Uli & die Demenz: Der Text ist immer im Weg

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„Der Text ist immer im Weg“ – und was demente Menschen sonst noch sagen…

Demente finden oftmals alternative Wörter und zeigen sich humorvoll (Foto:Fotolia)

In dieser Kolumne erfahren Sie, was „Radelrutschen“ sind. Sie lernen eine Frau kennen, die Begriffe wie „durchnudeln“ verwendet. Und eine demente Dame, die (zu) wenig bekleidet ist. Ein Blick in mein Pflege-Notizbuch mit lustigen Zitaten, Versprechern und mehr.

Frau Hartung fielen die richtigen Worte nicht ein. Die demente Bewohnerin überlegte. Sie schüttelte den Kopf – aber es fiel ihr einfach nicht ein. Also sagte sie: „Ich kann es nicht sagen. Der Text ist immer im Weg.“ Interessant, wie es demente Menschen ausdrücken, wenn sie nicht mehr weiterwissen. Ähnlich kreativ die Äußerung von Herrn Bauer. Das Wort für „Rollator“ war ihm entfallen. Doch ihm fiel eine gute Umschreibung ein: „Radelrutschen“. Ehrlich gesagt finde ich „Radelrutschen sogar noch sympathischer als „Rollator“.

Ein Blick ins Notizbuch

Immer wieder kommt es zu netten Sätzen, Versprechern und Dialogen im Altenheim. Ich habe mir verschiedene Aussprüche notiert. Und für diese Kolumne habe ich in meinem Notizbuch geblättert. Dabei soll nicht über jemanden gespottet werden. Nein, es soll gezeigt werden, dass auch Menschen mit Demenz fröhlich sein können, sich zu helfen wissen – und auf ihre eigene Art kommunizieren.

Kleiner Dialog bei der Pflege

Frau Hecht lag im Bett und wurde gelagert. Wenn sie etwas sagte, machte das für die Ohren des Personals oft keinen Sinn. Eines Tages wurde Frau Hecht wieder auf die andere Seite gedreht. Dann sagte sie plötzlich bedächtig zu den Pflegekräften: „Das bin ich an und für sich nicht gewohnt, dass ihr die Suppe so durchnudelt.“

Früher beim Baden

Eine bayerische Leserin meiner Kolumne schrieb mir: Eines Abends, als schon alle Bewohner im Bett waren, gesellte sich eine Bewohnerin im Schlafanzug zu ihr ins Büro. Das muss auf die Pflegekraft so lustig gewirkt haben, dass sie sich ein Lächeln nicht verkneifen konnte. Kommentar der Bewohnerin: „Schwester, mei wenn Sie wissadn, wia ich früher zum Baden ganga bin. Da ho i no weniger oghabt!“ („Schwester, wenn Sei wüssten, wie ich früher schwimmen gegangen bin. Da hatte ich noch weniger an.“)

Über Uli Zeller
Uli Zeller schreibt die Pflegebibel-Kolumne Uli & Die Demenz. Der Buchautor, Theologe und Krankenpfleger ist Experte im Umgang mit dementen Menschen. Sein aktuelles Buch erscheint demnächst in zweiter Auflage: Frau Janzen geht tanzen steckt voller humorvoller Vorlesegeschichten über Geburtstage, Jahreszeiten, Tiere, Sprichwörter und vieles mehr. Menschen mit Demenz erinnern sich dabei an vieles, das ihnen vertraut ist.Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag und gibt nützliche Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Themenvorschläge haben, erreichen Sie Uli Zeller über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

 

4 KOMMENTARE

  1. Radelrutsch ist doch ein ganz normales schwäbisches Wort :-). Bezeichnet Fahrzeuge wie Roller, Tretroller, Dreiräder usw. Kennt doch jeder…

  2. Interessant, wusste ich gar nicht. Soviel mir aber bekannt ist, stammt der Bewohner der es gesagt hat nicht aus dem schwäbischen Sprachraum und hat auch keinerlei Bezug dorthin. Er benutzt auch andere interessante Wortneuschöpfungen. Daher glaub ich immer noch, dass er das Wort selber erfunden hat (-:

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