Senioren auf Instagram

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Omas, Opas und Heime zeigen ihr Leben und Ereignisse der Insta-Welt

Die Insta-Welt wird von Senioren genutzt wie nie zuvor - die Gründe dafür sind unterschiedlich
Senioren entdecken die Social Media Welt für sich und schießen ab sofort Selfies, wie die jungen Nutzer (Foto: Fotolia)

Senioren haben im Netz nichts zu suchen – von wegen! Immer mehr Pflegeheime und rüstige Rentner entdecken Instagram. Welche Motivation dahinter steckt und wie so etwas aussehen kann.

#oma #großeltern #pflegeheim #senioren

Wer mit dieser Schreibweise erstmal nichts anfangen kann, dem muss das nicht unangenehm sein. Sogenannte „Hashtags“, wie die Worte mit der Raute (#) am Anfang heißen, werden hauptsächlich auf Instagram benutzt. Instagram ist ein soziales Netzwerk wie Facebook oder Twitter. Allerdings veröffentlichen Instagram-User ausschließlich Bilder und Videos. Kurze Textzeilen darunter beschreiben, was dem Fotografen wichtig erscheint, ihn bewegt hat oder einfach nur, was zu sehen ist.

Zahlen zum Fotonetzwerk

Instagram gibt es seit 2010. Zwei Jahre später wurde das Unternehmen von Facebook aufgekauft. Für diesen Zusammenschluss wechselten eine Milliarde Dollar den Besitzer. Täglich werden ungefähr 80 Millionen Bilder über die App veröffentlicht. Etwa 600 Millionen User nutzen Instagram. Doch nicht nur Reiseblogger, Fashionqueens und Jugendliche tummeln sich im Fotonetzwerk. Auch immer mehr Senioren und vor allem Pflegeheime mischen mit. Unter anderem die Seniorenresidenz „Am Warnowschlösschen“ in Rostock.

Pflegeheim möchte jüngere Zielgruppe erreichen

„Wir wollten damals auch jüngere Zielgruppen ansprechen“, erklärt Einrichtungsleiter Martin Kaiser, den Ursprung der Idee, soziale Netzwerke zu nutzen. Es sei eine Möglichkeit, sich im Internet zu profilieren und spreche junge Leute, also potenzielle Bewerber, eher an als ein Artikel in der Tageszeitung. Der Heimleiter fährt fort: „Dank den sozialen Netzwerken, wie Instagram und Facebook, haben wir eine wesentlich größere Streuweite bekommen.“ Bilder können auf Instagram geliked und kommentiert werden. So erfahre man auch immer eine Resonanz von den Zielgruppen, freut sich Kaiser.

Angehörige freuen sich über Fotos

Das Pflegeheim „Am Warnowschlösschen“ ist neben Instagram auch auf Facebook aktiv und hat seine eigene App für das Smartphone. Die App benachrichtigt direkt, wenn es etwas Neues gibt. Dazu gehören bevorstehende Veranstaltungen und Termine. Sie zeigt auch an, wenn neue Bilder hochgeladen werden.

Bei den Bewohnern und deren Angehörigen stößt das Knipsen größtenteils auf Zustimmung. Nur wenige haben etwas dagegen, dass Bilder von ihnen im Netz veröffentlicht werden. „Gerade Angehörige freuen sich sehr, wenn sie ihre Lieben auf Fotos in Instagram oder Facebook entdecken“, merkt der Einrichtungsleiter stolz an. Die Bewohner selbst sind seinem Wissen nach allerdings nicht auf Instagram aktiv.

Senioren und soziale Netzwerke

Laut einer Studie in den USA nutzen 43% der über 65-Jährigen die sozialen Medien. Instagram an sich ist allerdings nicht so beliebt, denn auf 30 „junge“ Nutzer kommt weniger als ein Senior. Ältere Menschen halten sich eher auf ausgereiften Plattformen wie Facebook oder LinkedIn auf und lassen alles Neue zuerst von ihren Enkeln testen.

 Instagram als Trauerverarbeitung

Anders: Kurt Ebenhoech, 73 Jahre alt. Seine Instagramseite „Seniorenblogger“ beweist gewissermaßen, dass Ältere sich im Netz nicht nur zurechtfinden, sondern auch Spaß daran haben können. Für einen Nebenjob machte er sich schon 2011 mit Facebook vertraut. Seit einem Jahr postet er Fotos auf Instagram – hauptsächlich zu seinem Patenhund Chili, mit dem er zweimal die Woche Gassi geht. Ebenhoech übernimmt Chili auch, wenn seine „normale“ Familie in den Urlaub geht. „Mit Instagram habe ich begonnen, nachdem mein Dalmatiner vor einem Jahr verstorben war. Er hat mich 8 Jahre lang begleitet hat“, erklärt der Hobbyfotograf. Er habe damals nach einer Möglichkeit gesucht, seine Trauer zu verarbeiten.

Instagram als Mittel gegen Altern

Nachdem er es zuerst mit einem Blog versucht hatte, habe er bald gemerkt, dass sein Talent nicht im Schreiben, sondern im Fotografieren liegt. „Als ich dann Chili als Patenhund bekam, wollte ich meine Freude an ihm zum Ausdruck bringen“, lässt der Seniorenblogger wissen. Ein bis zweimal die Woche veröffentlicht der Instagramer Bilder von Chili und erreicht damit vor allem andere Hundebesitzer. Aber auch Bekannte und Freunde, die ihm auf Instagram folgen. Durch das Fotonetzwerk behält die Chili’s eigentliche Familie ihren Hund auch im Urlaub im Blick. Ebenhoech verrät außerdem: „Meine Motivation, mich auf Instagram zu betätigen, ist die Hoffnung, dass ich durch die Bewegung mit dem Hund und das Fotografieren mein Altern verzögere.“


Die Namen der Instagramer:

Seniorenresidenz Warnowschlösschen: warnowschloesschen
Kurt Ebenhoech: seniorenblogger
Christina Belchere: fashiongrandpas
Marta Wilkosz: marta_wilkos

Infobox:

Fashion-Grandpas: Die Fotografin Christina Belchere begeistert mit ihren Bildern tausende Instagramer. Was sie fotografiert? Opas! Aber nicht irgendwelche, sondern die, deren Kleidungsstil sie begeistert. Ähnlich macht es auch Marta Wilkosz. Mit #seniorstyles markiert sie ihre Bilder. Auf denen sind hauptsächlich alte Damen mit ihrem ganz eigenen Stil zu sehen. Ob mal in der Bahn, an der Straße, im Park oder beim Warten auf den Bus – diese Fotografinnen fangen mit ihrer Kamera alte Menschen in jeder Lebenslage ein. Die Bilder dazu stellen sie dann auf Instagram und teilen die sie mit der Welt.

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