Uli & die Demenz: Drei Tipps, um Nein zu sagen

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2015

Grenzen setzen, ohne zu verletzen

Mit diesen drei Tipps trauen Sie sich Nein zu sagen. (Foto: Fotolia)

„Frau Müller, könnten Sie nicht heute den Nachtdienst übernehmen?“ „Kannst du noch die drei Bewohner von Station drei duschen?“ „Kannst du bitte noch die Dienstzimmer putzen, die Betäubungsmittel nachzählen und jemanden organisieren, der morgen den Spätdienst macht?“ Solche Fragen hören Pflegekräfte immer wieder. Eine gute Antwort darauf wäre: „Nein.“

Wie kann ich mich davor schützen, mit unnötigen Arbeiten überhäuft zu werden? Und wie gelingt es, gleichzeitig den anderen dabei Wertschätzung zu zeigen? Drei persönliche Tipps, um nein zu sagen – und dennoch wohlwollend zu bleiben.

Abstand zu mir selbst

Manchmal werde ich mit Arbeiten überhäuft – und fühle mich dadurch eingeengt. Eine gute Frage für mich ist: Was verschlägt mir denn den Atem? Wo komme ich denn zu kurz? Welche Konsequenz hätte ein klares Ja, ein klares Nein – und ein Zwischending, eine Art Jain?

Blick auf den anderen

Es kann sein, dass der andere in einer Notsituation ist. Unter Druck ist er vielleicht gar nicht offen dafür, das ich keine Zeit habe oder überfordert bin. Hier hilft es mir, nicht zu sagen „Ich kann nicht…“, sondern: „Ich möchte (!) nicht…“ Das schafft Klarheit und ist gleichzeitig wohlwollend. Vielleicht kann ich sogar eine erste Idee für eine andere Lösung bringen. Das zeigt, dass ich Interesse am Anliegen der Person habe. Wenn er langfristig meinen Wunsch nicht respektiert, zum Beispiel im Dienstplan, muss ich eben konsequent sein, mit Kündigung drohen – und dann auch tatsächlich kündigen. Als Pflege- und Betreuungskräfte können wir schließlich wählen, wo wir arbeiten wollen – und sitzen damit am längeren Hebel.

Ein Nein schenkt freie Energie

Wer nein zum Spätdienst sagt, hat dafür Zeit für seine Familie. Es ist ja nicht meine Aufgabe als Pflegekraft, für genügend Personal zu sorgen – das ist das Problem des Chefs. Wer nicht auch noch die Dienstzimmer putzt, hat dafür mehr Zeit, um einem Bewohner einmal etwas vorzulesen. Warum sollten Pflegekräfte ihre Zeit mit putzen verschwenden? Wer nicht jedes Telefonat auch noch übernimmt, hat Freiraum, um für andere Menschen da zu sein. Auch Pflegekräfte sind nicht jedermanns Sekretärinnen und Sekretär.


Über Uli Zeller
Uli Zellers aktuelles Buch heißt „Frau Franke sagt Danke. Mutmachgeschichten für Menschen mit Demenz“. Bekannt wurde der Krankenpfleger, Journalist und Theologe durch seine Vorlesebücher für Menschen mit Demenz und einen Ratgeber für Angehörige aus christlicher Sicht. Bei uns schreibt der Autor über seinen Pflegealltag. Er gibt Tipps für Pflegekräfte und pflegende Angehörige. Bei Fragen, Anregungen oder Themenvorschlägen schreiben Sie ihm über info@die-pflegebibel.de oder die Kommentarfunktion.

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Uli Zeller (Jahrgang 1976) arbeitete mehrere Jahre als Krankenpfleger im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe. Sein Theologiestudium schloss er mit einer Masterarbeit zum Thema “Demenz und Seelsorge” ab. Seit 2008 ist er als Betreuer und Seelsorger in einem Altenheim in Singen tätig. Menschen mit Demenz lieben seine humorvollen Geschichten, Andachten, Rätsel und Gedichte.

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