Uli & die Demenz: „Der langt an die Elektrik“

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Lustige Sprüche von Menschen mit Demenz

Manchmal reicht ein Blick nicht aus, um die Senioren zu verstehen (Foto: Fotolia)

Frau Mack sagte einmal: „Ich komm jetzt zu dir. Ich will dich kapern.“ Was sie mit kapern gemeint hat, wurde nie aufgedeckt. Gehen konnte Frau Mack zudem nicht mehr. Ein Blick in mein Pflege-Notizbuch mit lustigen Zitaten, Versprechern und mehr.

Lustige Sprüche erhellen den Alltag

Wer über unfreiwillige Komik lacht, kommt fröhlicher durch den Pflegealltag. Wichtig ist, nicht über die Defizite des Dementen zu lachen, sondern wohlwollend mit ihnen zu lachen und sie wertzuschätzen. In diesem Sinne habe ich lustige Sprüche aus dem Altenheim festgehalten, die ich hier zum Besten gebe.

„Wir gehen an den Hammel-Lauf“

Die bettlägrige Frau Wunsch hatte einen Katheter, deren Schlauch durch die Bauchdecke gelegt war. Als die Einstichstelle von der Pflegekraft neu verbunden wurde, rief Frau Wunsch: „Ei, schau mal, wo der hin langt. Direkt an die Elektrik.“ Frau Marx sagte eines Tages zu ihrem Zimmernachbarn: „Nächste Woche geh’n wir an den Hammel-Lauf.“ Und Frau Krämer stellte morgens um zehn Uhr klar: „Nein, ich hab nicht gefrühstückt. Ich habe nur gegessen.

„Die Putzfrau reinigt nicht richtig“

Eine Leserin meiner Kolumne schrieb mir eine Episode aus ihrem Pflegealltag. Eine Dame, die sie als sehr dement beschreibt, sagte ihr im schönsten bayerisch: „Ich bin echt stolz draf, dass mir körperlich und geistig noch so guad geht! In da friah steh i auf, mach mei Frühstück und les mei Zeidung. Irgendwann kimmt dann so a Zu-geh-Frau und ramt af. Aba eigentlich macht sas ned g`scheid!“ („ Ich bin stolz darauf, dass es mir körperlich und geistig noch so gut geht! In der Frühe stehe ich auf, mache mein Frühstück und lese meine Zeitung. Dann kommt eine Putzfrau und räumt auf. Aber eigentlich macht sie das nicht so gut!“)

„In meinem Kopf ist nichts mehr“

Zuletzt noch eine anrührende Episode, die ich in der Fachliteratur entdeckt habe. Der Autor bringt diese Szene als Beispiel für jemanden, der sein Schicksal mit einer Prise Humor annehmen kann:

Frau S. betrat den Aufzug im Erdgeschoss und wollte auf ihre Station fahren. „Wo muss ich denn hin?“ fragte sie die Anwesenden. Eine Frau, die sie kannte, sagte: „Sie müssen auf die dritte Etage“ und drückte den entsprechenden Knopf.

Frau S.: „In meinem Kopf ist nichts mehr, den habe ich nur noch zum Tragen.“

Über Uli Zeller
Uli Zeller schreibt die Pflegebibel-Kolumne Uli & Die Demenz. Der Buchautor, Theologe und Krankenpfleger ist Experte im Umgang mit dementen Menschen. Sein aktuelles Buch erscheint demnächst in zweiter Auflage: Frau Janzen geht tanzen steckt voller humorvoller Vorlesegeschichten über Geburtstage, Jahreszeiten, Tiere, Sprichwörter und vieles mehr. Menschen mit Demenz erinnern sich dabei an vieles, das ihnen vertraut ist.Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag und gibt nützliche Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Themenvorschläge haben, erreichen Sie Uli Zeller über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

 

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