Video: Pflegebranche macht sich Mut bei Tagung

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Fachkräfte diskutieren Perspektiven und lassen sich von Referaten inspirieren

Ingrid Hastedt macht den Fachkräften Mut, nach vorne zu schauen (Foto: privat)

 

Vom Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg veranstaltet, widmet sich die jährlich in Stuttgart stattfindende Tagung aktuellen, kontroversen Themen aus Betreuung und Pflege. „Visionen für die Pflege von übermorgen – Eine Branche im Wandel“ stand dieses Jahr auf dem Programm und wurde in fünf interessanten und abwechslungsreichen Vorträgen präsentiert.  Direkt zum Video

„Wir wollten diesmal den Blick bewusst nach vorne richten, weg vom gegenwärtig vorherrschenden Problemdenken”, so Ingrid Hastedt, Vorstandsvorsitzende des Wohlfahrtswerks, „und stattdessen mutig Visionen und neue Wege für die Zukunft von Pflege und Betreuung aufzeigen.”

Berufszufriedenheit: Rahmenbedingungen sind entscheidend

Dr. Gabriele Ensink vom Institut für Gerontologie der Ruprechts-Karls-Universität Heidelberg stellte eine Studie darüber vor, wie Berufszufriedenheit bei Altenpflegern langfristig gelingen kann.

Im Kern ist entscheidend, dass Rahmenbedingungen existieren, unter denen die Pflegefachkraft ihre moralische Integrität wahren und den von ihr als wichtig empfundenen Aufgaben nachgehen kann: Betreuung, Daseins-thematische Begleitung und Sterbebegleitung.

Einrichtungen, deren Leiter früher selbst aktiv in der Pflege waren, fand Ensink heraus, gelingt die Herstellung günstiger Rahmenbedingungen besser. Dazu gehören: mindestens Tariflohn und Anerkennung von Berufserfahrung, verlässliche Dienstpläne und stabile Teams mit ausreichend Fachkräften um ein paar Parameter zu nennen. Wertschätzung sei ebenfalls ein wichtiger Faktor, weshalb Ensink empfiehlt, den Begriff des „Helfersyndroms“ zu vermeiden, weil er ein Verhalten als krankhaft abwerte.

Technischer Fortschritt: Wir sind schon mittendrin

Mit den Schlagworten „künstliche Intelligenz“, „Internet der Dinge“ und „digitale Zukunft“ katapultierte Oliver Fischer seine Zuhörer in eine komplexe Parallelwelt. Denn Google, Apple & Co. schafften neue Rahmenbedingungen. Der Geschäftsführer von Digital Concepts in Stuttgart stieß aber auch auf Skepsis, als er in die Welt der Sprachsteuerung und der künstlichen Intelligenz führte, die die Pflege durchdringen und das Personal entlasten würden.

Pflegeversicherung: grundsätzlich ist viel machbar

Thomas Kalwitzki stellte ein Gutachten der Initiative Pro Pflegereform vor und entwarf Alternativen zur bisherigen Pflegeversicherung. In der visionärsten Version des Referenten des Socium-Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik in Bremen ist der Eigenanteil in der Pflegeversicherung zeitlich und in der Höhe gedeckelt. Das sei grundsätzlich machbar, müsse aber andere Faktoren im Blick haben. Etwa die fünf Pflegegrade zugunsten einer individuellen Leistungsbemessung abzulösen.

Demenz? Einfach mal als Privileg sehen!

„Betrachten Sie Demenz einfach mal als Privileg“, lud Prof. Dr. Hans Förstl zum Perspektivwechsel ein. Wir könnten dank unseres Lebensstandards trotz Demenz lange leben – im Gegensatz zu Tieren in freier Wildbahn. „Wir werden alle dement, wenn wir nur alt genug werden,“ so der bayrische Neurologe und Psychiater. Jeder könne sein Demenzrisiko um 98 Prozent senken, so seine Botschaft, die er mit praktischen Tipps unterlegte: maßvoll und eigenverantwortet leben und manchem technischen Fortschritt entsagen, der uns bequem macht.

Dem Wohl des Menschen verpflichtet sein

Der Sprachwissenschaftler, freie Publizist und politische Aktivist Christian Felber inspirierte die Führungskräfte aus der Pflegebranche für Gemeinwohl-Ökonomie, die er als alternatives Wirtschaftssystem begründet hat. Neben seinen Ausführungen zu einem System, in dessen Mittelpunkt nicht das Kapital, sondern der Mensch steht, beeindruckte das Auditorium sein Kopfstand, der die Umkehr von Verhältnissen symbolisieren sollte. Felber geht es um Selbstverantwortung und Verbindung mit anderen.
Zugleich schloss sich der Kreis zu den anderen Referaten, die jeweils Aspekte eines gesünderen Systems skizziert hatten. Bei den Zuhörern blieb das Gefühl, in der Vernetzung mit anderen, in kleinen und mutigen Schritten neue Modelle einüben zu können, um eine humane Gesellschaft – nicht nur in der Pflege – zu gestalten.

Hier eine Videozusammenfassung des Tages:


Eva Becker, (Jahrgang 1981) studierte Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Film. Arbeitet als freie Filmemacherin, Grafikerin und (Video-)Journalistin. Ist gerne im Kino, im Wald und im www.

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