Demenzbuch: Mein Vater und die Gummiente

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Lesung mit dem Singliesel-Verlag

Annette Röser vom Singliesel-Verlag liest aus ihrem neuen Demenzbuch. (Fotos: Haidar)

Der Vater, der die Gummiente klaut, der pensionierte Postbeamte, der jedes entfallene Wort durch „Postsparbuch“ ergänzt, die Sterbende, die aus vollem Halse Volkslieder schmettert. Im aktuellen Demenzbuch des Singliesel-Verlags geht es lustig und traurig zu. Aber immer einfühlsam.

Reden tut Demenz-Angehörigen gut

Wenn Herausgeberin Annette Röser am Mittwochabend in der Schiller Buchhandlung in Stuttgart einer kleinen Runde von ihren Eltern erzählt, spürt man, dass ihr das Thema Demenz auch persönlich nahe geht. „In der Zeit, in der meine Eltern dement waren, hätte mir ein solches Buch gut getan“, sagt die Verlegerin des Singliesel-Verlags.

Das neue Buch “Mein Vater und die Gummiente” (Foto: Haidar)

Demenzbuch von Angehörigen für Angehörige

Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass sich Familienmitglieder Dementer oft alleingelassen und hilflos fühlen. Über die Situation reden oder lesen, helfe da meist. Der jüngst erschienene Sammelband „Mein Vater und die Gummiente“ vereint Gespräche und Erzählungen Angehöriger unter einem Hardcover. Darunter Henning Scherf und Tilman Jens. Es gebe nichts Schöneres, als solche intimen Begebenheiten in einem Buch zusammenzufassen, betont die Herausgeberin Annette Röser.

Bücherauswahl zum Thema Demenz aus dem Singliesel-Verlag.

Emotionale Gespräche zusammengefasst

Rund anderthalb Stunden liest Röser aus ihrem neuen Buch, bevor sie nach Karlsruhe zurückfährt. Die hier beschriebenen Situationen strotzen vor Gefühlen. Liebe und Hass, Genervtsein und Erleichterung, Chaos und Gelassenheit. Kurz: Alles, was ein betroffener Vater, Opa oder Onkel mit seiner Beeinträchtigung mitbringt. Skurril sind die Geschichten. Und nachdenklich. Nie sind sie wertend und immer einfühlsam.

Jeder hat seine eigene Demenz

Im Publikum wird während der Veranstaltung oft geschmunzelt. So mancher kennt die klassischen Begebenheiten, die krude Logik, den großen Schmerz. Fragen und Diskussionen bewegen die Zuhörer – meist weil sie selbst betroffen sind. So logisch sich die Gemeinsamkeiten Demenzkranker herauskristallisieren, wird doch schnell klar, dass es Unterschiede gibt. Biografische Eigenheiten, verrückte Meinungen, unumstößliche Gewohnheiten. Röser hat dazu den passenden Ausdruck parat: „Es hat eben jeder seine eigene Demenz.“

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