Feel-Good-Management

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Auch Mitarbeiter brauchen Pflege

Bianca Holzapfel: Von der examinierten Pflegefachkraft zur Wohlfühl-Managerin. (Foto: Wasserle)

Seit sich Ex-Pflegedienstleiterin Bianca Holzapfel bei Gebäudereinigung Wasserle um 180 Mitarbeiter kümmert, ist die Fluktuationsrate dort gesunken. Im Gegenteil: Durch die Personalbetreuerin sind Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitsmoral gestiegen.

Bianca Holzapfel füllt einen ADAC Antrag aus. „Der rumänische Mitarbeiter kam mit dem Anmeldebogen nicht zurecht“, sagt sie. Der Osteuropäer verbringt regelmäßig seinen Urlaub in der Heimat. Über den Verkehrsclub will er sich für die langen Fahrten absichern. Holzapfel lässt ihn das ausgefüllte Formular unterschreiben und versendet den Antrag. Der Mann ist erleichtert.

Feel-Good-Management bei einer Gebäudereinigung

Die 27-Jährige ist sogenannte Feel-Good-Managerin bei der Martinsrieder Gebäudereinigung Wasserle. Wohnraum für die oft sprachlich limitierten Mitarbeiter, was tun bei häuslicher Gewalt oder das per Internet zu buchende Flugticket, das an einer fehlenden Kreditkarte scheitert, sind nur einige Themen, die den Arbeitstag der gelernten Pflegefachkraft bestimmen – und den der Mitarbeiter belasten, wenn sie sich damit allein gelassen fühlen.

Kümmern über das Arbeitsverhältnis hinaus

„Ich kümmere mich um alles, was den Arbeitgeber eigentlich nichts angeht“, beschreibt die Windacherin, warum ihr Chef trotz 80 Prozent Migranten aus 27 Nationen mit seinem 180-köpfigen Team so erfolgreich ist, dass die Gebäudereinigung im Raum München jährlich um 25 Prozent wächst. Die wöchentlichen Deutschkurse der zu 75 Prozent in Vollzeit Beschäftigten zu organisieren, ist eine weitere Aufgabe von Holzapfel. Denn mit deren steigendem Spracherwerb gelingt die gesellschaftliche Integration, schwinden die Probleme in allen Bereichen und werden die Migranten von gestern zu Leistungsträgern von morgen, deren Kinder dann oft Abitur machen und studieren, wenn sie wollen.

Von der Pflegefachkraft zur Wohlfühlmanagerin

Die examinierte Altenpflegerin arbeitete bis 2013 als Vize-Pflegedienstleiterin. Im ambulanten Bereich eines Sozialzentrums mit 200 Patienten und 40 Mitarbeitern war Holzapfel für das Qualitätsmanagement zuständig: Sie schulte Pflegekräfte und beriet Angehörige von Pflegebedürftigen. Ihr Organisationstalent bewies die Mutter einer Patchwork-Familie mit 5 Kindern schon während ihrer ersten Elternzeit, als sie sich über ein Fernstudium zur Pflegedienstleitung und weiter zur Heimleiterin qualifizierte.

Image der Branche verbessern

Lebensgefährte Markus Wasserle, Inhaber der Gebäudereinigung, hat der Wohlfühlmanagerin ihre Stelle „auf den Leib geschneidert“. Dem Gebäudereiniger-Meister, der seine Mitarbeiter zum Teil durch persönliche Gespräche in der Slowakei oder Rumänien gewinnt, ist es eine Herzensangelegenheit, das Image der Gebäudereinigung nachhaltig zu verbessern.

Mitarbeiter im Mittelpunkt

Sein Erfolgsrezept sind qualifizierte und hoch motivierte Mitarbeiter, die ihren Beruf gerne und mit konstant hoher Qualität ausüben. Die Basis dafür legt der Gebäudereinigungs-Meister mit einem speziell zugeschnittenen Einarbeitungsprogramm. Der Windacher, der zweimal jährlich eine Berufsorientierungsmesse veranstaltet, führt sein Unternehmen wie eine große Familie. Da passt es umso besser, dass seine Lebenspartnerin mit ins Geschäft einstieg.

Gratis Angebote für Beschäftigte

Bei Wasserle erhält jeder Newcomer seinen eigenen Ordner, in dem er alles findet, was er zu seinem Job wissen muss. Ein stets gefüllter Kühlschrank und täglich frische Brötchen in der Firmen-Küche, sind für die Mitarbeiter ebenso kostenlos, wie die Nutzung des Fitness-Studios, das sich im selben Gebäude befindet. Wer seine Muskulatur lieber mit Yoga oder einem Rücken-Fit-Kurs stärkt, kann sich an seine Krankenkasse wenden. „Die meisten Kassen fördern jährlich bis zu zwei Sportkurse“, weiß Holzapfel, die den Beschäftigten auch hier beratend zur Seite steht.

Neu: Tag der Gesundheit

Beim „Tag der Gesundheit“, zu dem Wasserle am 30. April gemeinsam mit der AOK, nach Martinsried einlädt, können nicht nur die Mitarbeiter in Workshops etwas über Selbstverteidigung oder gesundes Kochen erfahren. Auch Unternehmer sind eingeladen, sich beim Gebäudereiniger betriebliches Gesundheitsmanagement in der Praxis anzusehen. Und vielleicht motiviert der Tag den einen oder anderen Chef, in seiner Firma ebenfalls ein Feel-Good-Management einzuführen. „Vor allem in der Gebäudereinigung, aber auch in der Pflege, ist es ein gutes Instrument, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten“, findet Bianca Holzapfel.

2 KOMMENTARE

  1. Ich beobachte in immer mehr Firmen, dass sie den Weg des Wohlfühl-Managers, Kümmerers oder wie er immer heißen mag gehen. Deshalb begrüße ich, wenn solche Beispiele kommuniziert werden. Ich kenne Betriebe, in denen Meister in Rente Azubis Mathenachhilfe geben und Sekretärinnen mit dem jungen Mitarbeiter zur Schuldnerberatung gehen. Antiquierte Chefs sagen, all diese Themen gingen sie nichts an. Die bezahlen die Zeche dann über eine hohe Fluktuation oder den Krankenstand.

  2. Mit so menschlichen Qualitäten ist Frau Holzapfel sicher gern gesehen bei den Mitarbeitern der Gebäudereinigung. Aber solche Menschen fehlen auch in der Pflege, in der wirklichen Pflege und nicht nur in Leitungen und Organisatoren. Aber solange Heime und Hospize und Krankenhäuser nicht in die Lage versetzt werden von der Politik mehr Personal einzustellen, solange wird dieser Beruf, dem auch ich inzwischen als Rentnerin angehöre, kein gutes Image bekommen.

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