Pflege mit afrikanischem Flair

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Ambulanter Pflegedienst bietet transkulturelle Pflege

Florence Ojong ist Geschäftsführerin und Pflegedienstleitung beim Afro-Deutschen-Pflegedienst. (Foto: privat)

Viele afrikanische Migranten kehren im Alter in ihre Herkunftsländer zurück. Und das, obwohl sie dort kaum noch Kontakte haben. Sie sehnen sich nach familiärer Pflege. Der Afro-Deutschen-Pflegedienst will die enge Bindung schaffen, die Auswanderer bei deutschen Pflegediensten vermissen. Dazu zählt auch, dass sich Pflegekräfte, Pflegebedürftige und Angehörige einmal im Quartal zu einem gemeinsamen Abendessen treffen. Serviert wird selbstverständlich traditionell afrikanische Küche.  

Geschäftsführerin Florence Ojong arbeitet seit 16 Jahren in der Pflege. Die 47-Jährige zog 1996 für ihr Studium der Englischen Literaturwissenschaften nach Deutschland. Die Aussichten, mit ihrem Abschluss einen Job zu finden, waren mager. Daher machte sie aus ihrem Studentenjob einen Karriereweg. Und schloss 2011 ihre Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin ab. Seitdem träumte sie von ihrem eigenen Pflegedienst. Dieser Traum ist seit vergangenem Jahr Wirklichkeit: Am 15. Januar erteilte der Landesverband der Pflegekassen der Afro-Deutscher-Pflegedienst OFO GmbH Berlin die offizielle Zulassung.

Pflege als Pflicht

Ojong stammt ursprünglich aus Kembong und ist sowohl mit der deutschen als auch der afrikanischen Mentalität vertraut. „Alte Menschen pflege ich, als wären es meine Eltern“, behauptet die Afro-Deutsche, „so kenne ich das von Zuhause. So wurde ich erzogen“. Pflege empfindet sie als natürliche Aufgabe der Nachgeborenen. Daher sieht sie es als ihre Pflicht an, Alte und Pflegebedürftige zu versorgen.

Pflege wie bei den eigenen Angehörigen

Ihre afrikanischen Kunden akzeptieren Ojong als Tochterersatz. Und bauen in kürzester Zeit ein besonders inniges Vertrauensverhältnis zu ihr auf. Gemeinsame Erinnerungen helfen dabei: Egal aus welcher Ecke von Afrika die Person kommt, schnell entspinnen sich Gespräche über die alte Heimat. Die Alten sprechen voller Sehnsucht über die fernen Länder, in denen sie aufgewachsen sind.

Kulturelle Vielfalt

„Oft drehen sich die Gespräche ums Essen“, berichtet die examinierte Altenpflegerin schmunzelnd, „aber wir unterhalten uns auch über Gerüche, das Wetter, die Natur. Alles was in Deutschland anders ist“. Sprachbarrieren gibt es dabei selten: Die stellvertretende Pflegedienstleitung stammt aus Zimbabwe, zwei Pflegeassistenten kommen aus Kamerun und die Pflegehelferin hat kanadische Wurzeln. Neben Deutsch, Englisch und Französisch werden auch Pidgin-Englisch und diverse afrikanische Dialekte gesprochen.

Pflege mit Herz, Ruhe und Zeit

Neun von elf Kunden sind allerdings deutsche Pflegefälle. „Als Afrikanerin musst du dich in Deutschland erst beweisen“, klagt Ojong, „aber Deutsche sind ganz begeistert, wenn sie sehen, wie gut ich meine Arbeit mache“. Von anfänglicher Zurückhaltung lasse sie sich nicht abschrecken. Die kulturelle Kluft überwindet sie mit viel Professionalität, 20-jähriger Erfahrung in Deutschland und noch mehr Temperament: „Ich räume ihre Zweifel aus. Und erobere ihre Herzen.

Ojong versucht stets dem Motto ihres eigenen Pflegedienstes gerecht zu werden: Pflege mit Herz, Ruhe und Zeit. „Das macht den Deutschen Angst“, erzählt Ojong lachend, „denn mehr Zeit verbinden sie mit höheren Kosten“.

Präsenz trotz Stress

Dabei gehe es überhaupt nicht um die Anzahl der Minuten, sondern um Präsenz. Im stressigen Pflegealltag steht Ojongs Team unter ähnlichem Zeitdruck wie die Konkurrenz. Aber sie widmen ihre Zeit und Aufmerksamkeit dem Patienten. Wo immer es geht und angenommen wird, stellen sie dessen Wünsche und Befinden in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Deshalb reden sie sehr offen und direkt mit den Kunden. „Ich halte nichts von professioneller Distanz“, erklärt die Geschäftsführerin entschieden, „ich will wissen, was meine Klienten bewegt. Und was sie wirklich brauchen.

Afrikanisch kochen

Florence Ojong ist nicht nur Pflegedienstleitung, Geschäftsführerin und Literaturexpertin, sondern auch passionierte Köchin. Für uns hat die Berlinerin  Rezepte zu zwei traditionell-afrikanische Gerichten aufgeschrieben: Koki Beans und Puffpuff. Die Pflegebibel und der Afro-Deutsche-Pflegedienst wünschen guten Appetit!

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