 51-Jährige kann sich keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen, weil er im Unternehmen mitwirken kann, weil bei den Patienten „verschüttete Ressourcen sprudeln“ und weil ihm der tägliche Kontakt mit seinen Patienten schlichtweg Spaß macht.

Gemeinsames Üben als Wochen-Highlight

Zwischen 20 und 90 Minuten verbringt der bekennende Radler bei ihnen. Etwa bei der halbseitig gelähmten Frau, die er täglich wäscht, anzieht und deren Inkontinenzmittel er überprüft. „Da muss sie schon mit ran“, erzählt der Politikwissenschaftler. Doch das Highlight ist der Mittwoch. Dann haben sie gemeinsam eine Stunde zum Üben. Speziell auf ihre Krankheit und ihren gegenwärtigen Zustand entwickelt Domino-World ein Programm, das validiert und angepasst wird. Unterstützt wird sie von ihrem Mann, der mit ihr an den anderen Tagen diszipliniert die Übungen macht. Hinzu kommt, dass die ehrgeizige Dame täglich noch vier Kilometer auf einem Spezial-Ergometer zurücklegt. Lohn ihres Engagements: Inzwischen kann sie wieder Treppen steigen. „Solche Erfolge sind auch für mich eine besondere Freude“, sagt der begeisternde Pfleger.

Einfühlungsvermögen gegen depressive Verstimmung

(Foto: Lutz Karnauchow)

Lutz Karnauchow hat eine eigene Ausbildung entwickelt, die alle Angestellten durchlaufen müssen, um das Domino-Prinzip zu verstehen und umsetzen zu können. Das setzt auf großes Einfühlungsvermögen. Denn viele Patienten haben depressive Züge und müssen aus der „Ich-kann-nichts-mehr-Ecke“ herausgeholt werden. „Da coachen wir zunächst rund sechs Wochen“, so der Psychologe. Dann sehen die Kunden ihre Welt wieder mit anderen Augen. Das ist die Voraussetzung, dass gemeinsam ein Zielbild entwickelt werden kann. „Das ist die wichtigste Phase“, findet Klaus Gottschick. Denn dieses Bild motiviert, wenn die täglichen Übungen schwer fallen. Solche Bilder sind: „Ich möchte wieder eigenständig einkaufen können“ oder „Ich möchte mir wieder eine schicke Bluse kaufen“.

Kosten durch konsequentes Qaulitätsmanagement gesenkt

„Das Domino-Coaching benötigt einen höheren Personalschlüssel“, gibt der Erfinder zu, „wenn wir an andere Stelle nicht einsparen, wären wir längst pleite.“ Das schafft er durch ein ganzheitliches Qualitätsmanagement, das in der Gesundheitsbranche kaum eingesetzt wird: EFQM. Damit überprüft die Unternehmensführung kontinuierlich sämtliche Prozesse. Beispiel: Gerade unter Pflegepersonal gibt es einen hohen Krankenstand. Den zu senken, gelingt Domino-World durch vorbildliche Mitarbeiterführung – die Berliner gewannen etwa den Ludwig-Erhard-Preis, Great Place to Work oder den Großen Mittelstandspreis. Die Folge: Die Kundenzufriedenheit steigt, wenn fast immer der gleiche Betreuer kommt. Und: Die Reibungsverluste innerhalb des Teams werden geringer, weil weniger Dienste hin und her getauscht werden bzw. für einen Kranken eingesprungen werden muss.

Pflegemitarbeiter werden beteiligt

„Wir sind schon sehr stolz auf das Unternehmen“, lacht Klaus Gottschick, die Fortbildungen und Supervisionen suchten schon ihresgleichen. Und dass er vor Jahren einen Vorschlag für die Prämienregelung kritisiert und einen Gegenvorschlag einbrachte, der dann auch umgesetzt wurde, ist für ihn ein Zeichen, dass er bei einem besonderen Arbeitgeber angestellt ist.


Jens Gieseler ist Kommunikationsberater, Journalist und Heilpraktiker für Psychotherapie. In den letzten beiden Lebensjahren war sein Vater pflegebedürftig. Deshalb hat er sich mit der Pflegebürokratie herumschlagen müssen und viel Sensibilität für das Altern und Sterben entwickelt. Erkenntnis: Beziehungen werden immer wichtiger.

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