Uli & die Demenz: Auf der Gefühlsebene begegnen

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Sieben Grundgefühle, auf die Sie eingehen können

Gefühle und Bedürfnisse sind eng miteinander verbunden (Foto:Fotolia)

Es ist Advent. Der Wohnbereich des Altenheimes ist festlich geschmückt. Ein Tannenbaum mit Geschenkpäckchen steht in der Ecke. Die demente Frau Kniffmann greift nach einem Päckchen. Sie packt es aus. Eine andere Bewohnerin brüllt sie an: „Was tun Sie da? Das ist doch nur Dekoration.“ Frau Kniffmann lässt den Kopf hängen. Sie geht zur Seite und sagt: „Wo ist denn meine Mutti?“ Wie würden Sie mit Frau Kniffmann in dieser Situation umgehen?

Das Grundgefühl herausfinden

Menschen mit Demenz begegnet man am besten auf emotionaler Ebene. Nicht mit ihnen diskutieren, sondern ihre Gefühle ernst nehmen. In einer Situation wie oben frage ich mich also nicht: „Wie kann ich dieser Person erklären, dass die Geschenkkartons nur Dekoration sind?“ Sondern: „Welches Grundgefühl bewegt Frau Kniffmann? Und wie kann ich sie da abholen?“

Grundgefühl Freude

Vielleicht hat sie sich zunächst gefreut. Denn plötzlich liegt ein Päckchen vor ihren Füßen. Frau Kniffmann war wohl überrascht. Wie kann ich also reagieren? Ich kann mich mit ihr freuen: „Sie haben ein Päckchen gefunden. Haben Sie früher an Weihnachten auch immer ein Geschenk bekommen?“ Oder: „Geschenke sind etwas Schönes. Was ist denn das schönste Geschenk, das Sie jemals jemandem gemacht haben?“

Mit den Gefühlen abholen

Wenn ich sie auf der Ebene ihres Gefühles abhole, sind die Chancen gut, dass sie darauf einsteigt. Und vielleicht wird sie dann sogar vergessen, dass sie das Deko-Paket auspacken wollte – und es liegen lassen. Und selbst wenn sie es auspackt, ist es vielleicht auch gar nicht so schlimm. Es nützt jedenfalls nichts, wenn man sich drüber aufregt.

Grundgefühl Trauer

In der beschriebenen Szene kommt es zu einer Auseinandersetzung. Frau Kniffmann lässt die Schultern hängen. Sie wirkt traurig. Sie fragt nach ihrer Mutter. Welches Grundgefühl sucht man bei seiner Mutter? Vielleicht Geborgenheit und Annahme. Also kann ich zu Frau Kniffmann sagen: „Ihre Mutter ist eine wichtige Person für Sie. Was haben Sie mit Ihrer Mutter gerne gemacht? Hat sie Ihnen vorgelesen? Soll ich Ihnen auch etwas vorlesen?“ Oder ich sage zu ihr: „Was suchen Sie bei Ihrer Mutter? Was hat Ihre Mutter immer für Sie getan? Hat sie Sie in den Arm genommen? Kommen Sie, ich nehme Sie auch in den Arm.“

Weitere Gefühle

Freude und Trauer sind nur zwei Grundgefühle. Es gibt nach Paul Ekman noch fünf weitere Basisemontionen, die einen Menschen umtreiben können und auf die Sie eingehen können: Dazu gehören Wut, Angst / Furcht, Ekel, Überraschung, Verachtung. Um das Grundgefühl herauszufinden ist es hilfreich, Gesichtsausdruck und Körperhaltung zu beobachten.

 

Über Uli Zeller
Uli Zeller schreibt die Pflegebibel-Kolumne Uli & Die Demenz. Der Buchautor, Theologe und Krankenpfleger ist Experte im Umgang mit dementen Menschen. Sein aktuelles Buch erscheint demnächst in zweiter Auflage: Frau Janzen geht tanzen steckt voller humorvoller Vorlesegeschichten über Geburtstage, Jahreszeiten, Tiere, Sprichwörter und vieles mehr. Menschen mit Demenz erinnern sich dabei an vieles, das ihnen vertraut ist.Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag und gibt nützliche Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Themenvorschläge haben, erreichen Sie Uli Zeller über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

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