Uli & die Demenz: Umgang mit dementen Menschen

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Techniken um mit demenziell Veränderten zu kommunizieren

Der Umgang mit demenziell Veränderten ist keine leichte Aufgabe, dennoch gibt es Möglichkeiten den Alltag zu meistern (Foto: Fotolia)

Anna legt die Stirn in Falten. Sie wollte bei dem Vortrag Praxistipps für den Umgang mit ihrem dementen Ehemann hören. Nun schwirren Fachbegriffe durch ihren Kopf: Realitätsorientierungstraining, Validation und Musiktherapie. Aber: Was passt nun zu ihr, um ihrem Partner passend zu begegnen?

Die Qual der Wahl im Umgang mit dementen Menschen

Mir spricht hierzu Peter Wißmann aus dem Herzen. In seinem Buch „Nebelwelten: Abwege und Selbstbetrug in der Demenzszene“ nennt er viele solcher Ansätze zum Umgang mit Demenz. Dann kommt er zum Fazit: Am besten wäre, wenn wir keinen sklavischen Ansatz einstudieren – sondern von allen Herangehensweisen das Beste nehmen und in unseren Umgang mit unserem Gegenüber einbauen.  Das will ich hier einmal versuchen…

Realitätsorientierung

Früher versuchten die Pflegenden vor allem, Menschen mit Demenz unsere Welt zu erklären. Sie gingen davon aus, dass es ihnen helfe, wenn man ihnen sagt: „Du bist der Opa. Du bist 93 Jahre alt. Draußen ist es kalt. Es ist Herbst.“ Bald wurde klar: Nein, damit ist Opa überfordert. Dennoch gibt es gute Hilfen aus diesem Ansatz der „Realtitätsorientierung“. Hierzu gehören zum Beispiel das WC- und Namensschild an den passenden Türen im Pflegeheim – oder der Kalender, auf dem in großen Zahlen und Buchstaben das heutige Datum steht. Solche Realitätsanker helfen, sich in der Welt zurecht zu finden.

Validation

Naomi Feil prägte den Ansatz der „Validation“. Das bedeutet so viel wie „Wertschätzung“. Was mir an ihrem Verständnis neben vielem anderem gefällt, ist die Art, wie sie demente Menschen ernst nimmt. Sie geht davon aus: Der Mensch mit Demenz weiß nicht mehr, wer er ist oder wo er sich befindet – auf einer tieferen Ebene weiß er dennoch, wie man über ihn denkt und ob man ihn ernst nimmt. Validation versucht, Betroffene eher auf der Ebene des Gefühls abzuholen, anstatt sie in unsere Welt zurück zu ziehen.

Musik

Musik löst im Menschen Glücksgefühle und Wohlbefinden aus. Der Rhythmus hilft, sich selber zu spüren. Bei einer dementen Bewohnerin in der letzten Demenzphase habe ich festgestellt: Sie betet mehr Worte des Vaterunsers mit und wirkt ausgeglichener, wenn im Hintergrund klassische Musik läuft. Das war die bevorzugte Stilrichtung, die sie ihr Leben lang gehört hat. Wer aktiv singt, beugt damit einer Lungenentzündung vor, weil er beim Singen tief atmet. Warum also nicht mal wieder ein Volkslied anstimmen? Singen, Musizieren und Musik hören haben positive Effekte auf Wohlbefinden und Gesundheit. Es ist wohl eine der schönsten und einfachsten Alltagshelfer bei Demenz.

Ich habe die Erfahrung gemacht: Die wahren Experten sind meist die Angehörigen von Menschen mit Demenz. Sie haben vielleicht zu keinem der oben genannten Ansätze eine Schulung gemacht. Aber sie probieren in ihrem Alltag durch, was gut oder weniger gut funktioniert – und finden schließlich heraus, was praktisch und einfach umsetzbar ist. Nur Mut! Es kommt nicht darauf an, einen Ansatz perfekt zu beherrschen. Probieren Sie aus und behalten Sie das bei, was gut funktioniert.


Über Uli Zeller

Uli Zeller schreibt die Pflegebibel-Kolumne Uli & Die Demenz. Der Buchautor, Theologe und Krankenpfleger ist Experte im Umgang mit dementen Menschen. Sein aktuelles Buch erscheint demnächst in zweiter Auflage: Frau Janzen geht tanzen steckt voller humorvoller Vorlesegeschichten über Geburtstage, Jahreszeiten, Tiere, Sprichwörter und vieles mehr. Menschen mit Demenz erinnern sich dabei an vieles, das ihnen vertraut ist.Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag und gibt nützliche Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Themenvorschläge haben, erreichen Sie Uli Zeller über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

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