Uli & die Demenz: Sterben ist Teil des Lebens

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Sechs Wünsche für meine letzten Stunden

Die Anwesenheit der Familie hilft vielen Sterbenden.
Sterben ist ein Teil des Lebens. Doch viele wollen dabei nicht alleine sein. Die Familie unterstüzt und erleichtert den Prozess.

 

Wie gehe ich damit um, wenn Menschen sterben? Für viele Menschen ist Sterben ein Tabu-Thema. Pflegebibel-Kolumnist Uli Zeller wünscht sich einen natürlichen Umgang mit dem Tod.

Unser Kolumnist ist Krankenpfleger und Seelsorger in einem Altenheim. Regelmäßig begleitet er Sterbende. Dabei beobachtet er viel – und wird sich über seine Wünsche für sein eigenes Sterben klar. Hier sechs Wünsche an diejenigen, die ihn einmal beim Sterben begleiten…

 

(1.) Bleib bei mir – und (2.) lass mich auch mal allein

Frau Hinz lag im Sterben. Ihre Atmung setzte aus. Ihr Mann und ihre Kinder waren die ganze Zeit bei ihr – und hielten ihre Hand. Dann verließen sie das Zimmer. Für fünf Minuten. In diesem Augenblick passierte es: Frau Hinz starb. Bei Herrn Baumgärtner war es gerade anders herum: Als sein Sohn das Zimmer betrat, den er seit 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte, dauerte es keine zehn Minuten, bis Herr Baumgärtner starb. Ich wünsche mir, dass ich im Sterben nicht alleine bin – aber ich möchte auch nicht rund um die Uhr von Menschen umgeben sein. Besucht mich ohne Scheu – aber lasst mich auch allein. Beschenkt mich mit eurer Anwesenheit – aber gönnt mir auch Ruhe und Zeiten, in denen ich alleine bin.

 

(3.) Halte meine Hand – und (4.) lass mich los

Wenn Angehörige Sterbenden krampfhaft die Hand halten, drückt das manchmal ihre eigene Unbeholfenheit aus. Im Idealfall können Berührungen dem Betroffenen das Gefühl geben, gehalten zu werden. Denke nach über die Art, wie du mich begrüßt, wäschst, massierst, meine Atmung unterstützt oder meinen Kopf hältst. Gute Hinweise dazu gibt das Buch „Basale Stimulation in der Palliativpflege“. Sei aber auch bereit dazu, mich los zu lassen. Ich sterbe. Ich werde nicht mehr da sein. Dein Leben wird auch ohne mich weitergehen. Nur anders. Sei nicht nur traurig darüber, dass du mich verlierst. Freue dich lieber noch viel mehr über unsere schönen gemeinsamen Zeiten. Lass mich los.

 

(5.) Erzähle mir – und (6.) sei auch mal ruhig

Wenn Angehörige an meinem Sterbebett sind, möchte ich nicht das Gefühl haben, dass sie jetzt nur noch heulen und für sie die Welt untergeht. Ich wünsche mir, dass sie dankbar dafür sind, dass wir gemeinsam eine Strecke des Lebens gehen konnten. Ich würde mich freuen, wenn sie mir Geschichten aus meinem Leben erzählen. Lustige und traurige Episoden. Tiefsinniges und Oberflächliches. Ich würde mich freuen, wenn meine Angehörigen an meinem Sterbebett etwas zu Lachen haben. Aber ich möchte auch nicht, dass nur geredet wird, um die peinliche Stille zu übertönen. Nein, es ist auch schön, wenn alle einmal ruhig sein können

 

Welche Wünsche haben Sie an die letzten Stunden Ihres Lebens? Was sollen die Menschen beachten, die Sie begleiten? Kommentieren Sie hier Ihre Wünsche.

 

Über Uli Zeller
Uli Zeller schreibt die Pflegebibel-Kolumne „Uli & die Demenz“. Der Buchautor, Journalist, Theologe und Krankenpfleger hat sich auf den Umgang mit dementen Menschen spezialisiert. In seinem Ratgeber berät er Angehörige aus christlicher Sicht, wie sie „Menschen mit Demenz begleiten, ohne sich zu überfordern“. Neben häufigen Fragen über Demenz erklärt er in diesem Buch, wie man mit dementen Menschen umgehen und gemeinsame Zeit sinnvoll gestalten kann. Zellers Vorlesebücher für demente Menschen „Frau Krause macht Pause“ und „Frau Janzen geht tanzen“ sind in mehreren Auflagen erschienen. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

 

 

 

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema “Demenz und Seelsorge” ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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