So zahlt der Chef die Weiterbildung

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Tipps für die richtige Verhandlungsstrategie

Anja Schmitt (Name von der Redaktion geändert) hat sich für eine Weiterbildung entschieden. Die 32-jährige Altenpflegerin arbeitet in einem Süddeutschen Pflegeheim und tritt dort in Bezug auf ihre Karriere auf der Stelle. Vor drei Jahren fasste die Schwäbin einen Entschluss: Sie will sich auf eigene Faust nebenberuflich qualifizieren. Innerhalb eines Jahres absolvierte sie einen Lehrgang zur Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen. Für den IHK-Abschluss opferte sie 24 Samstage. Vier Wochen vor den Prüfungen schraubte sie ihre Arbeitszeit auf halbtags herunter – mit den entsprechenden Gehaltseinbußen.

Prämie für erfolgreichen Abschluss

„Von meiner Heimleiterin bekam ich anschließend eine Sonderprämie“, sagt sie. Bezahlen musste Schmitt, die inzwischen Wohnbereichsleiterin ist, die rund 3500 Euro Lehrgangskosten und Prüfungsgebühren somit nicht komplett aus eigener Tasche. Wie ihr geht es leider nicht allen, die sich nebenberuflich weiterbilden. Vom Chef gibt es oft keinen Cent. Dabei muss das nicht sein. „Wer verhandelt, kann einiges rausholen“, sagt Simone Stargardt. Die Geschäftsführerin der Weiterbildungsakademie carriere & more Region Stuttgart hat ein paar Tipps für die richtige Verhandlungsstrategie:

Passenden Zeitpunkt finden

Wer bei seinen Vorgesetzten vorspricht, nachdem er gerade Mist gebaut hat, kann höchstwahrscheinlich mit einer Absage rechnen. „Ein guter Zeitpunkt für Verhandlungen um Kostenübernahmen ist nach positivem Feedback oder wenn eine schwierige Aufgabe gut bewältigt wurde“, verdeutlicht Stargardt. Ist der Arbeitgeber zufrieden mit der bisherigen Arbeit, steigt die Chance für ein erfolgreiches Gespräch. Dabei allerdings darauf achten, den Chef nicht zu überrumpeln. Am besten ist es, das Gespräch zu planen. Also im Vorfeld einen Termin zu vereinbaren. Hilfreich war es etwa für Anja Schmitt, das Gespräch vorab zu üben. „Eine Freundin, die Erfahrung in Gesprächen mit Vorgesetzten hat, spielte mit mir die Situation durch“, sagt die Stuttgarterin. Geholfen habe ihr, dass diese das Gespräch überzeichnet hat. Denn: Je mehr „böse“ Fragen der Sparringspartner stellt, desto besser die Vorbereitung auf den „Ernstfall“.

Mehrwert herausstellen

Als zweiten Tipp nennt Stargardt eine schlüssige Argumentation: „Es lohnt sich, im Chef-Gespräch den Mehrwert für das Unternehmen herauszustellen.“ Als Altenpflegerin können frisches BWL-Wissen und neuste Rechnungswesen-Kenntnisse etwa dazu dienen, die Heimleiterin bei Kalkulationen und Kostenrechnungen zu unterstützen. Die Bildungsexpertin rät: „Wer verhandelt, sollte aufzeigen können, wo und wie er das neue Wissen einsetzen kann.“ Außerdem sollten die Inhalte der Weiterbildung klar kommuniziert werden. Infobroschüren und Stundenpläne schaffen dabei Transparenz.

Die Expertin
Simone Stargardt arbeitete bei Deutschlands größtem Lebensmitteldiscounter im mittleren Management, ehe sie sich mit 24 Jahren selbständig machte. Die Betriebswirtin ist Geschäftsführerin der privaten Weiterbildungsakademie carriere & more bei Stuttgart. Dort bereiten sich Erwachsene nebenberuflich auf IHK-Prüfungen vor.

Qualifizierte Mitarbeiter als Aushängeschild

Wer es ernst meint, bündelt dazu auf einem DINA 4-Blatt die Kernbotschaften – das kann dann auch an die Vorgesetzten ausgehändigt werden. Präpariert auf Nachfragen sollte allerdings das Restwissen im Kopf abgespeichert sein. Hinzu kommt: Eine hohe Weiterbildungsquote bei Mitarbeitern trägt zur Imagepflege eines Unternehmen bei. „Als erfolgreicher Absolvent eines Lehrgangs bin ich ein Aushängeschild unserer Einrichtung“, bestätigt auch Schmitt, die gute Resonanz auf den IHK-Abschluss erhalten hat.

Eigenleistung aufzeigen

Richtig ist: Weiterbildungen sind zeitaufwändig. Aber wenn der Arbeitgeber sieht, dass ein Angestellter persönlichen Einsatz bringt, motiviert es ihn eher, sich finanziell zu beteiligen. Hier ist es daher sinnvoll, im Detail aufzuzeigen, was an Eigenleistung eingebracht wird. Dazu gehört eine Summe der freien Tage, Feierabende und Urlaubstage, die der Weiterbildungswillige einzubringen plant. Auch die Erklärung, wie diese Stunden neben Schichtdienst und der notwendigen Entspannung freigeboxt werden sollen, dient dem Vorhaben, den Chef zu überzeugen. „Zumal das Durchspielen einen zwingt, sich tatsächlich mit den Hindernissen auseinander zu setzen“, wie Stargardt beobachtet hat. Was wiederum die Gefahr eines Abbruchs der Weiterbildung mindert.

Weiterbildung statt Gehaltserhöhung

Vielleicht kommt als Fazit neben der (anteiligen) Kostenübernahme durch den Chef der Wunsch nach einer befristeten Arbeitszeitreduzierung heraus, um besser und schneller lernen zu können. Oder noch Zeit für Erholung zu haben. Stargardt weiß: „Das Modell Freizeit gegen Übernahme von Qualifizierungskosten  fruchtet bei vielen Firmen.“ Das belegen Berichte von Lehrgangsteilnehmern. Zumal Unternehmen Kosten für eine Weiterbildung als betriebliche Ausgabe von der Steuer absetzen können. Und wie jeder Steuerberater bestätigen wird, fallen auf den Zuschuss zur Weiterbildung keine Sozialversicherungsabgaben an. Somit ist er günstiger als eine Gehaltserhöhung.

Ans Unternehmen binden

Allerdings spielt bei manchen Chefs Angst mit. „Sie befürchten, dass sich besser qualifizierte Leute einen neuen Job suchen“, sagt Stargardt. Diese Angst kann der Weiterbildungswillige entkräften, indem er im Gespräch ein klares Bekenntnis zu seinem Arbeitgeber abgibt. Und somit um Vertrauen in seine Person wirbt. Noch mehr als ein Lippenbekenntnis ist die Bindung an den Betrieb. Sich daher für die Kostenübernahme zu binden, ist ein gängiger Weg. Für eine zweijährige, nebenberufliche Weiterbildung gelten die zwei darauffolgenden Jahre als Bindung angemessen. „Wer geschickt verhandelt, kann sich gleich Aufstiegsmöglichkeiten zusichern lassen“, rät Stargardt. Ganz ähnlich wie die Punkteprämie im Profifußball, kann sich ein Arbeitnehmer erfolgsabhängig vergüten lassen. Dann bezahlt der Chef – wie bei Anja Schmitt –  die Weiterbildung rückwirkend, wenn der Angestellte seinen Kurs oder Lehrgang absolviert und die Prüfungen bestanden hat.

Meister-Bafög beantragen

Stargardts-Schlusstipp: „Für eine bestimmte Auswahl an Weiterbildungen gibt es Geld vom Staat.“ Über die KfW-Bank beantragt, schießt er 30 Prozent zu und gibt fast 70 Prozent als zinsloses Darlehen. Dieses Modell eignet sich auch als Vorschlag für den Chef. Der Arbeitnehmer beantragt das Bafög und der Arbeitgeber begleicht nach erfolgreichem Bestehen der Prüfungen den Kredit. Und wenn der Chef gar nicht will, dann eben nur staatliche Förderung über Meister-Bafög. Das sind alles in allem fast 48 Prozent von Lehrgangs- und Prüfungsgebühr. Damit ist man vom Arbeitgeber unabhängig und kann mit dem Abschluss entweder intern oder extern eine bessere Position und mehr Gehalt verhandeln.

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