Uli & die Demenz: Drei Tipps, um den Pflege-Alltag zu meistern

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Wie Glaubenssätze Kraft rauben oder schenken

Ist es wirklich immer so? Ist er oder sie wirklich immer schlecht gelaunt? Dies sind nur zwei von vielen Fragen, die man sich stellen kann.

Frau Hubmüller pflegt ihren Ehemann. Nicht immer fällt es ihr leicht. Dafür gibt es Gründe: „Er ist immer so ungeduldig“, klagt sie. Und: „Nie mache ich es ihm recht.“ Was kann Frau Hubmüller anders machen, damit ihr die Pflege leichter fällt?

Jeder Mensch lebt mit gewissen Annahmen: So bin ich. So ist der Andere. Diese Annahmen können uns das Leben erleichtern. Aber manchmal auch erschweren. Dann schränken sie uns ein und nehmen uns die Gelassenheit. Woran erkenne ich Annahmen, die mich bremsen oder zerstören? Und wie steuere ich dagegen?

Erstens: Generalisierungen hinterfragen

„Immer“, „nie“, „dauernd“ – das sind Worte, die entlarven. Vorsicht, wenn Ihre Glaubenssätze diese Begriffe enthalten. Stimmt es wirklich, wenn ein Angehöriger sagt: „Er ist immer so ungeduldig.“ Oder wenn die Pflegekraft klagt: „Meine Kollegin übernimmt nie den Dienst für mich.“ Hinterfragen Sie einmal: Ist mein Angehöriger wirklich immer ungeduldig? Übernimmt meine Kollegin wirklich nie einen Dienst? Gab es schon einmal eine Ausnahme. Vielleicht ist es ja gar nicht immer so…

Zweitens: Verzerrungen hinterfragen

„Mein dementer Partner reizt mich zum Zorn“, ist eine Verzerrung. Denn hier werden zwei Dinge in Bezug gebracht, die nicht zwangsläufig zusammen gehören. Hinterfragen Sie: Zwingt mich mein Partner, wütend zu werden? Was müsste ich denken, um nicht zornig zu werden? Was könnten Sie tun, anstatt wütend zu werden?

Drittens: Tilgungen hinterfragen

Sätze, die ein Problem zu wenig umreißen, bremsen aus: „Das war das Schlimmste, das passieren konnte.“ Hinterfragen Sie: Was genau ist passiert? Was war schlimm daran? Was wäre noch schlimmer?

Diese Tipps stammen aus dem Buch „Gelassenheit lernen“. Dort finden Sie auch eine Liste, um eigene Vorurteile damit zu hinterfragen. Hier einige Beispiele dieser Fragen, die ich auch wieder auf die Pflegesituation konkretisiere:

– Deute und interpretiere ich etwas in meine Arbeitskolleginnen hinein?

– Wo und wie stelle ich Ansprüche und Forderungen an Menschen mit Demenz, die sie eventuell gar nicht (mehr) erfüllen können?

– An welcher Stelle kann ich Vorgesetzten, Kollegen, Bewohnern, Patienten und mir selbst verzeihen?

 

Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

 

 

 

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema “Demenz und Seelsorge” ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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