Uli & die Demenz: Meine Mutter macht mein Leben zur Hölle!

0
197

Fünf Tipps, wie Demenz-Angehörige entschleunigen können

Unverständliche Wutausbrüche oder Taten, machen das gemeinsame Leben schnell zur Hölle
Anwesenheit von Angehörigen oder singen verbessert die Laune und entschärft die Situation(Foto: Fotolia)

„Hilfe, meine Mutter macht mein Leben zur Hölle“, rief Renate. Ihre demenziell veränderte Mutter urinierte in die Wohnung. Sie beschimpfte die Tochter. Einmal stellte sie den Wasserkocher auf den Herd und legte damit fast einen Brand in der Wohnung. Wie können Angehörige entlastet werden, während sie Zuhause ihre dementen Angehörigen betreuen? Ich gebe fünf Anregungen weiter.

Tipp 1: Laden Sie alte Bekannte ein

Wenn Sie immer mit Ihrem Angehörigen allein sind, ist alles auf ihn ausgerichtet. Laden Sie doch einmal alte Bekannte ein. Das hilft Außenstehenden, Demenz als Teil der Gesellschaft wahrzunehmen. Sie bleiben dadurch Teil der Welt außerhalb Ihres Angehörigen. Und es hilft Ihrem Angehörigen, wenn er auch von anderen Menschen wahrgenommen und wertgeschätzt wird. Trotz seiner Defizite.

Tipp 2: Nehmen Sie Unterstellungen nicht persönlich

„Du hast mir meine Unterhosen geklaut.“ „Warum hast du das Essen anbrennen lassen?“ „Du kannst doch nicht…“

Kennen Sie das? Wenn Ihnen Ihr Angehöriger immer wieder Dinge unterstellt, die Sie gar nicht gemacht haben, machen Sie sich bewusst: „Nein. Er meint gar nicht mich. Er ist vielleicht überfordert mit sich oder der Welt. Aber. Nein, ich bin nicht gemeint.“ Weitere wertvolle Hinweise finden Sie in dem Hörbuch „Sie haben meinen Ring gestohlen“ von Naomi Feil

Tipp 3: Beziehen Sie andere Angehörige mit ein

Gibt es noch andere Angehörige? Eine Tochter oder einen Schwager? Enkel oder gute Freunde? Überlegen Sie, wer Sie einmal entlasten könnte. Ideal wäre, wenn Sie sich mindestens einen „freien Tag“ in der Woche frei schaufeln könnten. Vielleicht finden Sie auch jemanden, der einmal für ein oder zwei Stunden zu Ihrem Angehörigen schaut. Nutzen Sie die Zeit und tun Sie etwas, das Ihnen Spaß macht. Eine Angehörige erzählte mir, sie habe immer das Gefühl gehabt, andere können sich nicht so gut um ihren dementen Partner kümmern wie sie. Dann hat sie sich von dieser Idee verabschiedet. Und gemerkt: „Andere machen es anders. Aber nicht unbedingt schlechter. Wenn ich aber bereit bin, mich entlasten zu lassen, hat mein Partner länger etwas von mir.“

Tipp 4: Singen Sie viel

Wer singt, dem geht es besser. Singen Sie mit Ihrem Angehörigen oder alleine. Wenn Sie nicht gern singen, pfeifen Sie ein Lied oder hören Sie Musik. Vielleicht spielen Sie ja auch ein Instrument. Musik hebt die Stimmung.

Tipp 5: Beugen Sie aktiv einer Demenz vor

Prüfen Sie einmal, ob Ihr Lebenswandel eine früher einsetzende Demenz begünstigt. Lesen Sie dazu meine Kolumne zum Thema.  Nehmen Sie sich einen Ratschlag davon heraus, den Sie umsetzen möchten. Sei es, dass Sie Ihre Ernährung umstellen oder regelmäßig Sport treiben. Das wird Ihre Lebensqualität steigern und Sie entspannter machen.

 

Haben Sie weitere Tipps, die Sie als Angehöriger anderen Angehörigen weitergeben möchten? Oder haben Sie als Pflege- oder Betreuungskraft eine gute Idee, die schon Vielen geholfen hat? Kommentieren Sie diese gerne hier.

 

Über Uli Zeller
Uli Zeller schreibt die Pflegebibel-Kolumne „Uli & die Demenz“. Der Buchautor, Journalist, Theologe und Krankenpfleger hat sich auf den Umgang mit dementen Menschen spezialisiert. In seinem Ratgeber berät er Angehörige aus christlicher Sicht, wie sie „Menschen mit Demenz begleiten, ohne sich zu überfordern“. Neben häufigen Fragen über Demenz erklärt er in diesem Buch, wie man mit dementen Menschen umgehen und gemeinsame Zeit sinnvoll gestalten kann. Zellers Vorlesebücher für demente Menschen „Frau Krause macht Pause“ und „Frau Janzen geht tanzen“ sind in mehreren Auflagen erschienen. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

 

TEILEN
Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema "Demenz und Seelsorge" ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here