Altenpflegemesse Nürnberg: „ALTENPFLEGE hautnah“

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Die Pflegebibel prüft Nürnberger ALTENPFLEGE-Messe auf Herz und Nieren

Die Nürnberger ALTENPFLEGE-Messe zeigt Pflegekräften die neuesten Innovationen und informiert über aktuelle Geschehnisse und Veränderungen (Foto: Privat)

28.000 Besucher fanden sich zur diesjährigen Nürnberger Messe ALTENPFLEGE ein. 660 Aussteller aus verschiedenen Bereichen präsentierten ihre Neuheiten. Pflegebibel-Autor Hendrik Stüwe war vor Ort und erzählt von seinen Eindrücken.

Nach zweistündiger Fahrt erreiche ich das verspiegelte Messegebäude in Nürnberg. Den Eingang nach einer kleinen Wanderung erreicht, entgegnet mir gleich ein lautes „Wohoo“ mit einer Laola-Welle eines Begrüßungskommitees. Die, so sagt mir ein Mitarbeiter der Messe, 14 Euro pro Stunde für Wohoos und Laola-Wellen einsackt. Skurril in Anbetracht dessen, dass der Mindestlohn der Pflege mit maximal 10,20 Euro den Wohooer- Lohn unterbietet.

Doch weiter in die erste Halle. Genauer gesagt: Die Softwarehalle. Eine komplette Halle für neue Verwaltungs-Programme. Ich bin mir nicht sicher, ob Euch ein IT-Geschwafel interessieren würde und orientiere mich an der Besucherzahl der Stände und Hallen. Also weiter.

Darfs ein Daumenkino als Erinnerung sein?
Kursana sorgt für Spaß auf der ALTENPFLEGE (Foto: Privat)
Wehrfritz bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Aktivierung von Dementen
Das Memorie von Wehrfritz aktiviert demente Senioren durch historische Bilder und überzeugt durch qualitative Haptik (Foto: Privat)

In Halle vier steht das Thema Beruf und Bildung auf dem Messe-Plan. Viele kleine Stände, die Literatur verkaufen. Zugegebener Maßen sind leider auch diese Stände luftig besucht. Interessant sind dagegen offenbar die Info-Stände zu Aus-, Fort,- und Weiterbildung. Die Zukunft des Personals scheint gerettet! So veranstaltet die Seniorenwohnen-Kette Kursana ein Daumenkino-Fotoshooting, dass Teilnehmende als Andenken mitnehmen können. Ein lustiges Spektakel für Teilnehmer und Beobachter. Als ich an den Ständen von Hochschulen, Ausbildern und Informationsständen vorbei schlendere, frage ich mich: Ist Personalmangel nur ein Pflege- Unwort, das aufrechterhalten werden muss oder werden angehenden Kräfte für schlechte Zeiten gebunkert? Mag sein, dass ich Falsches interpretier, so war jedoch mein Eindruck.

Die zweite Hälfte ist mit Therapie-Equipment gepflastert. Ins Auge springen mir ein Spiele-Hersteller und der Sinnes-Aktivierer Wehrfritz. Mit Historien-Memorie oder Spielen für die Sinne, besitzen sie eine Bandbreite an Therapieinstrumenten für Demente und Menschen mit Handicaps. Qualitativ hochwertig und optisch anprechend.

Qualitatives und vollwertiges Essen steht bei Apetito an erster Stelle
Gefühle gehen durch den Magen. Für die richtigen Zutaten sorgt Essenslieferant und Berater Apetito (Foto: Privat)

Weiter in die nächste Halle. Dort stehen neben Textil und Hygiene auch Küche und Ernährung im Fokus. Vorbei an den Inkontinenz-Geruchshemmern und Desinfektionsmitteln, die meines Wissens keine Neuheiten sind, weiter zu den Food-Trends. Hersteller für Trinknahrung bieten immer mehr Sortiment. Smoothie-ähnliche Drinks, die nach einem Selbstversuch beurteilt sogar schmecken. Von Bar zu Bar tingelnd überzeugen mich Hipp und Nutricia. Ob es an den netten Verkäuferinnen liegt – ich weiß es nicht. Dem Besucherstrom folgend, stoppe ich bei einem grünen Auto mit der Aufschrift „Apetito“. Interessiert informiere ich mich bei einem der Köche, der mir während des Gesprächs immer wieder Häppchen rüber schiebt. Neben Lieferservice für Senioreneinrichtungen bietet Apetito zugeschnittene Ernährungskonzepte, die von Köchen und Pflegepersonal umgesetzt werden können.

Ornamin bedeutet Qualität mit Funktionalität vereint
Essgeschirr von Ornamin sorgt für Selbstständigkeit von Senioren und bietet den nötigen Komfort (Foto: Privat)

Papp satt wühle ich mich mit meiner Kamera durch das Gedrängel. Bis meine Linse einen Stand mit Geschirr erfasst. Ein großer Würfel mit der Aufschrift „Ornamin“ lässt vermuten: Der Stand ist vom Hersteller Ornamin. Bunte Teller mit Thermofunktion, Tassen mit einem tropfenähnlichen Innenleben, die das Trinkverhalten verbessern oder schräge Tellerböden verlangen nach meiner Aufmerksamkeit. Das Augenmerk der Westfalen liegt auf der Erhaltung der Selbstständigkeit von Senioren, Kindern oder Menschen mit Handicaps. Essen geben ist somit passé. Pflegebedürftige sind selbstständig und Pflegende haben ihre Hände frei für andere Dinge.

Weg vom Essen, suche ich in der Kasack-Abteilung nach neuen und ausgefallenen Designs. Ich bin enttäuscht. Wir haben auf der Pflegebibel schon über individuelle Kasack-Designs und diverse Shops berichtet, allerdings scheint der Trend die Hersteller nicht zu erreichen oder zu überzeugen. Mein Interesse an uni farbigen Allerwelts-Kasacks hält sich in Grenzen. Ebenso mein Interesse an der Hygiene-Abteilung. Viele Desinfektionsmittel, Handcremes oder Seifen, die einen bakterienfreien Arbeits- und Wohnraum versprechen und Hautpflegemittel, die die Haut jünger werden lassen. Sind wir ehrlich zu uns selbst: Beides ist leider nur bedingt möglich und hängt vom Nutzer der Mittel ab.

Ein Helfer, der die Sinne schont und die Entsorgung von Fäkalien vereinfacht
Nie wieder streng riechende Müllsäcke dank dem Müll-Vacuumierer (Foto: Privat)

Eine Hygienemaschine scheint mir dennoch sinnvoll. Der Fäkalien-Vacuumierer. Ähnlich wie ein Laminiergerät, wird ein Plastiksack mit Windeln oder Ähnlichem in einem Spalt eingeklemmt und die Luft entzogen. Das Ergebnis ist Abfall der nicht stinkt und entsorgt werden kann. Für den Hausgebrauch sicher auch eine gute Alternative gegen Müllgestank im Sommer.

Weiter zur letzten – Raum- und Technik-Halle. Massagegeräte, Handys für Senioren oder rückenentlastende Umlagedecken werfen sich mir förmlich in den Weg. Ebenso der Stand von Wissner Bosserhoff. Der Bettenhersteller überzeugt mit gutem Geschmack und hohen Qualitätsstandards. Massiv Holz, Aluminium-Features und technische Raffinessen machen die Pflegebetten optisch und technisch für die häusliche Pflege fit. Neben Badewannen in luxuriöser Optik und technischen Spielereien oder mobilen Plastikwannen fällt mir der Hersteller HEWI auf. Er zeigt, dass Pflegeeinrichtungen auch stylisch sein können. Das Demenz-Bad mit richtungsweisenden roten Markierungen auf Griffen oder Rändern überzeugt mich. Das Highlight: Mechanisch höhenverstellbare Klos und Waschbecken. Und das im schicken Design.

Insgesamt eine gelungene Messe mit vielen Häppchen und interessanten Eindrücken. Mit müden Füßen, einer Tasche voller Kulis und Gummibärchen mache ich mich auf den Heimweg.



Hendrik Stüwe (Jahrgang 1991) Ist Pflegebibel Redakteur, gelernter Industriekaufmann, Fotograf und Journalist. Gesundheits- und Management-Themen sowie aktuelle Ereignisse aus der Pflege sind seine Spezialgebiete. Damit ist der ehemalige Fitnesscoach auch in anerkannten Arzt-, Physio- und Fitness-Magazinen unterwegs.

 

 

 

 

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