Uli & die Demenz: Gegenstände und Bilder wecken Erinnerungen

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Erinnerung bei dementen Menschen anregen

Alte Fotos bringen lange verschüttete Erinnerungen nach oben (Foto: Pexels)

„So ein Fahrrad hatte ich auch einmal“, erinnert sich Frau Müller, als sie auf das Bild schaut. Und Herr Kern ergänzt: „Mein Fahrrad hatte sogar noch Speichen aus Holz.“ Frau Schneider-Landner nimmt die Fahrradklingel in die Hand, läutet damit – und lächelt. Immer wieder staune ich, wie schnell und leicht Bilder und Gegenstände schöne Erinnerungen bei Menschen mit Demenz wecken.

Gegenstände und Bilder

Gerne bringe ich Bilder von Gegenständen mit, die Erinnerungen wecken. Für Frauen eignen sich häufig Gegenstände aus dem Haushalt – ein Eierbecher, eine Teekanne oder ein Topf. Männern gefallen oft Bilder von Gegenständen aus der Bastel-Werkstatt oder dem Berufsalltag. Zum Beispiel eine Fahrradklingel, ein Schloss oder ein Stempel.

Vor- und Nachteile

Der Vorteil von Gegenständen besteht darin, dass man sie in die Mitte stellen kann. Teilnehmer können diese in die Hand nehmen und betasten. Dadurch entstehen mehrere Sinneseindrücke (Sehen, Fühlen, Riechen, Hören) – und es werden noch mehr Erinnerungen geweckt als beim bloßen Betrachten. Ein Nachteil ist natürlich, dass viele Gegenstände schwieriger zu transportieren sind. Deshalb habe ich meist viele Bilder dabei – und nur ein bis zwei Gegenstände. So habe ich alle Vorteile vereint: Eine große Motivauswahl. Und wenig zum Schleppen.

Woher Bilder nehmen?

Bilder kann man aus Zeitschriften ausschneiden oder im Internet suchen. Verschiedene Verlage bieten auch Bildkarten und Bildmaterial speziell für Menschen mit Demenz an. Ein Beispiel dafür ist „Fotoduett“. Auf 60 Fotokarten kommen hier Alltagsgegenstände vor, die Erinnerungen wecken. Bei den Fotokarten sind zudem verschiedene Spielvarianten angegeben: Man kann zwei Fotos suchen, die zusammen passen. Und dies in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Bilder und Geschichten

Gerne verwende ich auch Bilder und Gegenstände, um Geschichten zu bebildern. Ich lese dann eine Geschichte vor – und lege einen dazu passenden Gegenstand in die Mitte. In meinen Vorlesebüchern habe ich bei vielen Geschichten Tipps dazu geschrieben, welche einfachen Gegenstände man mitbringen kann.


Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema “Demenz und Seelsorge” ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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