Keine Vorteile durch Generalistik

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Der Berufsstand des Altenpflegers muss erhalten bleiben

Generalistik-Debatte: Pfleger Christian Wiesmann sieht keine Vorteile durch eine generalistische Ausbildung (Foto: Fotolia)

Pfleger Christian Wiesmann zweifelt an der Sinnhaftigkeit einer generalistischen Ausbildung.

Deutschland ist das einzige europäische Land, dass sich eine dreigliedrige Pflege Ausbildung leistet. Das ist nicht rückständig, sondern ein Alleinstellungsmerkmal: Hierzulande hat sich die Altenpflege zu einem eigenen Berufszweig entwickelt. Darauf sollten wir stolz sein und diesen Zweig ausbauen, anstatt ihn wieder in die Krankenpflege zu integrieren. Denn darauf läuft die Generalistik doch hinaus: Mit der Integration der Altenpflege in die Krankenpflege wird es Altenpflege als eigenständiges Berufsfeld in Zukunft nicht mehr geben.

Nicht genug Zeit

Die Ausbildungsdauer von drei Jahren scheint mir bei weitem nicht ausreichend. Kinder und ältere Menschen haben eine spezielle Physiologie. Auch in der psychischen Betreuung gibt es Besonderheiten, die berücksichtigt werden müssen. Diesen Anforderungen werden zukünftige Pflegefachkräfte nur dann gerecht, wenn sie mit dem nötigen Spezialwissen ausgestattet sind.
Eine dreijährige generalisierte Ausbildung kann das nicht leisten.

Wissensverlust durch Generalistik

Solange in Einrichtungen noch speziell ausgebildete Gesundheits-, Alten- und Kinderkrankenpfleger arbeiten, können fehlende theoretische Kenntnisse durch Praxisanleitung ausgeglichen werden. Wie soll diese Wissensweitergabe funktionieren, wenn in ein paar Jahrzehnten nur noch generalisierte Kräfte auf den Stationen arbeiten? Die Leidtragenden sind kranke Kinder und ältere Menschen.

Keine erhöhte Flexibilität durch Generalistik

Das Argument der Politik, eine gemeinsame Ausbildung bringe mehr Flexibilität in der Auswahl des Arbeitsplatzes, ist reine Augenwischerei. Gesundheits,- und Krankenpfleger können seit jeher im Altenheim arbeiten. Auch als examinierter Altenpfleger kann ich heute schon ohne Einschränkung als vollwertige examinierte Fachkraft auf einer geriatrischen oder inneren Station arbeiten.

Mehr Praxiserfahrung ohne Generalistik

Als Praxisanleiter befürworte ich, dass Auszubildende praktische Erfahrungen in allen Bereichen der Pflege sammeln. Mehr Praxiserfahrung stellt sowohl für die Azubis, als auch für den Träger eine Bereicherung dar. Die Möglichkeit fachübergreifender Fremdeinsätze, besteht auch in der heutigen Ausbildung.

Ein Ausbildungsgang, drei Berufsgruppen

Mein Vorschlag an die Politik lautet: Schafft einen Ausbildungsgang, der in den ersten zwei Jahren ein Grundwissen aus allen drei Berufsgruppen vermittelt. Im dritten Jahr wählen die Schüler dann ihren Schwerpunk in einem Bereich der Pflege: Gesundheits-und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege.
Damit verfügen alle Auszubildenden über das gleiche Grundwissen, bleiben also flexibel einsetzbar. Gleichzeitig findet aber weiterhin Spezialisierung statt und – noch wichtiger – die Wissensweitergabe auf den Stationen bleibt erhalten.

 

(Foto: Privat)

Christian Wiesmann
Der examinierte Altenpfleger arbeitet seit sieben Jahren in der Pflege. Er wechselte 2010 aus der Kinderkrankenpflege in die Altenpflege und schloss im September 2013 seine Ausbildung zum Altenpfleger erfolgreich ab. Heute ist der 26-Jährige in der Pflege gerontopsychiatrisch erkrankter Bewohner tätig. Als Praxisanleiter betreut er Azubis und Praktikanten beim Berufseinstieg. Er fordert: Der Berufsstand des Altenpflegers muss erhalten bleiben.

1 KOMMENTAR

  1. Meine Meinung ist, dass es für die Krankenpflege und Altenpflege gut ist, wenn die ersten zwei Jahre gemeinsame Ausbildung ist, danach für das dritte Jahr Entscheidung ob Krankenpflege oder Altenpflege. Die Kinderkrankenpflege müsste m. E. weiterhin ein eigener Berufsstand bleiben wegen der sehr unterschiedlichen Anforderungen. Allerdings ist eines ganz enorm wichtig: die Krankenhäuser und Pflegeheime und Palliativstationen müssen unbedingt wirtschaftlich in die Lage versetzt werden, dass mehr Personal eingestellt wird. Solange der jetzige Pflegenotstand sich nicht verbessert, ist der Beruf des Kranken- und Altenpflegers so unattraktiv, dass sich nicht sehr viel mehr Menschen für diesen Beruf entscheiden würden. Ich (jetzt 76 Jahre) bin froh, dass ich noch Krankenschwester sein konnte zu einer Zeit, als man noch richtig pflegen konnte! Die so unendlich ausgeweitete Dokumentation müsste derart umgestaltet werden, dass es eine Ausbildung zum Dokumentationsassistenten gibt, der dann das Kranken- und Altenpflegepersonal entscheidend entlasten könnte.

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