Uli & die Demenz: Drei Wege zur Versöhnung

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Vergebung für Pflegekräfte, Angehörige und Menschen mit Demenz

Vergeben fällt schwer. Doch Groll belastet die Beziehung zu unseren Mitmenschen. Uli Zeller präsentiert drei Wege zur Versöhnung. (Foto: Fotolia)

Nach einem Streit wird der Gegenüber im emotionalen Rausch nur selten verstanden. Empathie und die richtige Reaktion sind der Schlüssel zum Erfolg. Wer anstrebt, sich mit seinem Streitpartner zu versöhnen, sollte die Ursache des Streits klären und offen darüber reden.

Schwester Bärbel ärgert sich. Die demente Frau Knallmann hat sie gerade beleidigt. Deren Tochter ist enttäuscht von Schwester Bärbel. Schließlich hat die Altenpflegerin Frau Knallmann forsch angefahren. Welche Wege gibt es, um an Verletzungen nicht zu verzweifeln – sondern daran zu wachsen?

Der Psychotherapeut Dr. Martin Grabe erklärt in seinem Buch „Lebenskunst Vergebungdrei Wege, die zur Versöhnung führen. Man kann diese auch übertragen auf verschiedene Pflegesitutionen mit Menschen mit und ohne Demenz.

Weg 1: Verstehen

Warum hat die Person so reagiert? Wie ist sie durch die Demenz verändert? Kommen biographische Faktoren hoch, die ihr Handeln so geprägt haben? Vielleicht hat Frau Knallmann Schwester Bärbel nicht aus reiner Boshaftigkeit angefahren. Nein, sie ist zu dem geworden, was sie jetzt ist. Durch verschiedene Prägungen. Oder durch ihre Biographie. Oder auch durch demenzielle Veränderungen. Wer das bedenkt, kann viel leichter vergeben und Versöhnung suchen.

Weg 2: Relativieren

Hier bringe ich die Schuld, die mir angetan wurde ins Verhältnis zu anderer Schuld. Wenn ich als Tochter mich über das ärgere, was die Altenpflegerin meiner Mutter angetan hat, kann ich das ins Verhältnis bringen. Und zwar zu allen Situationen, in denen ich selber schon einmal zu jemandem pampig war. Und wenn ich meine eigene Unzulänglichkeit sehe, habe ich umso mehr Verständnis für die Fehler anderer. Für mich als Christ hat dieser Weg noch eine besondere Bedeutung. Ich gehe davon aus, dass Gott mir alle meine Schuld vergeben hat. Vor diesem Hintergrund kann ich die Fehler anderer viel entspannter sehen.

Weg 3: Delegieren

Bei diesem Weg geht es darum, die Forderung an eine übergeordnete Instanz abzugeben. Wer delegiert, überlässt dieser Institution die Entscheidung, wie sie mit „dem Fall“ umgeht. So kann der Angehörige das Problem der Heimleitung melden. Der Gläubige kann es sogar an Gott abgeben. Dadurch wird die Verbindung zwischen Opfer und Täter getrennt. Und sie können sich auf einer ganz neuen Ebene begegnen. Vielleicht noch nicht gefühlsmäßig entspannt – aber das kann ja dann auch noch werden.

Über Uli Zeller
Uli Zeller schreibt die Pflegebibel-Kolumne Uli & Die Demenz. Der Buchautor, Theologe und Krankenpfleger ist Experte im Umgang mit dementen Menschen. Sein aktuelles Buch Frau Janzen geht tanzen steckt voller humorvoller Vorlesegeschichten über Geburtstage, Jahreszeiten, Tiere, Sprichwörter und vieles mehr. Menschen mit Demenz erinnern sich dabei an vieles, das ihnen vertraut ist.Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag und gibt nützliche Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Themenvorschläge haben, erreichen Sie Uli Zeller über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

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