Demenz und Waffenbesitz

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Angehörige und Pflegepersonal sollten bei Waffenfund Ruhe bewahren

Werden Jäger im Alter vergesslich, drohen gefährliche Situationen. (Foto: Fotolia)

Eine Million Deutsche besitzen 5,8 Millionen Schusswaffen. Vollkommen legal. Werden die Waffenbesitzer im Alter vergesslich, steigt das Unfallrisiko. Deshalb sollten alternde Jäger oder Sportschützen Vorkehrungen treffen.

Besorgte Angehörige können dem Großvater nicht einfach die geliebte Jagdbüchse abnehmen. Zumindest nicht ohne ärztliches Gutachten. Ähnlich wie beim Führerschein, gibt es lediglich ein Mindestalter für Waffenbesitz, aber keine Altersobergrenze. Trotzdem geben alternde Schützen ihre Waffen immer wieder freiwillig bei der Waffenbehörde ab. Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. „Nach dem schrecklichen Amoklauf in Winnenden ist vielen älteren Waffenbesitzern die Lust am Schießen vergangen“ berichtet Hans-Jürgen Longin, Sachgebietsleiter beim Ordnungsamt Stuttgart.

Persönlicher Eignungstest bei Verdacht auf Demenz

Der 63-Jährige und seine Kollegen setzen auf die Mitarbeit von Angehörigen und Vereinen, um demente Schützen zu identifizieren. „Wenn wir über auffälliges Verhalten informiert werden, fordern wir einen persönlichen Eignungstest an,“ erklärt der Beamte. Waffenbesitzer müssen dann per ärztlichem Gutachten nachweisen, dass sie Herr ihrer Sinne sind. Wird dieser Nachweis nicht erbracht, erfolgt ein Widerrufverfahren: Der Betroffene verliert das Recht, Waffen zu besitzen. Je nachdem wie weit fortgeschritten die Krankheit ist, kassiert die Polizei die Waffen direkt ein. Andernfalls darf der Betroffene innerhalb einer Frist seine Waffen weiterverkaufen.

Illegaler Waffenbesitz in Deutschland

Schwieriger ist die Lage bei illegalen Waffen. Davon kursieren in Deutschland je nach Schätzung zwischen 20 bis 40 Millionen. Häufig handelt es sich bei diesen Waffen um Erbstücke: Weltkriegsrelikte, die in Kellern oder auf Dachböden verstauben. Wurden die Waffen während der ersten Waffenrechtsreform 1976 nicht angemeldet, stellt deren Besitz eine Straftat dar. „Solche Waffen sind größtenteils ungefährlich“, beruhigt Marc Schieferdecker, „in der Regel fehlt die passende Munition.“ Der gelernte Softwareentwickler betreibt den größten deutschen Youtube-Kanal, der über scharfe Schusswaffen berichtet.

Keine Panik bei Waffenfund

Er rät Angehörigen und ambulanten Pflegekräften, bei Waffenfunden Ruhe zu bewahren. „Wenn Angehörige oder ambulante Pflegekräfte die Polizei rufen, steht im schlimmsten Fall das Sondereinsatzkommando auf der Matte“, mahnt der 39-Jährige, „das ist für Pflegebedürftige eine äußerst stressige Situation.“ Stattdessen sollten sie sich in einem solchen Fall mit der Waffenbehörde kurzschließen. „Bei uns im Verein ist letztens das älteste Mitglied verstorben“, erzählt der Waffenliebhaber, „die Behörde hat uns kontaktiert und wir haben die Waffe aufbewahrt, bis die Witwe einen Käufer gefunden hat“.

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