Uli & die Demenz: Bilder für Demenz

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Erklärungsversuch eines unerklärlichen Zustandes

Demenz zu begreifen und nachzuvollziehen fällt schwer, der richtige Umgang umso wichtiger
Menschen mit Demenz leiden unter steigendem Verlust ihrer Erinnerungen und greifen gedanklich ins Leere (Foto: Fotolia)

Demenz ist vielschichtig. Schwierig zu fassen und zu erklären. Um verschiedene Abläufe einer Demenz zu verdeutlichen, helfen Bilder. Uli Zeller stellt hier zwei vor.

Demenz ist wie ein Stapel Scheine im Wind. Oder wie ein Pianist, der ins Leere greift. Diese beiden Bilder stelle ich Ihnen hier vor.

Ein Stapel Scheine im Wind

Der Lebenslauf von Helene hat sich wie ein Stapel Scheine aufgetürmt. Ein Schein auf den anderen. Von unten nach oben. Unten Erfahrungen aus der Kindheit – etwa gemeinsames Kartoffelschälen mit der Mutter. Und oben die Erfahrungen aus jüngster Zeit. Zum Beispiel der Name von Helenes Enkelin. Fegt eine Demenz über ein Leben hinweg, fegt sie diesen Stapel wie einen Wirbelwind fort. Von oben nach unten. Helene entfällt zuerst der Name ihrer Enkelin – erst viel später die Erinnerung an ihre Mutter. Stark an diesem Bild finde ich, dass es die Reihenfolge des Vergessens gut erklärt: Aktuelles wird schneller vergessen. Alte Erfahrungen bleiben länger erhalten. Dieses Bild finden Sie weiter ausgebaut auch hier oder hier.

Der Pianist

An diesem Bild wird deutlich, wie Selbstverständliches plötzlich nicht mehr da ist. Ein guter Pianist, der eine Einheit mit seinem Instrument bildet – kann plötzlich nicht mehr auf das zurückgreifen, was eigentlich selbstverständlich ist. Dieses Bild stammt von Andreas Wenderoth: „Ein halber Held“, erschienen in Geo, November 2014. Dieser Beitrag hat 2016 den ersten Platz beim Journalistenpreis Demenz bei der Diakonie Neuendettelsau gewonnen.

Wer demente Menschen begleitet, sieht sich also vor der großen Aufgabe, ihnen mit Tönen auszuhelfen – und die unteren Scheine in ihrem Stapel festzuhalten. Dabei wünsche ich Ihnen und mir viel Kraft und Ideenreichtum. Und: Wie immer können Sie Ihre guten Ideen natürlich auch unter dieser Kolumne kommentieren.

Über Uli Zeller
Uli Zeller schreibt die Pflegebibel-Kolumne „Uli & die Demenz“. Der Buchautor, Journalist, Theologe und Krankenpfleger hat sich auf den Umgang mit dementen Menschen spezialisiert. In seinem Ratgeber berät er Angehörige aus christlicher Sicht, wie sie „Menschen mit Demenz begleiten, ohne sich zu überfordern“. Neben häufigen Fragen über Demenz erklärt er in diesem Buch, wie man mit dementen Menschen umgehen und gemeinsame Zeit sinnvoll gestalten kann. Zellers Vorlesebücher für demente Menschen „Frau Krause macht Pause“ und „Frau Janzen geht tanzen“ sind in mehreren Auflagen erschienen. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema “Demenz und Seelsorge” ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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