Uli & die Demenz: „Ich habe mein Übergewicht verloren“

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Lustige Zitate aus dem Pflegealltag

Gemeinsam lachen tut gut: Menschen mit Demenz werden bei der Wortfindung gerne kreativ. (Foto: Fotolia)

„Ich war schon überall in Deutschland. Sogar auf dem Eiffelturm“, sagte Herr Baumann zu mir und verlegte damit das französische Wahrzeichen in die Bundesrepublik. Nach weiteren ähnlichen Aussprüchen, habe ich angefangen, lustige Zitate aufzuschreiben. Wenn Sie wissen möchten, was ein „Gerät zum Anziehen“ ist oder eine „essbare Platte“, werden Sie in dieser Kolumne fündig.

Zitate aus meinem Notizbuch

Ich habe im Pflegealltag fleißig mitgeschrieben. Und eine ganze Menge lustiger Zitate gesammelt. Egal, ob jemand ein Wort oder eine Person verwechselt hat. Ob er sich versprochen oder soeben einen neuen Begriff erfunden hat. Einiges aus meinem Notizbuch möchte ich hier preisgeben. Selbstverständlich habe ich alle Namen und Situationen so verändert, dass man die Personen nicht mehr erkennen kann.

„Ein Gerät zum Anziehen“

Jeder, der mit dementen Menschen zu tun hat, kennt sie. Die neuen Worte, die kreiert werden und den Alltag bereichern. Frau Huber spricht von der „essbaren Platte“, wenn ihr der Begriff „Schnitzel“ nicht mehr einfällt. Teller werden bei Frau Brinkmann zu „runden Dingern“ – und das Akkordeon bei Frau Krämer zum „Gerät zum Anziehen“. Eigentlich logisch. So eine Ziehharmonika hat schließlich Schultergurte, in die man hineinschlüpft wie in ein Hemd. Nicht zu vergessen Herr Groß, der eigentlich „Sodom & Gomorrha“ sagen wollte. Stattdessen sagte er: „Sodom & Monorrha”. Solche Zitate erfreuen die gesamte Station – und gehen häufig in den Wortschatz von Bewohnern und Pflegekräften ein.

Mit dementen Menschen lachen

Wichtig finde ich, dass man nicht über demente Menschen lacht. Sondern mit ihnen. Mit der Zeit wird einem bewusst, was der Betroffene selber vielleicht nicht lustig finden würde. Ich frage mich daher immer: Wenn ich alt und demente wäre – Würde ich es lustig finden, wenn jemand über diesen Spruch von mir lacht? Oder würde es mich verletzen? Ich denke, das ist eine gute Frage, um einem wertschätzenden Humor auf die Spur zu kommen. Diese Frage habe ich mir auch immer gestellt, wenn ich neue Geschichten für mein Buch „Frau Janzen geht tanzen. Fröhliche Geschichten für Menschen mit Demenz“ geschrieben habe.

„Ich habe mein Übergewicht verloren“

Schließen will ich diese Kolumne mit Frau Falk. Frau Falk zuckte zusammen, als plötzlich eine Altenpflegerin auftauchte. Dann verwechselte sie „das Gleichgewicht“ mit „dem Übergewicht“ und sagte: „Schwester. Sie haben mich so erschreckt. Da hätte ich fast mein Übergewicht verloren.“ Daraufhin erwiderte die Schwester, die wohl mit ihrem Körpergewicht nicht ganz zufrieden war: „Wenn ich dadurch mein Übergewicht verliere, dürfen Sie mich gern auch einmal erschrecken.“

Über Uli Zeller
Uli Zeller schreibt die Pflegebibel-Kolumne Uli & Die Demenz. Der Buchautor, Theologe und Krankenpfleger ist Experte im Umgang mit dementen Menschen. Sein aktuelles Buch Frau Janzen geht tanzen steckt voller humorvoller Vorlesegeschichten über Geburtstage, Jahreszeiten, Tiere, Sprichwörter und vieles mehr. Menschen mit Demenz erinnern sich dabei an vieles, das ihnen vertraut ist.Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag und gibt nützliche Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Themenvorschläge haben, erreichen Sie Uli Zeller über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

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