Zocken gegen die Demenz

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Videospiele stärken Hirnfunktionen und halten Senioren fit

Zocken ohne Controller: Videospiele halten Senioren fit (Bild: Pexels)

Die Deutsche Telekom hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des University College London sowie der University of East Anglia eine Applikation entwickelt, die schon nach zwei Minuten Spielzeit wichtige Erkenntnisse zur Demenz liefert.

Die Wunderwaffe der Forschung heißt „Sea Hero Quest“. Spieler navigieren durch Labyrinthe, feuern Leuchtraketen oder fotografieren Fabelwesen. Die Aufgaben fordern den Orientierungssinn und verlangen Geschicklichkeit.

Nutzer helfen Forschern

Die App sammelt anonym die Daten aller Nutzer mit Angabe von Alter, Geschlecht und Herkunftsland. Binnen zweier Wochen konnte so bereits ein Datenvolumen der anonymisierten Spieler erhoben werden, für das die Wissenschaftler unter Laborbedingungen etwa 1500 Jahre gebraucht hätten. „Sea Hero Quest“ richtet sich zwar weniger an demente Menschen, sondern an Gesunde. In der Vergangenheit wurden dabei aber Symptome und Ursachen einer Demenzerkrankung untersucht.

Zocken als Prävention

Die Analyse von Gesunden war bisher nicht Hauptbestandteil der Demenzforschung. Orientierungslosigkeit oder schwache Reaktionszeiten sind aber oftmals frühe Anzeichen für eine Demenzerkrankung. Daher werten die britischen Forscher derzeit aus, was der Normzustand ist. Ziel ist eine frühzeitige Diagnose.
Jeder, der das Spiel herunterlädt und spielt, unterstützt somit die Forschung gegen Demenz. Als Feedback wird den Spielern angezeigt, wie viele Stunden Erkenntnisgewinn sie den Wissenschaftlern erspart haben.

Millionen Nutzer gegen Demenz

Zwei Wochen nach Verkaufsstart haben weltweit bereits eine Million Menschen die App heruntergeladen. Die Rückmeldungen der Spieler sind durchweg positiv: Im Schnitt erntete „Sea Hero Quest“ fünf Sterne bei mehr als 45.000 Bewertungen im App Store und bei Google Play. Auch Demenzpatienten bietet die virtuelle Welt Lösungen: Das Start-up „RetroBrain“ etwa entwickelt Spielideen, die das Gedächtnis verbessern und die Beweglichkeit erhöhen sollen.

Winken und Steppen statt Controller

Die Köpfe hinter den Studenten arbeiten mit Game-Designern, Ärzten und Therapeuten zusammen. Die interaktiven Spiele beinhalten physiotherapeutische Übungen, die motorische Fähigkeiten steigern sollen. Anders als bei gewöhnlichen Videospielen ersetzt eine sensorgesteuerte Kamera den klassischen Controller: Mit Winken oder Steppen signalisieren die Demenzerkrankten dem Spiel wo’s hingeht.
Statt apathisch vor dem Fernseher zu sitzen, trainiert der Patient aktiv sein Gedächtnis und bleibt beweglich. Eines der Spiele stellt ein Autorennen aus den 1960er Jahren nach. Die rasante Fahrt fördert Reaktionsfreude und stimuliert Erinnerungen. Gegeneinander zocken, angefeuert werden, sich erinnern und gemeinsam bewegen, darum geht es.

 


Hendrik Stüwe (Jahrgang 1991) Ist Pflegebibel Redakteur, gelernter Industriekaufmann, Fotograf und Journalist. Gesundheits- und Management-Themen sowie aktuelle Ereignisse aus der Pflege sind seine Spezialgebiete. Damit ist der ehemalige Fitnesscoach auch in anerkannten Arzt-, Physio- und Fitness-Magazinen unterwegs.

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