Gesünder leben durch Krankmeldung

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Warum Menschen trotz Krankheit zur Arbeit gehen

Auskurierte Mitarbeiter bleiben länger erhalten und sind leistungsfähiger
Kranke Pflegekräfte bringen keine Leistung und verursachen mehr Kosten im Vergleich zu Krankgeschriebenen. (Foto: Fotolia)

Grippezeit: Die Nase läuft, der Hals schmerzt und viele Pflegekräfte fühlen sich elend oder schlapp. Trotzdem gehen viele weiterhin zur Arbeit. Vor Sorge, sie könnten die PDL´s verärgern oder die netten Kollegen durch Mehrarbeit belasten Zusätzlich möchte niemand als Waschlappen abgestempelt werden.

Leistungsabfall und hohe Kosten

Wer trotz Krankheit zur Arbeit geht, leidet im Jargon der Psychologen unter Präsentismus. Dass ein kranker Mitarbeiter weniger leistungsfähig ist, vielleicht sogar teure Fehlentscheidungen aufgrund mangelnder Konzentration trifft oder Unfälle verursachen kann, ist bekannt. Die Gefahr, in den Einrichtungen geschwächte Patienten, Bewohner oder Kollegen anzustecken, kommt hinzu.

Die Beratungsfirma Booz & Company veröffentlichte 2011 eine Studie, dass Präsentismus aufgrund mangelnder Konzentration und Leistung, das doppelte im Verhältnis zu einem Fehlenden Mitarbeiter kosten würde. Arbeitgeber, die mit Geldprämien Kranke zur Arbeit locken, riskieren negative Langzeitfolgen. Die Gefahr, dass Nachahmer sich an Präsentismus-Kollegen ein Beispiel nehmen, lässt die Kostenspirale in die Höhe jagen.

Furcht vor Konsequenzen

Laut der Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeit (BAuA), gehen insbesondere Beschäftigte krank zu Arbeit, die unter Leistungs-, Termin- und Zeitdruck leiden. Stark betroffene Berufsgruppen sind die Bau- und Landwirtschaft sowie Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe wie die Altenpflege.

Wirtschaftspsychologin Cathrin Bach identifiziert fünf Motive für Präsentismus: Kollegialität, die Wahrung des sozialen Ansehens, das Pflichtgefühl gegenüber der Arbeit selbst, die Furcht vor negativen Konsequenzen und Ablenkung. Für die von Bach befragten Beschäftigten unterschiedlichster Branchen zeigte sich: Je stärker insbesondere eines der ersten drei Motive ausgeprägt ist, desto häufiger ist Präsentismus zu beobachten.

Gerechtigkeit zahlt sich aus

Arbeitnehmer, die sich im Beruf gerecht behandelt fühlen, bleiben im Krankheitsfall eher zuhause. In Unternehmen, die sich um transparente Vergütungsstrukturen, Entscheidungsprozesse sowie Informationsflüsse bemühen, erscheinen Mitarbeiter seltener krank zum Dienst. Denn wer sich nicht um seinen guten Ruf sorgen und keine schlechte Leistungsbeurteilungen fürchten muss, kann sich ruhigen Gewissens auskurieren.

Pflegeeinrichtungen profitieren davon Mitarbeiter gerecht zu behandeln und Prozesse nachvollziehbar und transparent zu gestalten. Es lohnt sich, den Pflegekräften klar zu kommunizieren, bei Krankheit zuhause zu bleiben. Langfristig sind diese gesünder, zufriedener und arbeiten produktiver. So reduziert sich der Krankenstand.

 

Die beste Desinfektion hilft selten vor kranken Kollegen.



Hendrik Stüwe (Jahrgang 1991) Ist Pflegebibel Redakteur, gelernter Industriekaufmann, Fotograf und Journalist. Gesundheits- und Management-Themen sowie aktuelle Ereignisse aus der Pflege sind seine Spezialgebiete. Damit ist der ehemalige Fitnesscoach auch in anerkannten Arzt-, Physio- und Fitness-Magazinen unterwegs.

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