Die Passion der Pflegekräfte

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Hamburger Studie belegt: Pflegekräfte sind hoch zufrieden

Nurse drinking coffee with seniors on terrace of retirement home
Pflege macht glücklich: Hamburger Studie belegt Jobzufriedenheit von 96 Prozent unter Pflegekräften. (Bild: Fotolia)

Arbeit in der Pflege, das bedeutet Stress, Schichtdienst, körperliche Belastung – und eine hohe Jobzufriedenheit. Das unabhängige Institut Krämer Marktforschung befragte im September vergangenen Jahres 250 Pflegekräfte in Kliniken, Senioren-und Pflegeheimen zum Thema „Jobzufriedenheit in Pflegeberufen“. Das Ergebnis überrascht.

96 Prozent aller Pflegekräfte sind mit ihrer Arbeitsstelle zufrieden. Und 70 Prozent arbeiten gern in ihrem Beruf. Vier von fünf Befragten würden ihre Berufswahl wiederholen und eine klare Mehrheit ist zufrieden mit Mitspracherechten bei Dienstplänen und angebotenen Teilzeitmodellen. Gerade einmal neun Prozent denken über einen Jobwechsel nach. So lauten die Erkenntnisse der repräsentativen Studie, die im Auftrag der Asklepios Kliniken Hamburg durchgeführt wurde.

Ermittelte Jobzufriedenheit vergleichsweise hoch

„Dieses Ergebnis deckt sich nicht mit den Erfahrungsberichten, die uns zugetragen werden“, kommentiert Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbands. Der gelernte Krankenpfleger beruft sich auf vergleichbare Studien. Wie die Studie der FH Münster zur Jobzufriedenheit von Pflegekräften aus dem Jahr 2011. Diese ermittelte eine Jobzufriedenheit von weit unter 90 Prozent: Circa 70 Prozent der befragten Pflegekräfte zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit ihrer Berufswahl, gerade einmal die Hälfte stimmte der Aussage zu, dass sie alles in allem mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind. Bemängelt wurden vor allem die Arbeitsbedingungen in der Pflege.
Auch die aktuelle Studie aus Hamburg zeigt Probleme im Arbeitsalltag von Pflegekräften auf: Rund zwei Drittel der Befragten schätzen die körperlichen und emotionalen Belastungen in ihrem Job als zeitweise hoch ein. Und wünschen sich eine bessere Bezahlung. Gerade in der Altenpflege stehe die hohe Qualifizierung der Pflegekräfte einem unangemessen niedrigen Gehalt gegenüber, so Höfert.

 

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Mehr Personal…

Um den täglichen Stress zu minimieren und mehr Zeit für ihre Patienten haben, wünschen sich sieben von zehn Teilnehmern mehr Kollegen im Team. Thomas Wolfram, Geschäftsführer und Sprecher der Asklepios Kliniken Hamburg, kritisiert „dass Pflegekräfte in deutschen Kliniken im Vergleich mit den anderen OECD-Ländern deutlich mehr Patienten betreuen“. Die damit verbundene hohe Arbeitsverdichtung sei Folge der chronischen Unterfinanzierung seitens der Länder und der Kostenträger. „In Deutschland“, mahnt Höfert, „fehlen 250.000 Pflegekräfte. Wir erleben einen hausgemachten Pflegenotstand“.

…weniger körperliche Belastung

Die hohe körperliche Belastung im Berufsalltag bereitet Pflegekräften Zukunftsangst: 42 Prozent der Befragten machen sich Sorgen, dass sie ihren Beruf im Alter nicht mehr ausüben können. „Der Arbeitsalltag in der Pflege hat sich verändert, die Belastung hat zugenommen“, verdeutlicht Höfert die prekäre Situation in der Pflege. Die Personaldecke spiegele das nicht wider. „Einrichtungsleiter müssen intelligente Strukturen schaffen, die belastungsbedingten Erkrankungen, auch psychischen, präventiv entgegenwirken“, nimmt der DPV Geschäftsführer die Träger in die Pflicht.

Positiv bewertet ein Großteil der Pflegekräfte dagegen die Arbeitsplatzsicherheit in der Pflege. Laut der Hamburger Studie halten drei Viertel aller Pflegekräfte ihren Job für krisensicher. „Wer sich für die Pflege entscheidet, arbeitet gern im Team und schätzt die hohe Jobsicherheit“, erklärt Wolfram.

Pflege genießt hohes Ansehen

Gesellschaftliche Anerkennung motiviert Pflegekräfte. 86 Prozent der Pflegekräfte haben das Gefühl, dass ihre Arbeit wichtig und gesellschaftlich sinnvoll ist. Gut ein Viertel aller Befragten gab an, stolz darauf zu sein, dass ihre Arbeit in der Gesellschaft ein hohes Ansehen genießt. „Die Arbeit mit Menschen ist anspruchsvoll und macht zufrieden, das belegt die Studie“, stellt Wolfram fest. Hingegen urteilt Höfert: „Die Leidensfähigkeit von Pflegekräften ist hoch“. Der Pflegerechtsexperte sieht die Pflege im Spagat zwischen Patientenrechten und den Ansprüchen des Pflegealltags. Sein Fazit lautet: „In vielen Fällen sind es Arbeitsrechte von Pflegekräften, die unter mangelndem Personal und herrschenden Arbeitsbedingungen leiden.“

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