Demenzgottesdienst: So geht‘s

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Demenzgottesdienste gehören im Seniorenheim im Hoefelmayrpark dazu – die Erfolge sprechen für sich

Ein Demenzgottesdienst weckt selbst bei schwer demenziell Veränderten Erinnerungen
Der damalige Gottesdienst und dazugehörige Gebete und Lieder, sind in den Gedächtnissen der Bewohner oft noch tief verankert (Foto: Fotolia)

„… in Ewigkeit. Amen“, flüstert Annelise B. andächtig und hält dabei die zittrigen Hände fest gefaltet. Die 86-Jährige leidet unter Demenz. Sie weiß nicht mehr wie ihre Kinder heißen. Doch an die Zeilen des Vaterunsers erinnert sich die zierliche Dame.

Klare Abläufe sorgen für Erfolg

„Es gibt den Bewohnern Sicherheit, vertraute Abläufe wiederzuerkennen“, weiß Ursula Liebmann-Brack. Die Pastoralreferentin ist Seelsorgerin im SSG-Seniorenheim Hoefelmayrpark in Kempten. 24 Bewohner leben hier auf der Demenzstation. Für sie und jeden der kommen möchte organisiert Liebmann-Brack spezielle Demenz-Gottesdienste.

Am wichtigsten dabei, ist der immer gleiche Ablauf. Einrichtungsleiter Peter Ottlinger betont: „Der Sinn und Zweck des Gottesdienstes ist es, das Langzeitgedächtnis zu aktivieren. So können die Bewohner auch wirklich teilhaben.“ Die Senioren sitzen beispielsweise jedes Mal im Halbkreis zusammen. Ihre Blicke sind dabei auf einen niederen Altartisch gerichtet. Ein Demenzgottesdienst besteht im Kern aus Kyrie, bekannten Bibeltexten, Fürbitten und dem Vater Unser. Gerade letzteres kennen noch die meisten. „Ich staune immer wieder aufs Neue, wenn hochdemente Menschen das Vater Unser über die Lippen bekommen.“, gibt die Pastoralreferentin zu.

Sinne sorgen für Erinnerungen

Doch nicht nur bekannte Liturgieelemente sorgen für eine vertraute Atmosphäre. „Zusätzlich müssen wir die Sinne ansprechen“, weiß Liebmann-Brack. Die Patienten sollen nicht nur hören und sehen. Sondern auch durchs Schmecken, Riechen und Fühlen den Gottesdienst erfahren. Dazu nutzt Ursula Liebmann-Brack Sichtbares, wie Bilder und Symbole. Aber auch Spürbares, also Dinge zum Anfassen. Das Kreuz, die Kerze, die Bibel oder die Berührung beim Segen, sind Bestandteile der Zeremonie. Begleitend dazu nutzt die Altenheimseelsorgerin Duftöle, um den Geruchssinn zu aktivieren. Je nach Anlass kommen noch weitere Gegenstände dazu. Ein Osterlamm, ein Tannenzweig oder Getreidekörner zum Beispiel. Auch Bilder setzt Liebmann-Brack für die Gottesdienste ein.

Auch Kirchenlieder und Musikstücke wecken Erinnerungen. „Je bekannter die Lieder, desto besser sprechen Demenzpatienten darauf an“, erklärt Ottlinger. Viele Bewohner, die sonst wenig Reaktion zeigen, singen voller Inbrunst mit.

Lächeln & Dankbarkeit in 20 Minuten

Vor allem aber dürfe ein Demenzgottesdienst „höchstens zwanzig Minuten“ dauern. Längere Sitzungen strengen die Patienten zu sehr an. Die Angehörigen der Bewohner sind begeistert. Für sie ist der Gottesdienst eine schöne Abwechslung und Grund genug, Ursula Liebmann-Brack immer wieder zu danken. „Nicht nur für mich, auch für die Angehörigen, ist es schön zu sehen, wie das Singen und das Gemeinschaftsgefühl für Lebendigkeit und Aufmerksamkeit unter den Bewohnern sorgen“, freut sich die Seelsorgerin.

Schon seit mehr als drei Jahren bereitet Liebmann-Brack wöchentliche Demenzgottesdienste vor und feiert diese mit den Senioren. „Ich habe dadurch eine Aufgabe mit Sinn gefunden und kann den Menschen etwas Positives zurückgeben“, ist sie sich sicher. Besonders emotional sei es, wenn die Pfarrerin jeden Senior einzeln segnet. So erwidere ausnahmslos jeder Teilnehmer den Blickkontakt – oft mit einem Lächeln der Dankbarkeit. Manche Bewohner umarmen die Pastoralreferentin spontan oder sprechen Teile des Segens mit.

 

 

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