Uli & die Demenz: Er brummelt nur noch

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Drei Tipps, um Menschen mit Demenz jenseits der Worte abzuholen

Füllwörter, die für unseren normalen Sprachgebrauch störend erscheinen, wirken bei Menschen mit Demenz beruhigend und halten die Kommunikation aufrecht
Menschen die aufgrund ihrer Demenz nur noch brummeln, sind für Angehörige und Pfleger eine Herausforderung. Möglichkeiten zur Kommunikation gibt es dennoch (Foto: Fotolia)

„Mein Mann spricht nicht mehr“, klagt Frau Bachmann. „Er brummelt nur noch. Oder er sagt einzelne Worte.“ Und weiter: „Diese ganzen Kommunikationstipps für Menschen mit Demenz bringen uns nichts mehr. Denn mein Mann kann ja gar nicht mehr mit mir sprechen.“ Wie kann Frau Bachmann dennoch Ihren Mann abholen? Was würde ich an ihrer Stelle tun?

Einen Dialog auf Gefühlsebene führen

Ich würde weniger darauf zu achten, was ich sage. Stattdessen würde ich mehr darauf achten, wie ich es sage. Wie ist mein Tonfall? Wie klingt meine Stimme? Wie kommt mein Tonfall bei meinem Gegenüber an? Wie wirkt meine Stimme auf ihn? Ich würde versuchen, wohlwollend zu sprechen, mit freundlicher Stimmlage. Nicht zu hoch und nicht zu tief. So, wie ich selber es auch angenehm empfinden würde.

Füllwörter benutzen

Meistens stören Sie ja eher, diese unnötigen Wörter: „hm“, „ach so“, „ja“. Aber in der Kommunikation mit Menschen mit Demenz können Sie hilfreich sein. So halte ich das Gespräch am Laufen. Der Dialog läuft weiter. Klingt vielleicht seltsam. Aber es ist doch eine bessere Alternative, als schweigend und verlegen da zu sitzen – und nicht zu wissen, was man sagen soll. Die Schwaben „Häberle und Pfleiderer“ haben ja auch eine ganze Generation mit ihrem „So so, ja ja“ unterhalten. Mit Füllwörtern sind wir also dennoch im Gespräch miteinander. Jenseits der Worte. Auf Gefühlsebene.

Nonverbal kommunizieren

Ein Gespräch besteht ohnehin nicht nur aus Worten. Auch jenseits der Worte geschieht viel Kommunikation, mit der ich dem anderen Wertschätzung zeige: Augenkontakt wird oft als angenehm empfunden. Ebenfalls Berührungen. Allerdings gilt es hier, sensibel zu sein. Der Augenkontakt und die Berührungen sollten nicht intensiver sein, als es sich Ihr Gegenüber wünscht. Vielleicht lege ich lieber erst einmal dezent die Hand auf die Schulter. Und ein Lächeln hat ja auch noch nie geschadet – und öffnet so manches Herz.

 

Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

 

 

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema “Demenz und Seelsorge” ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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