Uli & die Demenz: „Jeder ist seines Glückes Schmied“

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Redensarten raten mit Menschen mit Demenz

Eine Pflegerin übt Redensarten mit einer Bewohnerin und sorgt für ein Lächeln (Foto: Fotolia)

Demente vergessen schnell und die Kommunikation nimmt zunehmend ab. Trotzdessen gibt es Möglichkeiten, die Erinnerungen zu wecken und ein paar Laute zu entlocken. Eine Methode, um das Sprechen zu aktivieren sind Redensarten wie: “„Jeder ist seines Glückes Schmied.“

Die Demenz von Herr S war fortgeschritten. Das zeigte sich auch daran, dass er immer weniger Worte benutzte. Ein Gespräch aus Rede und Antwort wurde schwierig. Herr S wirkte traurig, wenn ich ihn ansprach – und er nicht antworten konnte.

Eines Tages sagte ich Herrn S. den Beginn einer Redensart vor: „Wer anderen eine Grube gräbt…“. Wie aus der Pistole geschossen ergänzte Herr S: „…fällt selbst hinein.“ Und er strahlte.

Spontan habe ich noch ein paar Redensarten angefangen und Herr S hat ergänzt:

„Morgenstund hat Gold im … Mund“,
„Der dümmste Bauer erntet die dicksten … Kartoffeln“ und
„Den letzten beißen die … Hunde“.

Herr S wusste alles! Er kannte jede Redensart. Und das Beste: Er strahlte bei jeder Redensart mehr. Der zerknirschte Mann, den ich seit Wochen nicht mehr lächeln gesehen hatte, freute sich. Und zwar, um es in Redewendungen auszudrücken: Er strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Über beide Backen. Und von einem Ohr zum anderen.

Von Duden gibt es ein dickes Buch voller solcher Redensarten

Probieren geht über studieren

Viele davon habe ich im Altenheim getestet und die bekanntesten Sprüche herausgeschrieben. Ich habe noch andere Sachen heraus gefunden. Dass es zum Beispiel helfen kann, wenn man das Raten mit Mimik und Gestik unterstützt. In meinen Büchern habe ich viele solche Tipps erklärt. Dort finden Sie außerdem zahlreiche Redensarten für Menschen mit Demenz, die sich in der Praxis bewährt haben.

Beispiele für Redensarten:

Hunde, die bellen, beißen … nicht.
Da liegt der Hase im … Pfeffer.
Man soll den Morgen nicht vor dem Abend … loben.
Ich wasche meine Hände in … Unschuld.
Auge um Auge, Zahn um … Zahn.

Probieren Sie es doch einmal aus!

Schwierigere Versionen mit Redensarten

Wem „normale“ Redensarten zu leicht sind, kann auch einmal Redensarten mit verdrehten Wörtern raten lassen („Wenn der Tisch aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf der Katze“).
Oder Redensarten verkehrt herum („Selig wird, wer’s glaubt“).
Oder zwei Redensarten in einer („Ich wasche meine Hände im Sand am Meer“).

Mit etwas Kreativität fällt Ihnen sicher noch viel mehr ein. Und falls nicht, gibt’s hilfreiche Bücher. Zum Beispiel meine.


Über Uli Zeller
Uli Zeller schreibt die Pflegebibel-Kolumne Uli & Die Demenz. Der Buchautor, Theologe und Krankenpfleger ist Experte im Umgang mit dementen Menschen. Sein aktuelles Buch Frau Janzen geht tanzen steckt voller humorvoller Vorlesegeschichten über Geburtstage, Jahreszeiten, Tiere, Sprichwörter und vieles mehr. Menschen mit Demenz erinnern sich dabei an vieles, das ihnen vertraut ist.Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag und gibt nützliche Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Themenvorschläge haben, erreichen Sie Uli Zeller über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

 

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